Die “Warum-Frage” … Fragetechnik als Waffe oder Werkzeug? (Teil 1)

Warum?

Warum in unterschiedlichen Sprachen

Sie kommt meist unverhofft. Eltern und/oder Betreuer/innen von Kleinkindern fürchten sie. Lassen Kinder dieses kleine Wort vom Wortschatz-Stapel, können Erwachsene sicher sein, dass es kein Entrinnen und kein Entkommen gibt. Die Rede ist von der wohl mächtigsten Frage der Welt: “WARUM?”

Warum-Kaskaden sind gefürchtet. Und dies aus gutem Grund. Keine andere “W”-Frage kann das Gegenüber derartig in Bedrängnis bringen, unter Druck setzen oder als Tadel aufgefasst werden. Keine andere “W”-Frage funktioniert so gut als Schutzschild gegen Angriffe. Auch im Konfliktmanagement ist Warum ultrabeliebt (bei den Soziopath*innen) und gefürchtet bei jenen, die lieber einem Konflikt aus dem Weg gehen. In anderen Bereichen – wie etwa im Qualitätsmanagement – ist “Warum?” einfach unverzichtbar und funktioniert wie ein Präzisionswerkzeug. Ich möchte ihnen dieses verbale Skalpell ein wenig genauer vorstellen und zeigen, wieso die Warum-Frage Waffe und Werkzeug zugleich ist.

Warum als Vorwurf?

“Warum hast du auf den Verkäufer gehört?” kann eine einfache Frage sein, die sich nach der Ursache eines bestimmten Verhaltens erkundigt. Ist dieser Frage noch zusätzlich eine abtönende Partikel beigesetzt, wie etwa “bloß” oder “nur”, dann verschiebt sich die Bedeutung eindeutig in Richtung Vorwurf. “Warum hast du bloß auf diesen Verkäufer gehört?” kann gar nicht als unschuldige Frage angesehen werden. Sie ist Feststellung und Vorwurf in einem. Auch die Kombination aus “Warum + Negation” dient in den meisten Fällen dazu, Vorwürfe zu formulieren…” “Warum hast Du die Milch nicht mitbegracht?” – “Warum hast Du nichts gesagt?”. In beiden Beispielen handelt es sich keineswegs um eine Frage, die die Ursache des Vergessens oder der Unterlassung erfragen möchte. Die Warum-Frage ist fast schon eine Drohung und fordert unerbittlich eine Rechtfertigung seitens des/der Befragten.

Wie pariere ich einen Warum-Vorwurf?

Sebastian Pöhm von www.schlagfertigkeit.com gibt einen sehr einfachen, aber dennoch effizienten Hinweis: “Nicht mit “weil” antworten. “Weil” markiert eine Rechtfertigung und beweist dem Fragenden, dass sich sein/e Gesprächspartner/in der Defensive befindet. Dies gilt es zu vermeiden. Streichen Sie “weil” in einer solchen Situation einfach ersatzlos aus Ihrem Wortschatz. Sie werden sehen, dass Sie Warum-Angriffe deutlich die Schärfe nehmen.

Ein Beispiel: “Warum hast du die Milch nicht mitgebracht?”.  “Ich habe sie vergessen.”

Warum-Frage blockiert Lösungen?

Thomas Lorenz und Stefan Oppitz weisen in ihrem “Sprach-Führer zum Erfolg” (GABAL Verlag 2015) darauf hin, dass die Warum-Frage lösungsorientiertes Denken blockiere, da sie in die Vergangenheit verweise. Diese Aussage ist aus meiner Sicht ein zweischneidiges Schwert, denn die Warum-Frage kann dazu führen, das eigentliche Problem zu demaskieren (Stichwort: “5-Why-Methode” – Mehr dazu in Teil 2) und somit eine bessere Lösung zu ermöglichen. Aber dies muss von Fall zu Fall entschieden werden. Lorenz/Oppitz hegen die Befürchtung, dass Warum-Fragen zu sehr das Problem zementierten. Vor allem besteht natürlich immer die Gefahr, dass Warum-Fragen vom Gegenüber als Angriff gewertet werden.

In der Tat. Eine Warum-Frage dient der besseren Beschreibung eines Problems und kann so zur Lösung führen. Lösungsorientiertes Fragen, das weg vom Problem führt, ist mit Warum-Fragen nicht möglich. Wunderfragen eignen sich dazu schon wesentlich besser. Diese Technik, aus dem Bereich NLP, würde “Warum” eher durch ein “Woran” ersetzen. “Woran erkennst Du, dass Du dein Ziel erreicht hast?” statt “Warum hast Du dein Ziel nicht erreicht?”. Wenn Sie beide Fragen miteinander vergleichen wird deutlich was gemeint ist. “Woran erkennst Du…?” lenkt den Fokus auf die Zukunft und die Lösung, während die Warum-Frage auf das Problem hinweist.


Lesen Sie hier Teil 2 des “Warum?”-Artikels

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Was tun, wenn ich keine Antworten auf meine Bewerbungen bekomme…

Wir kennen das Phänomen eigentlich alle. Die x-te Bewerbung hat gerade den Postausgang verlassen; entsprechende Antworten im Posteingang lassen auf sich warten.

Woran liegt es, dass keine Antworten auf Bewerbungen erfolgen? Diese Frage lässt sich nicht ganz einfach beantworten. Es gibt mehrere Gründe. Was können Sie jedoch tun, um mehr Antworten zu bekommen?

(1) Fangen Sie bei Ihnen an…

Natürlich ist es klar, dass die Anzahl der Bewerbungen auf freie Stellen steigt; 200 Bewerbungen auf eine Reinigungsstelle sind keine Seltenheit. Dass der einzelne Bewerber oder die geneigte Bewerberin von seiten der Personalverantwortlichen bei der Masse an Bewerbungen nicht gerade hofiert wird, ist leicht nachvollziehbar. Es ist zwar eine Binsenweisheit, dennoch erlebe ich zu viele Bewerber/innen, die ihre Erwartungshaltungen und ihr Selbstbild nicht nachjustieren. Sie vergessen, dass Bewerber/innen in einem undurchschaubaren Wettkampf zueinander stehen. Passen Sie ihre Sicht nicht an, sind Frustrationen vorprogrammiert. Die unumstößliche Wahrheit nach Richard N. Bolles lautet: “Aussortieren kommt vor dem Einstellen”. Und wie sagte schon meine werte Frau Mutter: “Es wartet niemand auf dich!”.  Denken Sie auch daran, dass Bewerbungsverfahren heute einem Staffellauf entsprechen. Viele kleine Hindernisse sind zu überwinden.

(2) Passgenaue Bewerbungen

Bei Wald- und Wiesenbewerbungen kann es natürlich leicht passieren, dass der Personaler oder die Personalerin die metaphorische Sense auspackt und die nicht passenden Bewerbungen mit einer Armbewegung entsorgt. Je genauer Ihre Bewerbung auf die Ausschreibung passt, desto später wird man Sie auszusortieren.

(3) Anrufen… Infos einholen, dann bewerben

Um die entsprechende Passgenauigkeit zu erzielen, empfiehlt es sich vor der eigentlichen Bewerbung anzurufen. Gerade bei Personaldienstleister/innen ist dies meiner Erfahrung nach kein Problem. Als Bewerber/in sitzen mit den Personaldienstleister/innen teilweise im selben Boot, da diese möglichst passgenaue Kandidat/innen vorschlagen wollen. Sollten Sie sich also bei einer Ausschreibung nicht ganz auskennen, fassen Sie telefonisch höflich nach. In den meisten Fällen bekommen Sie eine Antwort, die Ihnen weiterbringt.

(4) Nachfassen, aber wann…?

Wenn die Bewerbung abgeschickt wurde, heißt es zunächst einmal warten. Ich empfehle meinen Kundinnen und Kunden in der Regel frühestens  nach einer Woche nachzufassen – per Mail oder eben telefonisch – sofern ich vorher nicht eine Verständigung bekommen habe, dass der Bewerbungsprozess länger dauern wird. Achtung! Nicht alle Personaler/innen gouttieren gut gemeinte Anfragen per Telefon. Zu schnell setzt man sich der Gefahr aus, als Nervensäge rüber zu kommen. Sollte jedoch eine freundlich, höflich und korrekt formulierte Nachfrage mit einem schroffen “Das werden Sie schon sehen… rufen Sie uns nicht an. Wir melden uns schon, wenn es soweit ist…” bedacht werden, lässt die Antwort tief blicken und Sie können sich ernsthaft die Frage stellen, ob Sie überhaupt noch ein weiteres Gespräch wünschen. Jedes Statement ist ja – ebenfalls fast schon eine kommunikative Kalenderweisheit – eine Selbstoffenbarung.

Um sicher zu gehen, empfehle ich die Anfrage kurz, schriftlich und höflich zu verfassen oder einfach im Sekretariat nachzufragen.

(5) und wie soll ich nachfassen?

Direkt und zwar nach der “Wir-entern-jetzt-die Bounty”-Methode! Unverblümt, direkt und freundlich. Es bringt nichts, um den heißen Brei herumzureden und gleichzeitig den Personalist/innen Honig um den (Damen)bart schmieren zu wollen. Fragen Sie ruhig nach mit den Worten: “Ich habe mich vor 2 Wochen bei Ihnen beworben, ich wollte wissen wie der Stand der Dinge ist… Gut ist natürlich das Wohlwollen des/der Gesprächspartner/in zu haben.

(5) Erwarten Sie keine direkten Antworten

Auch dies ist ein wichtiges Thema. Ihre Nachfrage dient eher dazu Interesse zu signalisieren und zu zeigen, dass Sie an den Dingen dran bleiben. Wenn man Ihnen sagt, dass das Verfahren “in zwei Wochen abgeschlossen” sei, ist schon Einiges gewonnen. Bedanken Sie sich für die nette Auskunft.

(6) Nach einem Bewerbungsgespräch

Vereinbaren Sie einen Zeitraum und einen Stichtag. Bedanken Sie sich am Tag nach dem Gespräch und zwar schriftlich. Dies per Brief oder geschmackvoller Postkarte zu tun, ist sicherlich eine gute Sache und sehr stilvoll. Erst nach dem Verstreichen der Deadline melden Sie sich selbst.

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So wie man in den Wald ruft…

… so schallt es meistens auch zurück. Oder: Warum die immer gleichen Fragen bei Bewerbungsgesprächen zu keinen befriedigenden Antworten führen (können).

https://s3.amazonaws.com/omlv1/blogs/images/000/000/012/original/question-mark-clip-art-010.jpg?1388973381Konsultiert man verschiedene Ratgeber/innen zum Thema Bewerbung und Vorstellungsgespräch, entdeckt man immer wieder, dass dieselben Fragen angeführt werden. Auch auf HRweb.at habe ich   eine Liste gefunden, die ich Ihnen gerne auch an dieser Stelle übermittle. Doch leider führen viele (nicht alle) dieser Fragen zu unbefriedigenden Antworten, schon alleine deshalb, weil man natürlich von den gleichen Bewerbungsratgeber/innen auch die entsprechenden Antworten zur Verfügung gestellt wird. Auch die Autor/in des HR Web Beitrages bestätigt: “Ja, diese Standard-Bewerbungsfragen machen Sinn und können nicht ausschließlich durch mächtig kreative Fragen substituiert werden. Weche Standard-Bewerbungsfragen sind für Sie am sinnvollsten?” (www.hrweb.at,  Eva SELEN am 27. März 2015) Doch bevor ich die auf die Frage eingehe, welche Fragen ich mir wünsche,  hier einmal die Top 10 der Bewerbungsfragen.

  1. Erzählen Sie uns/mir etwas über sich!
  2. Warum haben Sie sich bei uns beworben?
  3. Aus welchem Grund wollen Sie Ihren derzeitigen Arbeitgeber verlassen?
  4. Was wissen Sie über unser Unternehmen / unsere Firma?
  5. Was möchten Sie in drei (fünf oder zehn) Jahren erreicht haben?
  6. Warum denken Sie, die richtige Besetzung für diese Stelle zu sein?
  7. Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?
  8. Was stört Sie am meisten an anderen Menschen und wie gehen Sie damit um?
  9. Was würden Sie gerne verdienen?
  10. Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Einige dieser Fragen sind jedoch so gestellt, dass sie sehr “ins Blaue” zielen und eher an eine “Freischwimmübung” erinnern. Die Aufforderung “etwas über sich zu erzählen” soll natürlich abtesten, ob ein/e Bewerber/in auf den Punkt hinkommunzieren kann. Sie ist jedoch auch eine Freischwimmübung ins offene Meer hinaus – und seien wir mal ehrlich – bei einer delikaten und nervösen Situation, wie einem Bewerbungsgespräch, die einem mehr oder weniger einseitigen Blind-Date ähnelt, ist ein bisschen Hilfestellung für die Bewerber/innen sehr willkommen und kann zu einem echten Gespräch führen. Sollten die Personaler/innen trotzdem auf dem “BEST OF” der Bewerbungsfragen bestehen, kann man ja die Frage “Erzählen Sie etwas über sich!”, die im Grunde eine Aufforderung oder ein Befehl ist, für sich reformulieren. Ich kann mit einem “Ich nehme an,dass Sie auf die ausschreibungsrelevante Erfahrung hinaus wollen…” einleiten, auf eine körpersprachliche oder verbale Reaktion des Gegenübers warten und dann mit dem eigentlichen Text loslegen. Eine Verständnisfrage im Sinne von “Was meinen Sie genau damit?” klingt im ersten Moment verlockend, bewirkt aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass der/die Bewerber/in dem/der Interviewer/in das Heft aus der Hand nimmt. Weniger heftig ist meiner Einschätzung nach eine Alternativfrage im Stile von: “Soll ich bei meiner Ausbildung anfangen oder reichen Ihnen die beruflich relevanten Fragen?”. Wie gesagt, bei jedem Reformulieren der Frage entsteht im Subtext ein Kampf um die Führung im Gespräch. Denn die alte Regel: “Wer fragt, führt?” gilt sowohl bei polizeilichen Einvernahmen als auch bei harmloseren Jobinterviews.

Die Personaler/innen könnten natürlich die Frage mit einer Zielvorgabe versehen. Statt der Aufforderung “Erzählen Sie etwas über sich?” ist auch folgende Frage möglich: “Welche Fähigkeiten und Erfahrungen qualifizieren Sie besonders für diesen Job?”. Die Frage beinhaltet schon das Ziel und geht ein ganzes Stück in Richtung Selbst- und Fremdbild.

Auch die Frage: “Warum haben Sie sich bei uns beworben?” aktiviert bei den meisten Bewerber/innen zunächst die offensichtliche Antwort: “Weil ich den Job will/brauch!?”. Das ist zumindest ein Feedback, das ich in den Trainings immer wieder zu hören bekomme . Nun lernen die Bewerber/innen, dass diese offene und ehrliche Antwort, nicht so gut ankommt und man versucht weiters Ihnen beizubringen, dass die Frage auf die Motivation abzielt, warum man sich überhaupt beim entsprechenden Unternehmen beworben hat.Gleichzeitig will der/die Personaler/in  herauszufinden, was man/frau über das Unternehmen weiß. Die Gefahr ist also sehr groß eine antrainierte Antwort zu bekommen und keine authentische. Ob das im Sinne des/der Interviewer/in sein kann? Auch hier ist das Reformulieren der Frage eine Möglichkeit, aber generell sollten Sie vorsichtig damit sein, da der/die Personaler/in schon mal die Ansicht haben könnte, dass Sie “schwer von Begriff” sind.

Auch die “Stärken und Schwächen”-Frage ist bei vielen Bewerber/innen gefürchtet oder ruft Achselzucken hervor. Die Beschäftigung mit sich selbst ist eine sehr schwierige Aufgabe und führt für viele Menschen zu wenig konkreten Ergebnissen. Daher wundert es nicht, dass Bewerber/innen mit “hin und wieder bin ich zu perfektionistisch” oder “Ungeduld” oder “ich esse zu viel Schokolade” antworten (in meinem Fall wäre das sogar die Wahrheit) Auch bei dieser Frage ist das Risiko besonders stark, eine eintrainierte oder einstudierte Antwort zu bekommen. Ich würde hier eher fragen: “Was ist Ihnen besonders gut gelungen? (Stärken) oder “Was geht Ihnen leicht von der Hand?” (Stärken). Ich bekam einmal die Frage gestellt: “Wo sehen Sie ihre Lernfenster oder ihren Lernbedarf?” Fand ich gut, weil das böse Wort “Schwächen”, das wir so gerne aus dem deutschen Wortschatz verbannen würden, darin nicht vorkam.

Gefährlich ist natürlich die Frage “Was machen Sie in der Freizeit?”. Die Frage kommt sehr unschuldig daher, wird gerne an das Ende eines Gesprächs gesetzt, wo Bewerber/innen sich schon sicher sind, dass der “formale” Teil des Gesprächs absolviert ist. Doch Vorsicht! Das Gespräch ist eigentlich erst dann vorbei, wenn Sie das Gebäude wieder verlassen haben. Bis dahin sollten Sie die Konzentration aufrecht erhalten. Aus den Freizeitaktivitäten lassen sich sehr oft andere Dinge ableiten. Es ist ein Gemeinplatz, dass Teamsportarten Sie leichter als Teamplayer darstellen lassen und nebenbei etwas über mögliche Verletzungen und körperliche Fitness aussagen. Die Frage ist direkt gestellt. Sie sollten als Bewerber oder Bewerberin Ihr nur die richtige Bedeutung beimessen.

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