Wie fang ich an? Der erste Satz beim Bewerbungsschreiben

Ich handle mit diesem Beitrag gegen meine innere Überzeugung, da ich  Bewerbungsschreiben, die mit Schablonen arbeiten langweilig und kontraproduktiv finde. Sie klingen immer gleich, sind meist wenig aussagekräftig und werden so zu einer lästigen Pflichtübung für alle Beteiligten. Allerdings weiß ich auch, wie schwer es ist ein Bewerbungsschreiben zu beginnen; besonders dann, wenn man nicht mit den immer gleichen Standardsätzen arbeiten möchte.

Gerade in letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass der klassisch-lästige Einstiegssatz “Mit großem Interesse habe ich mich…” nicht wegzubekommen ist. Es scheint hier eine gewisse Tradition zu geben. Selbst Lehrlinge nutzen diese “geschwollene” Form des Einstiegs, ohne sich zu hinterfragen, ob dieser Satz und auch der Rest des Schreibens zu ihnen passt.

Daher kann es ja sein, dass es nur einen Stein des Anstoßes braucht, um die Hemmblockade und Schreiblähmung zu lockern. Hier einige Möglichkeiten für einen Einstieg. Ich präsentiere also  meine Lieblingseinstiegssätze für das Bewerbungsschreiben.

Aller Anfang ist schwer. Auf den Start kommt es jedoch an…

Die Beispiele:

  1. Die Fall-mit-der-Tür-ins-Haus-Methode. Keine Umschweife. Direkt zum Thema. Beispiel:Ich arbeitete die letzten 4 Jahre in einer ähnlichen Position beim Unternehmen XY.”
  2. Loslegen wie die Feuerwehr. Beispiel:”4 Jahre Erfahrung im Einzelhandel, Praxis als Vertretung des Filialleiters, Umsätze von XY Euro stehen auf meiner Habenseite…
  3. Bezug herstellen zum Inserat des Unternehmens: Beispiel:Sie suchen einen leistungsstarken Außendienstmitarbeiter im Vertrieb. Ich biete Ihnen im Gegenzug …
  4. Die Frechheit-siegt-Strategie: Beispiel: “Ich wäre an Ihrer Stelle auch sehr genervt, wenn ich das hundertste Schreiben mit dem immergleichen Einstiegssatz lesen müsste. Daher verzichte ich drauf und bringe meine Qualifikationen gleich auf den Punkt…”
  5. Mit der Motivation einsteigen. Beispiel: “Für mich ist es Zeit den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen. Da ich in den letzten Jahren in KMU’s tätig war,  suche ich die Herausforderung eines internationalen Konzerns…”
  6. Auf das Unternehmen eingehen. Beispiel: “Wie im Interview in der Tagespresse zu lesen war, haben Sie vor in den nächsten Jahre ihre Produktpalette auszubreiten. Ich persönlich würde gerne Teil dieser Entwicklung sein…”
  7. Mit einer Referenz punkten (wenn es denn wirklich eine ist). Beispiel: “Wie mir Herr/Frau XY mitgeteilt hat, suchen Sie derzeit…”
  8. Wenn Sie vorher angerufen haben. Beispiel: “Wie telefonisch mit Herrn/Frau XY besprochen, freue ich mich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen zu schicken.”

Das No-Go:

Bitte streichen Sie ab sofort folgenden Satz und entsorgen Sie ihn gleich in den Entsorgungscontainer für langweilige Floskeln: “Mit großen Interesse bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle…” . Vermeiden Sie bitte auch etwas altbackene Forme(l)n wie “Bezugnehmend auf…” oder “In Bezug auf Ihr Inserat vom …” Grundsätzlich ist es auch nicht notwendig im ersten Satz zu wiederholen, dass man sich bewerben möchte. Das wurde ja bereits in der Betreffzeile erledigt.

Die Strategie sollte zu Ihnen und zum Unternehmen passen…

Es gibt natürlich keine Garantie, dass diese Strategien funktionieren. Wenn Sie z.B. mit der Referenzperson arbeiten und der zuständige Personaler (m/w) diesen Menschen nicht mag, kann das schon mal ins Auge gehen. Auch die Frechheit-siegt-Strategie ist nicht immer angebracht, da einige mit soviel Selbstbewusstsein nicht umgehen können. Aber es gilt auch hier: Ausprobieren!

 

Das liebe Bewerbungsschreiben

Immer wieder werde ich gefragt, wie ein Bewerbungsschreiben funktioniert und wie es aufgebaut werden soll. Nun… ich gehe hier mit den Herren Püttjer und Schnierda.
Sie sprechen davon, dass eine Bewerbung allgemein “passgenau, stärkenorientiert und glaubwürdig” sein soll. Ich denke, dass dies insbesondere auch für das Bewerbungsschreiben zutrifft.

Ein weiterer Tipp, der von meiner ersten Mentorin im Bewerbungsgeschäft kam, lautete:“Im ersten Satz steht mein stärkstes Argument.”

Also ein Satz wie: “Mit großem Interesse bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle…” könnte das Gegenteil von  “passgenau” und “Argument” sein. Es ist ein Seitenfüller.Und Seitenfüller sagen auch etwas aus. Jedoch nichts über ihre Stärken.Das Problem ist, dass wir das Bewerbungsschreiben zwar äußerlich an den Geschäftsbrief anlehnen, jedoch inhaltlich anders aufbauen. Eine langwierige Einleitung im Stil einer “captatio benevolentiae” – das ich mit “Wohlwollenerheischung” übersetzen würde, ist in einer schnelllebigen und schnelllesenden Zeit nicht immer angebracht. Den berühmt-berüchtigten Satz “Hiermit möchte ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle bewerben…” können Sie – wie bereits gesagt –  getrost vergessen. Vor allem deshalb, weil Sie ja (1) mit der Bewerbung grundsätzliches Interesse zeigen (2) im Betreff auf die Ausschreibung Bezug nehmen. Aber wenn Sie das Offensichtliche und Klare überbetonen wollen. Nur zu. Und vergessen Sie nicht auch noch zu behaupten, dass SIE der/die RICHTIGE für diesen Posten sind. Ich betone das nur deshalb, weil ich noch massenweise Bewerbungsschreiben bekomme, die so starten.

Eines bleibt. Es gibt auch hier keine Küchenrezepte. Aber bezüglich Einstellung mein wichtigster Hinweis: Denken Sie daran, dass das Bewerbungsschreiben auch (eventuell) jemand liest oder zumindest überfliegt und Sie wollen Ihr Gegenüber absolut nicht langweilen…” Zu banal. Na dann brauchen Sie meinen nächsten Tipp auch nicht. Hände weg von Vorlagen, die könnten zum Boomerang werden.

To be continued…