OTTO goes Star Wars

Rekrutierungsevents sind eine aufwändige, jedoch tolle Sache, wenn es um das Rekrutieren von Mitarbeiter*innen geht. whatelsen.work möchte nun einige Rekrutierungsevents vorstellen, die besonders interessant waren. Dabei sollen eigenen und mittelbare Erfahrungen einfließen. Wir starten mit einigen allgemeinen Überlegungen und einem Best-Practice-Beispiel: dem Versandhaus OTTO.

Wenn die Arbeitsmarktzahlen gut sind und die Arbeitslosigkeit sinkt, müssen Recruiter*innen sich etwas einfallen lassen, um den Bedarf zu decken. Eine steigende Auftragslage geht meistens einher mit einer verstärkten Nachfrage auf dem Bewerber*innenmarkt. Besonders heikel wird es, wenn Unternehmen Aufträge “liegen lassen” müssen, weil sie über zu wenig geeignetes Personal verfügen. Wenn Praktikant*innen dann die Lücke nicht schließen können, dann ist Kreativität beim Rekrutieren gefragt.

Neue Wege der Rekrutierung ?

In Zeiten von hohen Arbeitskräftenachfragen sind Firmen meist sehr bemüht, sich von der Konkurrenz durch neue Wege der Rekrutierung zu unterscheiden. Employer Branding ist dann plötzlich gefragt und der Schrei nach neuen Rekrutierungswegen ist laut. Dabei sind diese Wege, die dann eingeschlagen werden, gar nicht so neu. In vielen Fällen handelt es sich einfach um Events, bei denen Unternehmen zwei Dinge erreichen möchten: (1) Sich als toller Arbeitgeber präsentieren (2) viele Bewerber*innen live und in Farbe zu erleben.

Anfang der 2000er Jahre waren so die “Pink-Slip-Partys” der letzte Schrei. Dabei handelt es sich nicht etwa um Rekrutierungsevents mit einem erotischen Touch, sondern um Rekrutierungspartys. In den USA bezeichnet man ein Kündigungsschreiben als pink slip (in etwa „rosa Schein“, was mit dem „Blauen Brief“ in Deutschland und Österreich, die ja meist “eingeschrieben” werden, vergleichbar ist).

Die Partys kamen etwa im Jahr 2000 im Zuge der New-Economy-Krise in den USA auf. Es wurden gemeinsame Feiern von gekündigten Mitarbeiter*innen und möglichen Arbeitgeber*innen organisiert. Ziel war es, in einem möglichst zwanglosen Kontext Kontakte zwischen Unternehmen und zukünftigen Mitarbeiter*innen zu ermöglichen. In Österreich gab es auch – zeitversetzt, wie bei den meisten Trends – ein paar Versuche, die sich jedoch – aus meiner Sicht – nur als Strohfeuer erwiesen.

OTTO findet Star Wars gut

OTTO macht es vor…

Allerdings ist das Thema nicht tot zu bekommen. Und gerade jene Branchen, die ein Nachwuchsproblem haben, müssen sich etwas einfallen lassen. Das Versandhaus OTTO macht es vor… Man lud unter dem Motto “Wir sind ROT4” potenzielle Mitarbeiter*innen aus dem IT-Bereich zu einem Star-Wars-Event in das CinemaxX Hamburg. Gemeinsam wollte man nicht nur die “Episode VIII – Die letzten Jedi” erleben, sondern nebenbei eine Plattform für IT-Kolleg*innen, Personalist*innen und potenziellen Bewerber*innen schaffen. Die Idee dahinter war ganz einfach: IT-Menschen sind oft sehr Star-Wars- oder Science-Fiction-affin und so versuchte man Talente und Wechselwillige zu begeistern.

Der Hintergrund ist, dass auch OTTO Probleme hat, Fachkräfte zu organisieren. Einfache Stellenanzeigen und Gespräche in mehreren Stufen funktionieren nicht, da in Mängelberufen das Personal weniger oft wechselt. Dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die Recruiter*innen verinnerlicht haben müssen. In Mangelbranchen lassen Unternehmen ihre Fachkräfte nicht so leicht ziehen. OTTO setzte mit diesem Event nicht unbedingt auf ein neues Konzept. Ich habe bereits die Pink Slip Partys erwähnt, aber dennoch sind Elemente neu – und vieles ist – so wie es bei Vorauswahlen, die nicht nach dem “Come-as-you-are”-Prinzip funktionieren, genau durchdacht und konzipiert. Die wichtigste Frage bei derartigen Events ist: Wie erreiche ich, dass nur potenzielle Kandidat*innen an den Events teilnehmen und nicht Ottonormalverbraucher*innen (das Wortspiel musste jetzt sein!), die sich eine Gratiskinokarte erhoffen?

Code-Rätsel und genaue Planung

Ein “Code-Rätsel” sorgte dafür, dass nur ITler sich für die Veranstaltung melden konnten. Dabei wurde das Rätsel so gestaltet, dass selbst IT-Studierende die Antwort kennen sollten. Wer die richtige Lösung wusste bekam prinzipiell die Möglichkeit beim Event mitzumachen. Nachdem mehr Kandidat*innen als freie Kinoplätze identifiziert wurden, wurden die Plätze – und dies ist erstaunlich – verlost. Man hätte ja auch Plätze nach einem Lebenslaufcheck vergeben können, aber man entschied sich für einen offenen Weg, was eine spannende Geschichte ist und etwaigen Filtern Vorschub leistet.

Dies ist ein wichtiges Momentum: Hätte man die Karten nach Lebensläufen, Erfahrung etc. vergeben, wäre die Frage essentiell gewesen, wer die Auswahl betreibt. Im Normalfall ist die Personalabteilung zuständig, die mit ihren Filtern arbeitet – und damit wäre die Gefahr groß gewesen, dass das offene Moment verschwindet, die Auswahl ganz so abläuft, wie bei einem normalen Bewerbungverfahren (A, B, C-Kandidat*innen) und der Event nur eine nette Draufgabe geworden wäre. Das Ziel eine Plattform mit einer unverbindlichen Undockmöglichkeit für mögliche Kandidat*innen wäre wahrscheinlich vom Tisch gewesen.

Erfolgreicher Event

“Wir sind ROT4” war laut OTTO so ein Erfolg, dass das Unternehmen diese Form der Veranstaltung öfters macht. Zum einen konnten zwei Mitarbeiter*innen direkt rekrutiert werden, zum anderen sorgte der Star-Wars-Event für eine Vielzahl an Networking-Kontakten. Anders formuliert: Man baut sich eine Evidenz auf. Kandidat*innen verlieren vielleicht die Scheu, sich beim Unternehmen unverbindlich zu melden, wenn sie wechselwillig sind etc. OTTO kann sich zudem als IT-Arbeitgeber positionieren, was logisch, jedoch nicht offensichtlich ist. Und daher wäre es fatal gewesen, es nur bei einem Event zu belassen, weil somit der Plattform-Gedanke nicht umgesetzt worden wäre.

Für die Bewerber*innen war die zwanglose Stimmung ein Erfolg – vor allem die Tatsache, dass man sich mit Recruiter*innen und Fachmitarbeiter*innen unterhalten konnte, war ein wichtiger Schritt OTTO als kommunikationsstarkes Unternehmen mit modernen Arbeitsplätzen zu bewerben. Allerdings ist es auch wichtig, dass die Inhalte stimmen. Ein topdurchgestyleter Rekrutierungsevent  muss dann auch zur Firmenkultur passen.

Lesen Sie in unserem nächsten Beitrag: Lehrlingsrekrutieren ist ja so easy


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