Nachdenken über die Residenzpflicht für Flüchtlinge…

 

Mobilität als großes Thema am Arbeitsmarkt

 

…oder wie ein Beitrag von AMS-Chef Johannes Kopf zur Flüchtlingsthematik sehr viel über den Wiener Arbeitsmarkt aussagt

Am 24. März veröffentlichte “DerStandard” einen “Kommentar der anderen” von Johannes Kopf. Der AMS-Chef nahm Stellung zum Thema Residenzpflicht für Flüchtlinge und machte – fast schon nebenbei – Statements zum Wiener Arbeitsmarkt, die ich noch einmal darstellen möchte.

Statement 1:

Der Wiener Arbeitsmarkt hat mit Abstand die höchste Arbeitslosenquote. Die meisten Flüchtlinge suchen natürlich in Wien, was aus verschiedenen Gründen sehr verständlich ist. Generell verdeutlichen die von Kopf angeführten Zahlen das generelle Mobilitätsproblem in Österreich. Wien wächst schneller als erwartet und saugt auf wie ein Schwamm. Dies betrifft EU-Bürger/innen, österreische Staatsbürger/innen aus den anderen Bundesländern und eben auch anerkannte Flüchtlinge. Die Zahlen verdeutlichen nur ein generelles Problem des Wiener Arbeitsmarktes im Vergleich zu den anderen 8 Bundesländern in Österreich. Zitat Kopf: “Vereinfacht gesagt suchen zwei Drittel aller Geflüchteten aktuell dort einen Job, wo mit Abstand die höchste Arbeitslosenquote aller Bundesländer vorliegt”.

Statement 2:

“Während der Wiener Arbeitsmarkt nur beschränkt aufnahmefähig ist, besteht in anderen Regionen in gewissen Branchen Arbeitskräftemangel.” Dies trifft auf bestimmte Branchen natürlich mehr oder weniger zu. Kopf nennt die Landwirtschaft, den Metallbereich oder den Tourismus. Ich habe persönlich immer wieder mit ausgebildeten Metallfacharbeiter/innen zu tun (meist Österreicher/innen), die keinen Job in Wien finden, aber auch nicht auf andere Bundesländer ausweichen wollen. Mit anderen Worten: Der Zuzug funktioniert One-Way. Wiener/innen ziehen weniger in die Bundesländer, denn bei den aktuellen Arbeitslosenzahlen und den bereits getätigten Ausbildungen (Ausbildungsgarantie für unter 18-Jährige) dürfte es überhaupt keine Vakanzen in bestimmten Bereichen geben.

Statement 3:

Persönliche Netzwerke bieten die größten Chancen zur “Arbeitsmarktpartizipation” (was für ein schönes Wort!). Auf Deutsch: Netzwerke vereinfachen den Jobzugang. Da der Großteil der Jobs sowieso nicht ausgeschrieben oder verdeckt ausgeschrieben wird, ist dies jetzt eine “Nona-net”-Geschichte. Allerdings ist zu bedenken, dass Arbeitssuchende oft den Zusammenbruch eines Netzwerkes zu beklagen zu haben. Je länger die Arbeitslosigkeit dauert, desto dünner wird das “professionelle” Netzwerk. Das “Aus-den-Augen-aus-dem-Sinn”-Prinzip funktioniert fast ausnahmslos und ist gnadenlos.

Zusammenfassung:

Eine der größten Herausforderungen des österreichischen Arbeits(losen)marktes ist die Mobilität, da der Wiener Arbeitsmarkt ein Überangebot an Kapazitäten hat und andere Bundesländer eine verstärkte Nachfrage aufweisen. Persönliche Netzwerke sind unerlässlich für die Jobsuche.


Link zum Artikel: http://derstandard.at/2000033599075/Nachdenken-ueber-eine-Residenzpflicht

Interaktive Karte der Arbeitslosigkeit

Karte der Arbeitslosigkeit

Karte der Arbeitslosigkeit

Anfang Februar veröffentlichte der ORF Online unter dem Titel “Interaktive Karte zur Arbeitslosigkeit” eine Österreichkarte, die erneut unterstreicht, dass Arbeitslosigkeit in Österreich kein flächendeckendes Phänomen, sondern durchaus mit einem Fleckerlteppich zu vergleichen ist. Dabei fällt eine gewisse Zweiteilung auf. In der Dichte steigt die Arbeitslosenquote von Westen nach Osten. Der Süden, sowie Wien und das Burgenland stechen heraus.

Dass Wien einer der Hotspots der Arbeitslosigkeit im Jahr 2015 war, ist sicherlich keine wirkliche Neuigkeit. Dass die Arbeitslosenquote im Norden und Nordwesten von Wien jedoch deutlich niedriger ist, überrascht schon. Klosterneuburg, Korneuburg, Purkersdorf und gar Tulln an der Donau wiesen 2015 eine Arbeitslosenquote zwischen 4 und 7 Prozent aus, während Wien mit mehr als 10 Prozent zu den Spitzenreitern in Österreich gehört.

Auch wenn durch die allgemeine negative Stimmung das Positive unter den Tisch fällt: Es gibt sogar in Österreich einen politischen Bezirk in dem die Arbeitslosenquote 2015  unter 4 Prozent lag. Es handelt sich um Rohrbach.

Berechnung der Arbeitslosenquote

Wie wird die Arbeitslosenquote berechnet? Nun hier muss man nun zunächst feststellen, dass die Arbeitslosenquote zwei verschiedene Berechnungsarten aufweist. Es gibt die sogenannte “Registerarbeitslosenquote”, die auch gerne  als “nationale Arbeitslosenquote” bezeichnet wird. Diese basiert im Wesentlichen auf zwei Faktoren: (1) die beim AMS vorgemerkten Arbeitslosen (2) die beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger aufscheinenden, unselbstständig Beschäftigten. Als dritter Faktor kommt das Arbeitskräftepotenzial dazu, das aus der Summe der beim AMS  und jener beim Hauptverband gemeldeten unselbständig erwerbstätigen Menschen besteht.

Die Formel ist relativ einfach: Arbeitslosenquote = prozentueller Anteil von Arbeitslosen am Arbeitskräftepotenzial

Die internationale Quote liegt etwas niedriger als die österreichische Statistik, da sie anders berechnet wird. Sie wird nach dem international üblichen Labour Force-Konzept (LFK) der Internationalen Arbeitsorganisation ILO erstellt. Dort gelten auch Personen, als Arbeitsnehmer/innen und somit erwerbstätig, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet oder wegen Urlaub, Krankheit nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Auch die Arbeitslosen sind anders dargestellt. Als arbeitslos gilt, wer in diesem Sinne nicht erwerbstätig ist, aktive Schritte zur Arbeitssuche tätigt und kurzfristig zu arbeiten beginnen kann. Daher kommt es zu Abweichungen in der Berechnung. Die Karte orientiert sich jedoch an der internationalen Darstellung.

Ob jetzt internationale Berechnungsweise oder nationale Registerarbeitslosenquote. Die Zahlen zeigen deutlich, dass es offensichtlich in Österreich ein Mobilitätsproblem gibt. Für Wien bedeutet dies, dass das niederösterreichische Umland interessant sein könnte. Allerdings ist die präsentierte Karte nur ein zarter Indikator, da man die absoluten Zahlen vergleichen und auch die Branchen, in denen gesucht wird, anzeigen müsste. Dann könnte man gezielt arbeiten. Aber dennoch gilt für Arbeitssuchende: Die Stadtgrenze ist nicht das Ende.


 

Link: Interaktive Karte zur Arbeitslosigkeit auf ORF Online vom 01. 02. 2016