Bewerbungsgespräch einmal anders – Postal, Knallerfrauen, Kesslers Knigge und Tape Face

Für alle “Suits”-Serienfreunde und Bewerbungstrainer/innen wird dieses Video eine wahre Freude sein. Rick Hoffman als Jobinterviewer der anderen Art – genauso unnachahmlich wie Louis Litt als etwas komischer Anwalt in “Suits”.

Bei “Postal” handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Videospiels durch den deutschen Regisseur Uwe Boll. Nachdem es sich laut “Rotten Tomatoes” und Co. um wahrscheinlich einen der schlechtesten Filme aller Zeiten handelt, mache ich mir auch nicht wirklich Sorgen um einen etwaigen Copyrightverstoß und binde den Videoausschnitt gerne hier ein.

Aber so “witzig”  oder “aberwitzig” das Video auch auf den ersten Blick sein mag… das Video ist ein “höllisch” gutes Beispiel für Stressfragen im Jobinterview. Und als Spoiler hier noch die Antwort auf die Frage: “Was ist der Unterschied zwischen einer Ente? ” – “Beide Beine sind gleichlang, besonders das linke…” Also auf in das nächste Bewerbungsgespräch!

Auch die Knallerfrauen, die von Martina Hill auf Sat 1 entwickelt wurden, haben sich das Thema “Bewerbung” auf die Agenda geschrieben. Hier ein Beispiel, wie ein paar Standardsätze und Standardantworten doch eine ungewöhnliche Wendung nehmen können.

Kesslers Knigge wurde vom deutschen “Comedian” Michael Kessler ebenfalls für Sat 1 entwickelt. Die Erstausstrahlung war laut Wikipedia am 19. Juni 2009. Kessler drehte den Spieß einfach um. Er zeigte verschiedene Situationen des Alltags in denen er sich besonders daneben benahm – quasi als Negativbeispiel. So zeigte er auch 10 Dinge, die man absolut nicht bei einem Bewerbungsgespräch machen sollte – es sei denn, dass man einen absolut bleibenden Eindruck hinterlassen will – Hausverbot inklusive.

Last but not least “Tape Face” oder “The Boy with Tape on his Face”. Es handelt sich um den Clown, Straßenkünstler und Kabarettisten Sam Wills. Der gebürtige Neuseeländer, der in England lebt, ist ausgebildetet Jongleur und entwickelte mit “Tape Face” eine bemerkenswerte Figur mit der er bei der Casting-Show  “America’s Got Talent” bis ins Finale kam – ohne bei seinen Acts ein Wort zu sprechen. Es kann natürlich sein, dass ein Jobinterview im Start-Up-Style, da ein wenig aus dem Ruder läuft.

“Warum-Frage” – Fragetechnik als Waffe und Werkzeug (Teil 2)

Warum

Warum in unterschiedlichen Sprachen

In Teil 1 dieses Beitrags zur Fragetechnik, zeigte ich, dass die “Warum-Frage” sehr stark dazu verleitet, bei einem Gegenüber eine Rechtfertigung zu erzielen. Sie ist eine besondere Machtfrage, die transaktionsanalytisch wohl sehr oft mit einem tadelnden Eltern-Ich gleichgesetzt gesetzt werden. Aus diesem Grunde suggeriert ein Artikel aus der Zeitschrift “managerseminar” (Heft 117, 2007) sogar, dass die Warum-Frage im Coaching und in anderen beratenden Prozessen mit äußerster Vorsicht eingesetzt werden soll.

Sollten Sie dennoch mit einer Warum-Frage? konfrontiert werden, können Sie in den meisten Fällen entspannt reagieren. Der/die Fragesteller/innen will ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts Böses. Natürlich kann man aber auch als Sprecher/in versuchen, die Warum-Frage zu vermeiden. Ersatzweise stehen “Wieso-Fragen” zur Verfügung. “Warum bist Du zu spät gekommen?” – “Wieso bist zu spät gekommen?” kann durchaus funktionieren, obwohl das “Wieso?” von vielen Menschen als ebenso druckvoll empfunden wird. Um sicher zu geehen, empfiehlt es sich eine allgemeinere offene Frage  einzusetzen um einen Triggereffekt bei meinem Gegenüber, der womöglich Ausflüchte und Rechtfertigungen generiert, zu vermeiden  (“Warum bist Du zu spät gekommen.” – “Was war los?”).

Eine kurze Warum-Frage ist den meisten Menschen – je nach kommunikativem Kontext – eher unangenehm. Sie nehmen der Warum-Frage? die Schärfe, in dem Sie eine Paraphrase in Form einer Aufforderung formulieren. Ein Beispiel: “Warum warst du nicht pünktlich?” führt direkt zum Punkt. Je nach Tonfall und Kommunikationssituation ist es mehr Angriff als Frage. Um die Frage “neutraler” zu gestalten,  können Sie mit einer “Aufforderung” aufwarten. “Warum warst du nicht pünktlich?” wird zu “Irgendwie hast du es nicht rechtzeitig geschafft. Verrätst du mir, was dich aufgehalten hat.” Natürlich kann eine solche Aufforderung, mit einem sarkastischen Unterton versehen, auch als Vorwurf interpretiert werden. Allerdings ist die Aufforderung weniger konfrontativ.

Warum-Frage als provokanter Konter

Ene knappe Warum-Frage? kann als Retourkutsche eingesetzt werden. Sie ist als Ein-Wort-Frage sogar ein sehr mächtiger Konter für Aussagen, die wir nicht stehen lassen wollen. Ein Beispiel: “Das Boot ist voll. Wir brauchen Grenzzäune gegen den Flüchtlingsstrom.” – “Warum?”… Sollten Sie jedoch an einer sinnvollen Diskussion interessiert sein und sich nach den wahren Gründen für die Aussage ihres Gegenübers erkunden wollen, ist die “Warum-Frage” wenig hilfreich.

Gerade in einer etwas hitzigen oder schwierigen Debatte, kann ich mit der Frage “Warum reagieren Sie so emotional?” oder “Warum verhalten Sie sich so ablehnend?” die Diskussion komplett von der Sachebene wegziehen. Dieser Kniff wird gerne in politischen Diskussionen benutzt. Das Gegenüber setzt die Frage ein, um Sie vom Sachthema wegzulocken und auf den emotionalen Bereich hinzubringen. Es geht um den Kontrast. “Warum reagieren Sie so emotional?” soll sie weiter provozieren. Der/die Fragesteller/in kann sich als kompetent, ruhig und sachlich darstellen. während Ihnen die Zornesörte schlecht zu Gesicht steht. Provokation bedeutet ja eigentlich “hervorrufen”. Die Warum-Frage wird also auch eingesetzt um etwas in ihnen hervorzurufen, was sie eigentlich nicht sagen oder tun möchten. Sollten Sie mit der “Warum reagieren Sie so emotional?”-Frage konfrontiert werden, kann ich Ihnen nur empfehlen, eine kurze pointierte Pause zu setzen und mit folgendem Statement zu antworten: “Weil mir das Thema sehr wichtig ist.” Sie müssen wieder zur Sache zurück.

Die “5 Why”-Methode

Allerdings kann die “Warum-Frage” auch eine wunderbare Möglichkeit darstellen, Problemen auf den Grund zu gehen und die tatsächlichen Themen und Problemstellungen frei zu legen. Die “5-Mal-Warum-Frage” wird gerne in Unternehmen angesetzt, kann aber auch auf den privaten Bereich oder im Coaching eingesetzt werden. Diese Kettenbefragung dient dazu eine Antwort nicht als letztmögliche Ursache zu akzeptieren. Gerade das Mechanische und Kausale, das eine Warum-Frage suggeriert, ist in diesem Prozess sehr willkommen. Wichtig ist es allerdings vorher zhu informieren, dass diese Fragetechnik nicht als Angriff oder Zwang zur Rechtfertigung dient. Die Frage muss mehrmals wiederholt werden, da Warum-Fragen sehr oft Ausflüchte und Rechtfertigungen erzeugen. Wenn wir jedoch wirklich daran interessiert sind in eine Kausalkette einzusteigen, kann die 5-Why-Fragetechnik erstaunlich klare Ergebnisse bringen. Ein Beispiel:

  1. “Warum erreichen wir nicht die passende Auslastung in unseren Schulungen? ” – “… weil es zu wenig Zubuchungen gibt.”
  2. “Warum gibt es zu wenig Zubuchungen?” – “… weil der Vertrieb nicht funktioniert.”
  3. “Warum funktioniert der Vertrieb nicht?” – “… weil zu wenig Leute im Vertrieb sind.”
  4. “Warum sind zu wenig Leute im Vertrieb?” – “… weil wir uns dazu entschlossen haben nur auf Erfolgsbasis zu arbeiten.”
  5. Warum arbeiten wir nur auf Erfolgsbasis?” – “… weil unsere Kapitaldecke dünn ist und wir sparen müssen.”

Die eigentliche Antwort auf: “Warum erreichen wir nicht die passende Auslastung in unseren Schulungen” lautet also “…weil unsere Kapitaldecke dünn ist und wir sparen müssen.” Die Lösung ist somit bereits vorgezeichnet. Soll der Vertrieb funktionieren, darf in diesem Bereich nicht gespart werden.  Hier wird die Warum-Frage zum Skalpell. Will man das Prozedere trotzdem ein wenig entschärfen, eignet sich der Einsatz eines Flipcharts.  Eine rein verbal geäußerte “5-Warum-Fragen-Kette” kann natürlich auch noch als sehr druckvoll empfunden werden. Werden die Fragen und Antworten z.B. schriftlich abgehandelt, wird der Prozess durch den geänderten Rahmen auf eine andere Ebene gebracht.

So wie man in den Wald ruft…

… so schallt es meistens auch zurück. Oder: Warum die immer gleichen Fragen bei Bewerbungsgesprächen zu keinen befriedigenden Antworten führen (können).

https://s3.amazonaws.com/omlv1/blogs/images/000/000/012/original/question-mark-clip-art-010.jpg?1388973381Konsultiert man verschiedene Ratgeber/innen zum Thema Bewerbung und Vorstellungsgespräch, entdeckt man immer wieder, dass dieselben Fragen angeführt werden. Auch auf HRweb.at habe ich   eine Liste gefunden, die ich Ihnen gerne auch an dieser Stelle übermittle. Doch leider führen viele (nicht alle) dieser Fragen zu unbefriedigenden Antworten, schon alleine deshalb, weil man natürlich von den gleichen Bewerbungsratgeber/innen auch die entsprechenden Antworten zur Verfügung gestellt wird. Auch die Autor/in des HR Web Beitrages bestätigt: “Ja, diese Standard-Bewerbungsfragen machen Sinn und können nicht ausschließlich durch mächtig kreative Fragen substituiert werden. Weche Standard-Bewerbungsfragen sind für Sie am sinnvollsten?” (www.hrweb.at,  Eva SELEN am 27. März 2015) Doch bevor ich die auf die Frage eingehe, welche Fragen ich mir wünsche,  hier einmal die Top 10 der Bewerbungsfragen.

  1. Erzählen Sie uns/mir etwas über sich!
  2. Warum haben Sie sich bei uns beworben?
  3. Aus welchem Grund wollen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen?
  4. Was wissen Sie über unser Unternehmen / unsere Firma?
  5. Was möchten Sie in drei (fünf oder zehn) Jahren erreicht haben?
  6. Warum denken Sie, die richtige Besetzung für diese Stelle zu sein?
  7. Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?
  8. Was stört Sie am meisten an anderen Menschen und wie gehen Sie damit um?
  9. Was würden Sie gerne verdienen?
  10. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Einige dieser Fragen sind jedoch so gestellt, dass sie sehr “ins Blaue” zielen und eher an eine “Freischwimmübung” erinnern. Die Aufforderung “etwas über sich zu erzählen” soll natürlich abtesten, ob ein/e Bewerber/in auf den Punkt hinkommunzieren kann. Sie ist jedoch auch eine Freischwimmübung ins offene Meer hinaus – und seien wir mal ehrlich – bei einer delikaten und nervösen Situation, wie einem Bewerbungsgespräch, die einem mehr oder weniger einseitigen Blind-Date ähnelt, ist ein bisschen Hilfestellung für die Bewerber/innen sehr willkommen und kann zu einem echten Gespräch führen. Sollten die Personaler/innen trotzdem auf dem “BEST OF” der Bewerbungsfragen bestehen, kann man ja die Frage “Erzählen Sie etwas über sich!”, die im Grunde eine Aufforderung oder ein Befehl ist, für sich reformulieren. Ich kann mit einem “Ich nehme an,dass Sie auf die ausschreibungsrelevante Erfahrung hinaus wollen…” einleiten, auf eine körpersprachliche oder verbale Reaktion des Gegenübers warten und dann mit dem eigentlichen Text loslegen. Eine Verständnisfrage im Sinne von “Was meinen Sie genau damit?” klingt im ersten Moment verlockend, bewirkt aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass der/die Bewerber/in dem/der Interviewer/in das Heft aus der Hand nimmt. Weniger heftig ist meiner Einschätzung nach eine Alternativfrage im Stile von: “Soll ich bei meiner Ausbildung anfangen oder reichen Ihnen die beruflich relevanten Fragen?”. Wie gesagt, bei jedem Reformulieren der Frage entsteht im Subtext ein Kampf um die Führung im Gespräch. Denn die alte Regel: “Wer fragt, führt?” gilt sowohl bei polizeilichen Einvernahmen als auch bei harmloseren Jobinterviews.

Die Personaler/innen könnten natürlich die Frage mit einer Zielvorgabe versehen. Statt der Aufforderung “Erzählen Sie etwas über sich?” ist auch folgende Frage möglich: “Welche Fähigkeiten und Erfahrungen qualifizieren Sie besonders für diesen Job?”. Die Frage beinhaltet schon das Ziel und geht ein ganzes Stück in Richtung Selbst- und Fremdbild.

Auch die Frage: “Warum haben Sie sich bei uns beworben?” aktiviert bei den meisten Bewerber/innen zunächst die offensichtliche Antwort: “Weil ich den Job will/brauch!?”. Das ist zumindest ein Feedback, das ich in den Trainings immer wieder zu hören bekomme . Nun lernen die Bewerber/innen, dass diese offene und ehrliche Antwort, nicht so gut ankommt und man versucht weiters Ihnen beizubringen, dass die Frage auf die Motivation abzielt, warum man sich überhaupt beim entsprechenden Unternehmen beworben hat.Gleichzeitig will der/die Personaler/in  herauszufinden, was man/frau über das Unternehmen weiß. Die Gefahr ist also sehr groß eine antrainierte Antwort zu bekommen und keine authentische. Ob das im Sinne des/der Interviewer/in sein kann? Auch hier ist das Reformulieren der Frage eine Möglichkeit, aber generell sollten Sie vorsichtig damit sein, da der/die Personaler/in schon mal die Ansicht haben könnte, dass Sie “schwer von Begriff” sind.

Auch die “Stärken und Schwächen”-Frage ist bei vielen Bewerber/innen gefürchtet oder ruft Achselzucken hervor. Die Beschäftigung mit sich selbst ist eine sehr schwierige Aufgabe und führt für viele Menschen zu wenig konkreten Ergebnissen. Daher wundert es nicht, dass Bewerber/innen mit “hin und wieder bin ich zu perfektionistisch” oder “Ungeduld” oder “ich esse zu viel Schokolade” antworten (in meinem Fall wäre das sogar die Wahrheit) Auch bei dieser Frage ist das Risiko besonders stark, eine eintrainierte oder einstudierte Antwort zu bekommen. Ich würde hier eher fragen: “Was ist Ihnen besonders gut gelungen? (Stärken) oder “Was geht Ihnen leicht von der Hand?” (Stärken). Ich bekam einmal die Frage gestellt: “Wo sehen Sie ihre Lernfenster oder ihren Lernbedarf?” Fand ich gut, weil das böse Wort “Schwächen”, das wir so gerne aus dem deutschen Wortschatz verbannen würden, darin nicht vorkam.

Gefährlich ist natürlich die Frage “Was machen Sie in der Freizeit?”. Die Frage kommt sehr unschuldig daher, wird gerne an das Ende eines Gesprächs gesetzt, wo Bewerber/innen sich schon sicher sind, dass der “formale” Teil des Gesprächs absolviert ist. Doch Vorsicht! Das Gespräch ist eigentlich erst dann vorbei, wenn Sie das Gebäude wieder verlassen haben. Bis dahin sollten Sie die Konzentration aufrecht erhalten. Aus den Freizeitaktivitäten lassen sich sehr oft andere Dinge ableiten. Es ist ein Gemeinplatz, dass Teamsportarten Sie leichter als Teamplayer darstellen lassen und nebenbei etwas über mögliche Verletzungen und körperliche Fitness aussagen. Die Frage ist direkt gestellt. Sie sollten als Bewerber oder Bewerberin Ihr nur die richtige Bedeutung beimessen.