Äpfel mit Birnen vergleichen – oder misstraut gelegentlich (Arbeitsmarkt)-Statistiken

Die Wissenschaft beweist…

Angeblich soll Winston Churchill das Bonmot geprägt haben, dass er nur jenen Statistiken Glauben schenke, die er selbst gefälscht habe. Mir gefällt der Satz des britischen Humoristen Lionel Strachey noch besser: “Die Statistik ist eine große Lüge, die aus lauter kleinen Wahrheiten besteht.”

Die österreichischen Tageszeitungen  “Die Presse” und “Heute” veröffentlichten am 28. Juli jeweils einen Artikel zum selben Thema. “Die Presse” präsentierte unter dem auflagenträchtigen Titel “Österreicher lieber arbeitslos als Billiglohnempfänger”  die neueste Ausgabe des Randstad Workmonitors. Der Lead weist dann auf ein zweites Thema hin: “Auch mit dem Auswandern könnten sich die Österreicher nicht so anfreunden, um in einen angestrebten Job einzusteigen. Nur 38 Prozent würden einer Umfrage zufolge vorübergehend ins Ausland ziehen.” Randstad – ein niederländischer Personaldienstleister, der 1960 gegründet wurde und seit 2013 auf dem österreichischen Markt ist – gehört zu den größten Personaldienstleistern weltweit. Das Unternehmen kaufte 2013 USG People. Der Konzern ist laut eigenen Angaben in 39 Ländern an 4.400 Standorten aktiv.

Noch pointierter präsentierte die Wiener Gratiszeitung “Heute”, die ja unterschiedlichen Berichten zufolge bald in den Genuss von Presseförderung kommen soll,  dasselbe Thema: “Österreicher lieber arbeitslos als unterbezahlt.  Eine neue Studie enthüllt: 72 Prozent der Österreicher wären lieber arbeitslos, statt einen Job mit niedrigen Gehalt oder einer niedrigen Position zu akzeptieren.”

Interessant ist der Vergleich dieser beiden Schlagzeilen mit Randstad selbst, die Ihre Studie über OTS mit dem Titel: “Umschulen, Weiterbilden, Auswandern – Wie viel Veränderung akzeptieren die Österreicher für den Job?” vorstellten und damit die wichtigsten Parameter der Umfrage gleich in den Titel ihrer Presseaussendung positionierten. Presseaussendungen folgen jedoch teilweise anderen Konzepten als publizierte Artikel.

Zum Inhalt

Aber zurück zu Lionel Strachey und den kleinen Wahrheiten. “Heute” und “Die Presse” zitieren vollmundig den Workmonitor-Report des 2. Quartals und behaupten, dass die Menschen in Österreich lieber arbeitslos wären, als einen schlechter bezahlten Job anzunehmen. Allerdings ist dies nicht ganz korrekt. Die offizielle Fragestellung des Personaldienstleisters lautete: “Ich würde ein niedrigeres Gehalt oder eine berufliche Degradierung akzeptieren, um meinen Job zu behalten.” 28 Prozent der Befragten konnten der Aussage zustimmen. 3 Prozent stimmten dieser Aussage sogar “voll und ganz” zu.  Allerdings suggerieren sowohl “Heute” als auch “Die Presse”, dass die Fragestellung von Randstad wie folgt lautete: “Ich würde lieber arbeitslos sein, als ein niedrigeres Gehalt oder einen berufliche Degradierung zu akzeptieren.” Inspiriert vom  Randstad-Ergebnis, startete”Heute” eine Umfrage, die den Akzent deutlich verschiebt. Wie repräsentativ das Ergebnis ist, kann nicht gesagt werden. “Heute” wird mehrheitlich in Wien gelesen und eine Alternativ-Fragestellung funktioniert ein wenig anders als eine Aussage, der man mehr oder weniger zustimmen soll und kann. Aber lesen Sie selbst:

Umfrage
Arbeiten ja, aber nicht um jeden Preis?
Ich würde auch unterbezahlt arbeiten, ich kann mich dann noch immer um einen neuen Job umsehen. 33 %
Zu wenig Geld? Dann lieber arbeitslos und ich suche, bis ich was Passendes habe. >67 %
Insgesamt 547 Teilnehmer

Gender Pay Gap

Eine genauere Darstellung der Zahlen aus dem “Workmonitor” von Randstad wäre im Rahmen der Berichterstattung wichtig gewesen. Laut Studie könnten sich 35 Prozent der männlichen Befragten vorstellen, eine schlechtere Bezahlung / Degradierung zu akzeptieren, um den Job zu sichern. Bei den Frauen seien es nur 22 Prozent. Mit anderen Worten: Frauen in Österreich wollten in weitaus geringerem Ausmaß Gehaltseinbußen zwecks Jobsicherung hinzunehmen, als ihre männlichen Kollegen. Woher kommt dieser Unterschied? Er wird weder von den Studienautor*innen erklärt, noch von den Medien thematisiert.

Als Blogger darf ich ein wenig über eine Antwort spekulieren. In Österreich verdienen Frauen im Schnitt noch immer ca. 21 Prozent weniger als Männer. Auch übernehmen Frauen deutlich öfters Teilzeitpositionen als ihre männlichen Kollegen. Mit anderen Worten: Die Einkommenssituation vieler Frauen in Österreich ist schlechter als jene der Männer. Dies könnte erklären, wieso deutlich mehr Frauen eine schlechtere Bezahlung / Degradierung nicht gerade als Option zur Jobsicherung ansehen.

Äpfel- und Birnenstatistik

Weiters sind die Vergleiche zwischen 33 sehr unterschiedlichen  Ländern nur bedingt aussagekräftig. Vor allem, wenn man Länder wie Indien, Luxemburg, die USA und Österreich nebeneinander stellt. Es sind halt Äpfel, die mit Birnen, Grapefruits und Nüssen verglichen werden. Nehmen wir beispielsweise Argentinien. Das Land in Südamerika verzeichnet mit über 8 Prozent Arbeitslosenquote eine deutlich höhere Arbeitslosigkeit als Österreich. Dennoch würden – Laut Studie –  noch weniger Menschen eine Degradierung/Schlechterstellung beim Gehalt in Kauf nehmen als in Österreich. Klingt komisch, ist aber so. Dafür würden 62 Prozent der Argentinier*innen für einen neuen Job ins Ausland abwandern. In Österreich seien es angeblich nur 36 Prozent (dazu später mehr). In Argentinien ist das Arbeitslosengeld ebenfalls anders geregelt als in Österreich. Es wird mit laufender Dauer gekürzt, um den Anreiz nach einer neuen Arbeit zu erhöhen. Die Dauer der Unterstützung hängt noch viel stärker als in Österreich von den vorhergehenden Versicherungszeiten ab.

 

Österreicher*innen wenig mobil – wirklich? Fehler in der Darstellung

Was in anderen Beiträgen in diesem Blog bereits festgestellt wurde, wird auf den ersten Blick auch durch die Randstad-Umfrage dokumentiert. Die Menschen in Österreich sind wenig mobil, wenn es um eine neue Stelle geht. So würden – wie bereits gesagt – nur 36 Prozent (“Heute” nennt aus unerfindlichen Gründen 38 Prozent sic!!!) der Befragten ins Ausland wechseln, wobei der Gender-Aspekt auch hier sehr interessant ist. Laut Umfrage könnten 55 Prozent der weiblichen Befragten und lediglich 40 Prozent der männlichen “Probanden” sich vorstellen ins Ausland zu wechseln… Wie war das?  Moment, da passt etwas nicht: Wenn 55 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer ins Ausland wechseln würden … wie kommen wir dann auf einen Durchschnittswert von 36 Prozent? Es müssten doch dann deutlich mehr als 40 Prozent der Befragten sich bereit erklären, bei fehlenden Jobangeboten, ins Ausland zu wechseln.

Die Studie listet auch unterschiedliche Altersgruppen auf. Machen wir die Gegenprobe beim Altersschnitt: Alle Altersgruppen weisen einen Wert von mindestens 50 Prozent (Altersgruppe der 35 – 40-Jährigen) auf. Nehme ich hier den Durchschnittswert müsste ich also ebenfalls über 50 Prozent an Zustimmung zur Aussage kommen. Betrachten wir die Ergebnisse nach Männern und Frauen, kommen wir auf einen Durchschnittswert von gerundet 48 Prozent (40 Prozent der Männer stimmen der Aussage zu und 55 Prozent der Frauen). Welchen Wert dürfen wir denn nun veranschlagen: ein Drittel (36 Prozent), knapp die Hälfte (48 Prozent) oder doch mehr als der Hälfte?

Dies sind nur einige Unschärfen, die ich entdeckt habe und die kommentarlos von den Medien übernommen wurden. Auf die Frage: “Ich muss mich laufend weiterbilden, um am Arbeitsmarkt vermittelbar zu bleiben bzw. noch besser vermittelbar zu werden” geben die meisten Befragten eine deutlich positive Antwort. Im internationalen Vergleich spricht Randstad von einer hohen Zustimmung und gibt im Ländervergleich als höchsten Wert 56 Prozent an. Österreich würde 18 Prozent erreichen. Wie kann man da von einer hohen Zustimmung sprechen? Des Rätsels Lösung: Die Balken stellen nicht die hohe Zustimmung dar, sondern die niedrigen Ablehnungswerte.

Es kann natürlich an meinen Rechenkünsten liegen, dass ich etwas übersehe und die Zahlen von Randstad stimmen. Aber soweit ich informiert bin, müssen Prozentangaben immer passen- Für mich gilt also der Satz von Erich Kästner immer mehr: “Misstraut gelegentlich euren Schulbüchern! Sie sind nicht auf dem Berg Sinai entstanden…” (Aus “Ansprache zum Schulbeginn”). Im Zeitalter von Copy & Paste gilt dies mehr denn je. Und gerade bei einem so wichtigen Thema, wie jenem der Erwerbsarbeit, sollte man schon genau sein. Egal ob bei “Randstad”, “Heute” oder “Die Presse”…


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Die Österreicher/innen und die Freizeit

Integral-Umfage zum Thema Freizeit kommt zu spannenden Ergebnissen.

Was verbinden die Arbeitnehmer/innen in Österreich mit dem Begriff „Freizeit“? Welchen Stellenwert hat (Lohn)Arbeit für die meisten Menschen? Würden österreichische Arbeitnehmer/innen lieber mehr Freizeit oder mehr Geld am Ende des Tages haben? Als passionierter Teilhaber an Integral-Umfragen wurden mir diese Fragen auch gestellt. Die Ergebnisse liegen nun auf dem Tisch.

Das wichtigste Ergebnis der Umfrage: Zwei Drittel der befragten Teilnehmer/innen würden sich für weitere Urlaubstage oder eine geringere Wochenarbeitszeit entscheiden, wenn sie die Wahl zwischen mehr Freizeit und höherem Gehalt hätten. Dies ergab eine “Integral-Umfrage” im Frühjahr 2016, die unter 2.345 Personen durchgeführt wurde. Die Ergebnisse decken die arbeitende Bevölkerung in Österreich im Alter zwischen 14 und  69 Jahren ab

Quelle: www.orf.at

Freizeit bedeutet Ausspannen und Zeit für das soziale Umfeld

Drei von vier Befragten verbinden den Begriff “Freizeit” mit “Ausspannen und Erholen”; fast so viele mit Familie und Partner. Generell scheinen es die Teilnehmer/innen an der Studie in ihrer Freizeit eher – entspannt und gesellig – anzugehen. Laut Aussendung seien “Genießen, Wohlfühlen und Freunde” die genannten Stichwörter auf den Plätzen drei bis fünf. Was vielleicht die Leser/innen der Studie weniger verwundert: Action und Spannung würden in deutlich geringerem Maße mit dem Begriff Freizeit assoziiert. Aber auch hinsichtlich “Neues Entdecken”, “Spontaneität und Kreativität” seien die Menschen in Österreich eher zurückhaltend.

Differenzieren müsse man natürlich auch nach Altersgruppen. Laut Umfrage verbinden 14- bis 19-Jährige Freizeit in deutlich stärkerem Maße mit den Begriffen “Freunde, Unterhaltung, Spontanität, Experimentieren, Spannung und Tempo”. Für 30 bis 49-Jährige seien die Familie bzw. die Partner/innen klar an erster Stelle. Dies überrascht nicht, denn offensichtlich ist es noch immer so, dass mit zunehmendem Alter Familie wichtiger wird – wohl auch – weil man selbst Kinder hat. Auch wenig überraschend: Für Berufstätige hat Ausspannen und Erholen einen höheren Stellenwert als für Personen, die keiner beruflichen Beschäftigung nachgehen.

Was ist wichtiger: Arbeit oder Freizeit?

Auch wenn beim Betreten der Arbeitsstelle zu Wochenbeginn ein anderer Eindruck enstehen mag: Für zwei Drittel der Befragten stellt Arbeit einen wichtigen Bestandteil des Lebens dar – ebenso wie die Freizeit. Etwa 3 von 10 Menschen betrachteten Arbeit allerdings als “notwendiges Übel”. Dieser Wert generierte zumindest bei mir einen gewissen Aha-Effekt. Mit anderen Worten 7 von 10 Befragten betrachten Lohnarbeit als vollkommen “normal”, allerdings bedeute dies nicht, dass die Österreicher/innen zum Großteil Workaholics seien. Nur eine Minderheit sei mit der Arbeit verheiratet.

Allerdings seien auch hier die alterspezifischen Unterschiede sehr deutlich. Die unter 40-Jährigen sähen Arbeit in deutlich stärkerem Maße als “notwendiges Übel”, während die über 40-Jährigen Arbeit und Freizeit überdurchschnittlich häufig als selbstverständliche Teile des Lebens betrachteten. Hier scheint sich also ein Einstellungswechsel bei der sogenannten Generation X und Y zu manifestieren.

Mehr Geld oder mehr Freizeit?

Dies verdeutlicht auch folgender Punkt. Vor die Wahl zwischen mehr Freizeit oder mehr Gehalt gestellt, gäbe es eine Tendenz in Richtung mehr Freizeit. Aber auch hier gibt es einen “Generationenknick”. “Bemerkenswert ist, dass die unter 30jährigen” (also jene, die wir Generation Y nennen: Anm. the) “in einem deutlich stärkeren Ausmaß für mehr Freizeit votieren, während 60-69-Jährige überdurchschnittlich häufig zusätzliche Freizeit ablehnen. Hier zeigt sich erneut, wie sehr sich die Einstellung der unter 30jährigen zu Arbeit und Freizeit von der älteren Generation unterscheidet.”

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Arbeitszeitstudie von Randstad

randstad studien

Jedes Quartal erscheint eine Studie aus der Serie randstad workmonitor

Auch die Firma Randstad – spezialisiert auf Personalbereitstellung – operiert international.  2003 rief das Unternehmen den “Randstad Workmonitor” ins Leben  und deckt derzeit 34 Länder in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika ab. Der Randstad Workmonitor wird vierteljährlich veröffentlicht, um sowohl globale als auch lokale Trends der Arbeitsmobilität regelmäßig sichtbar zu machen. 2014 wurde der Randstad Workmonitor auch in Österreich eingeführt. Er gibt einen guten Vergleich zu Fragen des Arbeitsmarktes und der Arbeitsmarktgestaltung im internationalen Vergleich ab.

Die Studie wird über einen Online-Fragebogen durchgeführt. Befragt werden Personen im Alter von 18-65 Jahren, die mindestens 24 Stunden pro Woche einer bezahlten Erwerbstätigkeit nachgehen. Selbständige Erwerbstätige werden ausgeschlossen. Dabei wird auf eine gewisse Repräsentativität geachtet.  Die minimale Stichprobengröße liegt bei 400 Befragungen pro Land.  Das Ergebnis war eindeutig: Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zusehends.

Die wichtigsten Details

In Österreich geben immerhin 45 Prozent der Befragten an, dass das Unternehmen sich erwarten würde, dass die Mitarbeiter/innen auch außerhalb der Arbeitszeiten zur Verfügung stünden. Hier ist Österreich noch weit vom internationalen Durchschnitt entfernt, der bei 57 Prozent liegt. Die Spitze deckt eindeutig China ab, wo 89 Prozent der Befragten diese Einschätzung teilen.

48 Prozent der österreichischen Befragten hätten auch kein Problem damit Geschäftliches in der Freizeit zu erledigen. Auch hier liegt Österreich weit unten im Ranking. Die Spitzenpositionen gehen an China und Indien. Der internationale Durchschnitt liegt bei dieser Frage bei 56 Prozent.

Immerhin 31 Prozent der Befragten in Österreich gaben an, Berufsbezogenes in den Ferien oder der Freizeit zu absolvieren, da sie weiter im Unternehmen beschäftigt bleiben wollten. Anders formuliert 31 Prozent der Befragten sahen in der außertourlichen Arbeit einen Schritt in der Arbeitsplatzsicherung. Der internationale Schnitt liegt hier bei 39 Prozent, wobei Indien mit 75 Prozent ein absoluter Ausreißer nach oben darstellt.

Das Ganze ist keine Einbahnstraße. Immerhin gaben über 64 Prozent der internationalen Befragten an, sich mit privaten Themen während der Arbeitszeit zu beschäftigen. In Österreich lag dieser Wert bei 60 Prozent. Die Arbeitskultur scheint diesbezüglich in Hong Kong eine sehr eigenen zu sein. Immerin 88 Prozent gaben zu sich mit privaten Dingen während der Arbeitszeit zu beschäftigen. Spannenderweise sind es die Griech/innen, die am wenigsten während der Arbeitszeit mit privaten Dingen zu tun haben (47 Prozent).

Dieses Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit erklärt Randstad wie folgt:

“Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr. Dieser Trend hat mit der zunehmenden Popularität von flexiblen Arbeitszeit-Modellen begonnen und wurde durch Smartphones und Tablets noch deutlich verstärkt. Wir sind heutzutage überall und jederzeit erreichbar. Ob per Telefon oder E-Mail, im Garten, in der U-Bahn oder im Supermarkt”, verdeutlicht Michael Wottawa, Managing Director von Randstad Austria.

Fluktuation – nicht in Luxemburg

Die Luxemburger/innen scheinen besonders treue Seelen zu sein, was den Arbeitsplatz betrifft (wieso überrascht mich das nicht?). 93 Prozent der Befragten gaben an den Arbeitsplatz innerhalb der 6 letzten Monate nicht gewechselt zu haben. In Österreich waren es immerhin noch 82 Prozent. Auch hier belegen die asiastischen Staaten die Spitzenplätze. In Indien gaben 51 Prozent der Befragten zu, ihren Job gewechselt zu haben; gefolgt von China, Malaysia und Hong Kong (das hier als eigenes Land behandelt wird, obwohl ja nominell zu China gehörend). Indien und Malaysia sind auch jene Länder, in denen die meisten über einen Jobwechsel nachdenken. Die wenigsten Wechselgelüste haben die Österreicher/innen, die Luxemburger/innen, die Tschech/innen und die Portugies/innen. Da wundert es nicht, dass Österreich bei der Jobzufriedenheit international an 5. Stelle liegt. Dass Jobzufriedenheit und Wechselwunsch sich nicht ausschließen müssen, zeigt das Beispiel Indien. 83 Prozent der Inder/innen erklärten sich mit ihrem Job zufrieden, obwohl Indien eine vergleichsweise hohe Fluktuation aufweist.

Die Studie von Randstad belegt eindrucksvoll, dass der Arbeitsmarkt in Asien wesentlich mehr in Bewegung ist als in Europa. Allerdings ist es auch ein bisschen das Vergleichen von Äpfeln und Birnen, da Arbeitsmärkte in Europa doch etwas anders funktionieren als in Asien – schon allein aus sozialpolitischer Sicht. Trotzdem zeigt die Studie überraschende Ergebnisse – so kann der Zusammenhang zwischen Fluktuation und Jobunzufriedenheit nicht bestätigt werden. Er könnte auch etwas mit Chancen und Verbesserung der eigenen Situation zu tun haben. leider geht die Studie nicht auf qualitative Fragen ein.

Link:

http://www.randstad.com/press/research-reports/

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Manpowerstudie: Fachkräftemangel in Österreich überdurchschnittlich

manpower_studieDie Firma Manpower bietet interessantes Studienmaterial zum Thema Fachkräftemangel an. Die Studie ist vor allem deshalb interessant, weil sie einen internationalen Vergleich bietet und relativ genaues Datenmaterial anbietet. So gibt es jeweils eine Top-10 der Mängelberufe augeschlüsselt nach Regionen und Ländern. Ebenso wird erhoben, wieviel Prozent der Unternehmen entsprechende Stellen nicht besetzen können.

Das Unternehmen, das ich gerne als die Mutter aller Personaldienstleiter bezeichnet, befragte nach eigenen Aussagen 41.700 Personaler/innen in 42 Ländern.

Unter dem Wort “Fachkräftemangel” versteckt sich eine unangenehme Tatsache für viele Unternehmen. Sie schaffen es nicht, ausgeschriebene Stellen zu besetzen. In Österreich liegt der Fachkräftemangel laut Studie bei 39 Prozent. Das ist ein Prozent mehr als der Durchschnitt der 42 erhobenen Länder. In der Schweiz liege man sogar bei 41 Prozent und in Deutschland bei 46 Prozent. In Österreich blieb der Wert in den letzten vier Jahren eher konstant um die 40 Prozent.

Allerdings sind diese Zahlen sehr zu relativieren, da sie nicht nach Branchen differenzieren. Die Studie bringt auch die Top 10 der Berufe, die in jeweiligen Land unter einem vermeintlichen Fachkräftemangel leiden. Im verfügbaren PDF finden wir leider keine Aufstellung für die Schweiz.

 

2015 STUDIE FACHKRÄFTEMANGEL: ERGEBNISSE ÖSTERREICH

Die Befragung von 752 Personen ergab folgendes Ranking:*

  1. Facharbeiter/Handwerker
  2. Techniker
  3. Fahrer
  4. Assistenz/Bürokräfte
  5. Manager und Executives
  6. Vertriebsmitarbeiter
  7. Ingenieure
  8. IT-Fachkräfte
  9. Finanz- und Rechnungswesen
  10. Krankenschwestern/-pfleger

*Leider wurden die Bereiche Handwerk und Fahrer nicht weiter differenziert (Welche Sparten? C95 oder B-Fahrer etc.)

 

2015 STUDIE FACHKRÄFTEMANGEL: ERGEBNISSE DEUTSCHLAND

Anzahl der Befragten: 1000. Folgendes Ranking wurde erstellt.*

  1. Facharbeiter / Handwerker
  2. Manager / Executives
  3. Techniker
  4. IT-Fachkräfte
  5. Ingenieure
  6. Finanz- und Rechnungswesen
  7. Vertriebsmitarbeiter
  8. Vertriebsleiter
  9. Fahrer
  10. Ärzte/Medizinische Berufe (kein Pflegepersonal)

*Auch hier finden wir keine wirkliche Differenzierung im Handwerk. Es entsteht auch der Eindruck, dass in Deutschland unter “Fachkräfte” sehr stark leitende Positionen gemeint sind. Die Anzahl der Befragten ist mit 1000 im Vergleich mit Österreich gering – gemessen an der Bevölkerung.

Neben den direkten Auswirkungen auf die Unternehmen, werden auch die Gründe für den jeweiligen Fachkräftemangel definiert. Dieses Ergebnis war für mich doch etwas überraschend.


Die Top 5 Gründe für den Fachkräftemangel:

  1. Zu wenige oder keine Bewerber/innen: 35 Prozent
  2. Unzureichende Fachkenntnisse: 34 Prozent
  3. Fehlende Erfahrung: 22 Prozent
  4. Fehlende soziale Kompetenzen: 17 Prozent
  5. Bewerber/innen fordern zu viel Gehalt: 13 Prozent

Angesichts der Tatsache, dass eine der Vorzeigemaßnahmen in Österreich darin besteht, Lehrlinge und Facharbeiter/innen (gerade in Handwerksberufen) über sogenannte “überbetriebliche Ausbildungen” nachzuqualifizieren und dann in den Arbeitsmarkt zu intergrieren, stimmen diese Zahlen nachdenklich. Absolvent/innen aus sogenannten überbetrieblichen Ausbildungen lernen ja in einer Schulungsmaßnahme und nicht in einem Unternehmen. Aus meiner täglichen Praxis mit Bewerber/innen, die eine derartige Ausbildung absolviert haben, weiß ich, dass gerade Grund 2 und Grund 3 immer wieder angeführt werden.

Vergleiche ich die Liste von Manpower mit jenen Berufen, die 2015 noch über das Fachkräftestipendium des AMS subventionniert werden, so ergeben sich doch deutliche Unterschiede.

Das AMS listet nur mehr 5 Branchen auf (früher waren es mehr).

  • Bau, Holz (LAP)
  • Elektrotechnik (Elektro + Mechatronik)
  • Gesundheit / Pflege (Assistenz und Pflegeberufe)
  • Informationstechnologie (Netzwerk, Biomedizinische Technik, Softwarenentwicklung auf HTL und Kollegniveau)
  • Metall (Gebäudetechnik, Gießerei, Schlosserberufe etc.)

Legt man die beiden Listen zusammen (Manpowers Erhebung und die Fachkräftemängelliste), dann kommt man zum Schluss, dass das Fachkräftestipendium im Wesentlichen Punkt 1 und 2,  8 und 10 der Liste abdeckt. Allerdings muss gesagt werden, dass in der Vergangenheit auch immer wieder Fahrerausbildungen gezahlt wurden und Bürokurse veranstaltet wurden. Allerdings wird diese Möglichkeit der Nachqualifizierung auch wieder eingestellt.

Das Thema Fachkräftemangel wird uns sicherlich noch  eine Weile beschäftigen.

Links:

Fachkräftemangel-Studie von Manpower

AMS Fachkärftestipendium / Ausbildungsliste

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