Schnellcheck: Bessere Bewerbungsschreiben mit der Ersatzprobe

Es ist eigentlich ein alter Hut, dass wir unser Bewerbungsschreiben auf jede neue Bewerbung anpassen sollen. Floskeln sind zu vermeiden. So die allgemeine Meinung. Manche sind notwendig und werden sogar erwartet. Andere sind das Papier nicht wert, auf das sie niedergeschrieben wurden. Wie kann ich nun sicher sein, dass mein Bewerbungsschreiben nicht zu viele Allgemeinplätze hat und dass es sich von den vielen anderen Bewerbungsschreiben unterscheidet? Eine Möglichkeit ist die Ersatzprobe.

Die Ersatzprobe

 >>> Können Sie ein und dasselbe Bewerbungsschreiben bei unterschiedlichen Jobs aus einer anderen Branche einsetzen, rate ich, noch einmal drüber zu gehen und konkreter zu werden.

AMS Bewerbungsportal, das nebenbei gesagt, viele gute Anregungen für Bewerbungen bereit hält.

Bewerbung als Reinigungskraft<
Sehr geehrte Frau Schnifler,
Ich habe bereits Erfahrung in der Reinigung von Haushalten und Büroräumen. Dabei arbeitete ich immer zur vollsten Zufriedenheit meiner Arbeitgeber. Ich reinige sauber und schnell und bin außerdem sehr zuverlässig. Ich freue mich über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch mit Ihnen.

Nun die Ersatzprobe: Ich ersetze nun den Begriff Reinigungskraft, Reinigung usw durch Maler und Anstreicher, ausmalen usw.

Bewerbung als Maler und Anstreicher,
Sehr geehrte Frau Schnifler,
durch Ihr Inserat vom (Datum) in der Kronenzeitung habe ich erfahren, dass Sie einen Maler und Anstreicher für 30 Stunden die Woche suchen. Daher bewerbe ich mich für diese Stelle. Ich habe bereits Erfahrung im Ausmalen von Haushalten und Büroräumen. Dabei arbeitete ich immer zur vollsten Zufriedenheit meiner Arbeitgeber. Ich male sauber und schnell und bin außerdem sehr zuverlässig. Ich freue mich über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch mit Ihnen.

Das Problem: Das ganze Schreiben funktioniert auch noch, nachdem alle Wörter, in denen “reinigen” vorkommt, mit “malen” ersetzt worden. Sie sehen: Ich  habe nur einige wenige Begriffe geändert. Der Rest des Textes würde auch passen. Das Fazit: das Bewerbungsschreiben ist sehr allgemein gehalten und gibt wenig über Sie als Person preis. Es ist eigentlich nicht mehr als ein allgemeines Anschreiben, das weder Ihre Persönlichkeit noch Ihre Motivation erkennen lässt.

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Wie kann ich es besser machen?

(1) Vermeiden Sie einen nichtssagenden Betreff!

Bewerbung als Reinigungskraft

Sehr geehrte Frau Schnifler,
durch Ihr Inserat vom (Datum) in der Kronenzeitung habe ich erfahren, dass Sie eine Reinigungskraft für 30 Stunden die Woche suchen. Daher bewerbe ich mich für diese Stelle.

Besser: Bewerbung Reinigungskraft: Kronenzeitung + Datum

(2) Fallen Sie mit der Tür ins Haus und erzählen Sie von Ihren letzten Tätigkeiten

durch Ihr Inserat vom (Datum) in der Kronenzeitung habe ich erfahren, dass Sie eine Reinigungskraft für 30 Stunden die Woche suchen. Daher bewerbe ich mich für diese Stelle. Ich habe bereits Erfahrung in der Reinigung von Haushalten und Büroräumen. Dabei arbeitete ich immer zur vollsten Zufriedenheit meiner Arbeitgeber. Ich arbeite sauber und schnell und bin außerdem sehr zuverlässig.

Besser: die letzten Jahre arbeitete ich vor allem als Büroreinigungskraft. Ich arbeitete meist in geteilten Diensten. Zu meinen Aufgaben gehörte: Reinigung der Stiegen und Verkehrsflächen, Tische abwischen, Abfallentsorgung. Außerdem übernahm ich auch noch die klassischen Aufgaben einer Tagesfrau und kümmerte mich um das Geschirr.


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Plastikwörter in Stellenanzeigen und Bewerbungsschreiben

Sie lesen ein Stellenangebot, das gespickt ist mit Wörtern wie “Teamfähigeit”, “Flexibilität”, “Einsatzbereitschaft” etc.Sie haben eine ungefähre Ahnung, was es bedeutet und spielen das Spiel mit, indem Sie sich im Bewerbungsschreiben als “teamfähig, flexibel und lernwillig” beschreiben. Gratuliere. Sie haben den ersten Preis im Plastikwörterspiel gewonnen.

Was sind nun Plastikwörter? Der Begriff wurde von Uwe Pörksen entwickelt und ist “ein oft verwendeter, aber inhaltlich sehr schillernder Ausdruck, der (…)  hochgeschätzte, abstrakte Dinge benennt und als solcher in der Linguistik der Werbesprache eine Rolle spielt. Es handelt sich dabei um Wörter, die in fachsprachlichen Zusammenhängen oft eine ganz klare Bedeutung haben, diese in anderen (zum Beispiel alltags- oder werbesprachlichen) Zusammenhängen aber vermissen lassen.” (Quelle: www.wortbededeutung.info). Ein gerne genanntes Beispiel sind Begriffe, wie “Struktur” und “System”. Mit anderen Worten: Es handelt sich um Fachbegriffe, die sich in die Alltagssprache eingeschlichen haben und zu Allerweltswörtern verkommen sind. 

 Noch ein paar Beispiele? Aber gerne doch. Kommunikation bedeutet in den verschiedensten Fachbereichen etwas ganz anderes. Ein/e Kommunikationstechniker/in muss nicht unbedingt über rhetorische Fähigkeiten verfügen, um seinen/ihren Beruf auszuüben. Demokratie ist auch so ein Wort. Die Kim-Familie aus Nordkorea versteht unter “Demokratie” sicherlich etwas anderes, als der Aufsichtsratsvorsitzende bei einer Hauptversammlung der Aktionäre.

Und so sind die Begriffe, die wir aus Stellenangeboten übernehmen, ohne genau darüber nachzudenken, was sie bedeuten, auf dem besten Wege “Plastikwörter” zu werden, wenn sie es nicht schon längst geworden sind.

Wie kann ich damit umgehen? Relativ einfach: Suchen Sie andere sprachliche Begebenheiten/Kontext oder gehen Sie auf den Ursprung des Wortes zurück…

  • Was bedeutet Teamfähigkeit, wenn ihr Chef sagt: “Sie sind nicht teamfähig oder Sie passen nicht ins Team.”?
  • Was ist eine “humorvolle Persönlichkeit”, wenn Sie gleichzeitig aufgefordert werden die Dinge mit Humor zu nehmen.
  • Wie sieht es mit der Flexibilität aus, wenn das Wort aus dem Latein stammt und soviel wie flechten und (ver)biegen bedeutet?

Diese Plastikwörter beziehen sich in den meisten Fällen auf die sogenannten “Soft Skills” – also die “weichen Fähigkeiten”. Gemeint sind die persönlichen Einstellungen, Werte und Haltungen. Der Begriff “Charakter” ist etwas außer Mode geraten. Aber im Wesentlichen passt er.

Die Stellenangebote listen diese Eigenschaften meist auf. Ich habe den Eindruck, dass viele dieser Begriffe innerhalb der Textsorten “Stellenangebote” und “Bewerbungsschreiben” eine Art Eigenleben führen. Als Bewerber/in sollten Sie jedoch immer wieder auf diese Eigenschaften eingehen.