“Nach frühestens sieben Jahren können Sie jemandem vorurteilsfrei begegnen”

Berufseinblicke Coaching

Die Serie “Berufseinblicke” präsentiert Interviews mit Menschen, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen. Mit dieser kleinen Serie bietet “whatelsen.work” wertvolle Einsichten und Einblicke in den beruflichen Alltag, fernab von Berufsinformationssystemen und allgemeinen Branchenbeschreibungen. Denn nichts ist spannender als der gelebte berufliche Alltag.


Der Coachingbegriff ist in aller Munde. Mittlerweile – so scheint es zumindest – keinen Bereich zu geben, in dem nicht gecoacht oder trainiert wird. Baucoaching, Energiecoaching, Laufcoaching, Life-Coaching uvm. ist auf dem Markt zu finden. Wir wollen ein wenig den Beruf des “klassischen” Coachs – also des Life-Coachs (wie man es im anglo-amerikanischen Raum im Unterschied zum Sport-Coach bezeichnet) vorstellen. Helga Blöchl – von der Praxis “Positiver Dialog” war so freundlich dieses kleine Interview mit whatelsen.work zu führen…

whatelsen: Danke, dass Sie sich bereit erklärt haben mit uns zu sprechen. Frau Blöchl… Wie kamen Sie zum Coaching? Waren Sie schon immer Coach?

Helga Blöchl, Coach und Mediatorin in Wien

Helga Blöchl: Meine beruflichen Wurzeln liegen in der Sozialen Arbeit. Ich habe auf der Sozialakademie studiert und war als Sozialarbeiterin im Bereich Beruf/Bildung und leitend in der Gewaltprävention tätig. 

Den Impuls in Richtung Coaching zu gehen, wurde durch die Bemerkung einer Trainerin in einem Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung ausgelöst. Sie meinte, dass ich einen besonderen „Draht“ zu den Bedürfnissen der Menschen habe und doch Coaching als Tätigkeit in Betracht ziehen sollte.

Coaching ist neben Mediation und Training jetzt mein berufliches Betätigungsfeld. Ich schätze meinen Quellberuf, die Tätigkeit als Beraterin in der Sozialen Arbeit sehr – jedoch wird oft das Problem der KlientInnen von der Beraterin “geschultert” und auf diese Art die Lösungen gesucht. In der Sozialen Arbeit geht es in manchen Fällen auch um Unfreiwilligkeit im Beratungssetting und Machtgefälle zwischen BeraterIn/KlientIn.

In meiner Arbeit mit Menschen hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass ich meinen systemischen Ansatz in der Beratung sehr gut in das Coaching transformieren kann. Meinen KundInnen auf Augenhöhe zu begegnen und im lebendigen, offenen Dialog Lösungen für die präsentierten Anliegen zu erarbeiten, entspricht auch mehr meiner Wertehaltung und meinem Verständnis von sinnstiftender Tätigkeit.

whatelsen: Mit welchen Zielgruppen arbeiten Sie am liebsten? Welche Coaching- oder Trainingsanfragen würden Sie ablehnen?

Helga Blöchl:  Ich habe keine grundsätzliche Vorliebe hinsichtlich einer Zielgruppe. Jedenfalls keine nach einer einfachen Einteilung in „jung-alt“, „männlich-weiblich“, oder ähnliches.

Ich arbeite jedenfalls sehr gerne mit Menschen zusammen, die sich gerne Gedanken über sich selbst machen und mit einer wohlwollenden Haltung ihre beruflichen/privaten Anliegen reflektieren wollen. Am liebsten arbeite ich mit Menschen, die bereit sind, ein “Risiko” einzugehen”, indem sie dem Neuen eine Chance geben.

Anfragen, die ich fachlich nicht abdecken kann, lehne ich ab. Ich versuche, an eine für die fachliche Anforderung passende KollegIn zu verweisen. Ein anderes Beispiel: Vor kurzem erst wurde ich für eine Mediation mit den Auftrag kontaktiert, zwei vorliegende Scheidungsvergleiche nach Ausgewogenheit und Fairness zu beurteilen. Ich habe auf eine Rechtsberatung verwiesen. Für das Ausverhandeln von Bedingungen, die beide Seiten als fair empfinden, bin ich gerne Mediatorin. Auch für die Klärung der anstehenden Themen zur Vorbereitung der einvernehmlichen Scheidung stehe sehr gerne als Mediatorin zur Verfügung.

Ich lehne auch Anfragen ab, wo es bereits zu einer Vorwegnahme des Ergebnisses kommt – z. B. Mediation, die als “Tribunal” verwendet wird, die Ergebnisse nicht ausverhandelt werden, sollen sondern von vornherein feststehen. Auch bei einem Coaching-Auftrag für ein Unternehmen kann das Coaching nicht als “Korrektiv” für das Verhalten einer Führungskraft oder eines Mitarbeiters oder eines Teams eingesetzt werden – solche Aufträge lehne ich ebenfalls ab.

whatelsen: Sie haben Seminare von Friedrich Glasl (Konfliktforschung) und Richard N. Bolles (Bewerbung) besucht? Wie war das mit diesen herausragenden Persönlichkeiten und Speakern zu arbeiten?

Helga Blöchl: Was besonders prägend war, ist die Wertschätzung, mit welcher diese “Koryphäen” die SeminarteilnehmerInnen aufnehmen. Diese Haltung prägt auch die Arbeit in der Seminargruppe – ein freundliches, offenes Miteinander unterstützt den intensiven Lernprozess. Ich habe diese Vortragenden auch als unglaublich sicher und stark in der Sache erlebt, gleichzeitig freundlich und mit einer guten Prise Humor. Mit diesen Qualitäten wird Mut zum Ausprobieren, Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und auch das Zulassen von Fehlern gemacht. Es waren einmalige Erlebnisse.

whatelsen: Was waren Ihre persönlichen Highlights bei diesen Seminaren?

Helga Blöchl: Friedrich Glas hat den populären Kinospielfilm „Der Rosenkrieg“ als Übungsbeispiel für das Erarbeiten der neun Eskalationsstufen von Konflikten verwendet. Dieser Film hat dabei unterstützt, die Stufen der Konflikteskalation nachvollziehbar zu machen und die abstrakten Inhalte in der Realität zu veranschaulichen. Diese Vorgangsweise hat auch das eigene Einschätzen von Konflikten und ihrer jeweiligen Konfliktstufe in der Mediation gestärkt und den jeweiligen Handlungsbedarf als Mediatorin verdeutlicht.

Bei Richard “Dick” Nelson Bolles war das ganze Setting einzigartig. Das Seminar hat bei Herrn Bolles in seinem privaten Wohnsitz in Danville, Kalifornien, stattgefunden. Die Gruppe war international (natürlich mit US amerikanischen Schwerpunkt) zusammengesetzt. Wir haben in der gemeinsamen Sprache Englisch miteinander gearbeitet, gemeinsam die Pausen verbracht, das Catering von Dick Bolles’ Frau Marcy genossen und es gab auch gemeinsame Abendessen.

Man hat viel gearbeitet und gleichzeitig gemeinsam Spaß gehabt – ein Erlebnis fürs Leben. Monate später hat sich ein Teilnehmer (aus Kanada) von einer gemeinsamen Kleingruppenübungen bei mir gemeldet und sich ausdrücklich bedankt für mein gutes Zuhören. Meine Kärtchen mit Ideen für seine neue berufliche Ausrichtung sind für Ihn und seine berufliche Zukunft sehr hilfreich. Dieses Feedback hat mich besonders gefreut!

whatelsen: Sie bieten ja unterschiedliche Seminare an: Wieso sollten potenzielle Teilnehmer*innen Sie buchen?

Sie haben Recht: Meine Angebote bilden einen „bunten Strauss“. Meine Schwerpunkte sind Coaching (Berufscoaching, Persönlichkeitscoaching und Teamcoaching), Mediation, Training mit den Schwerpunkten „Soziale Kompetenz“, „Konfliktmanagement“ und “Selbstwert und Kommunikation“.  Ich biete auch Supervision an und Firmen können meine Angebote im Bereich CSR (Corporate Social Responsibility) buchen.

Helga Blöchl: All der Vielfalt ist eines gemeinsam: Mein offenes Zugehen auf Menschen und das ehrliche Annehmen meines Gegenübers mit den präsentierten Anliegen schafft rasch eine Vertrauensgrundlage für die gemeinsame Arbeit. Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln – auch wenn die Situation noch so “verzwickt” ist – und auf die Ressourcen, die die Menschen mitbringen, zu bauen… Die Perspektive, eine Verbesserung, ein klareres „Miteinander“ zu erreichen, unterstützt auf dem Weg zum (Lern)Ziel.

Das ist auch meine innewohnende Triebfeder. Die KundInnen in die Lage zu versetzen, dass Sie einerseits sich selbst besser kennenlernen und mehr wertschätzen, und andererseits auf ihr soziales Umfeld empathisch zugehen können. Potentielle TeilnehmerInnen können gerne auch alternative Angebote buchen. Jeder Anbieter, jede Anbieterin setzt andere Schwerpunkte.

Mein USP (unique selling point – um die Sprache des Marketings zu verwenden) ist meine fast schon intuitive Art, sehr schnell den wahren Kern des Anliegens meines Gegenübers herauszufinden. Was mich besonders ausmacht, ist meine hohe Aufmerksamkeit und ein sehr starkes empathisches Gespür für meine Kundinnen und Kunden. Meine analytischen Fähigkeiten helfen beim Blick auf das Gesamte – und ich habe auch keine Angst vor schwierigen Konflikten. Diese Kompetenzen, gepaart mit langjähriger Erfahrung und solidem methodischen „Rüstzeug“, versetzt mich in die Lage, potentielle KundInnen bei Ihren Themen bestmöglich zu unterstützen.

whatelsen: Viele junge Menschen möchten ins Coaching. Wie schätzen Sie den Coaching-Markt in Wien ein?

Helga Blöchl: Mir stehen jetzt keine statistischen Werte zur Verfügung. Ich habe auch keinen richtigen „Marktüberblick“. Ich kann nur aus eigener Erfahrung folgendes berichten:

Der “Coaching-Markt” erscheint mir als völlig überlaufen. Ausbildungsinstitute scheinen gut zu florieren. Mit dem Resultat, dass die AbsolventInnen mit ihren Angebote auf gar nicht so viele potentielle Kundinnen und Kunden treffen – die Enttäuschung der “Neulinge” auf dem Markt ist nachvollziehbar. Es wirkt auf mich auch ein wenig so, als ob viele Anbieter keinen wirklich fundierten beruflichen Background für diese Tätigkeit besitzen. Eine Coaching-Ausbildung alleine ist meiner Meinung nach zu wenig an Wissen für diese anspruchsvolle Tätigkeit. Das verursacht auch, dass die gesamte Branche darunter zu leiden hat.

Es tummeln sich viele “Glücksritter” auf diesem Gebiet – das führt verständlicherweise zur Verunsicherung der KundInnen ob der Seriosität der AnbieterInnen. Außerdem “hypen” die Medien Themen wie „Führungskräftecoaching“, „Karrierecoaching“ und ähnliches mehr. Das läuft aber zumeist über renommierte Institute, sehr viel auch über direkte Beziehungen – BerufseinsteigerInnen haben es hier sehr schwer.

whatelsen: Welchen unerlässlichen Tipp würden Sie Leuten mit auf den Weg geben, die den Beruf des Coachs oder Trainers (m/w) ergreifen wollen.

Helga Blöchl:  

  • Sie benötigen auf jeden Fall eine fundierte Ausbildung.
  • Es muss ihrer persönlichen Neigung entsprechen – Coaching/Training ist kein Job wie jeder andere
  • Sorgen sie dafür, dass nicht ihre eigenen Probleme auf die KundInnen projiziert werden – ein hohes Maß an Selbsterfahrung schützt Sie und Ihre KundInnen
  • Viel Erfahrung sammeln und durch Supervision laufend begleiten lassen
  • Sie müssen sich vernetzen – zu Instituten, Firmen, Vereinen, Kongressen gehen – der sogenannte “Multichannel-Ansatz” – es geht darum, im Marktsegment bekannt zu werden

Auf der Sozialakademie hat uns einer der Lehrenden gesagt: “Nach frühestens sieben Jahren können Sie jemandem vorurteilsfrei – wie einem unbeschriebenen Blatt, einer weißen Leinwand – begegnen. Das hat natürlich niemand geglaubt, es ist aber meiner Erfahrung nach so. Diese sieben Jahre hat es zu meiner Entwicklung als offene, aufmerksame und wertschätzende Person gebraucht – und es ist ein laufender und sehr interessanter Reifungsprozess für mich als Coach, Mediatorin und Trainerin.

whatelsen: Herzlichen Dank für das ausführliche Interview und alles Gute.

Helga Blöchl: Danke auch.


Links:

Coachingtipp: Freecards statt teurer Coachingkarten

Bilder und Fotos im Coaching einzusetzen, kann durchaus eine sinnvolle Intervention sein. Zum Einen werden wir immer mehr zu Menschen “des Bildes”. Allein ein Blick auf unsere Tageszeitungen, sofern sie noch in Papierform konsumiert werden, zeigt, dass das Bild immer mehr Platz auf der Titelseite beansprucht. Dies ist eine eindeutige Entwicklung der 2000er Jahre und hängt sehr stark mit den sozialen Medien zusammen. Diese Entwicklung war vor gut 20 Jahren noch anders. Sogenannte Qualitätszeitungen verzichteten weitgehend auf Bilder und vertrauten auf die Macht des Textes. Zum Anderen wurden wir von Kleinauf mit Bildern konfrontiert. Metaphern sind sprachliche Bilder und auch in der verschriftlichen oder gesprochenen Sprache sehr wirksam.

Bilder sind ein fester Teil unseres Lebens.

Der Mensch denkt und – was fast noch wichtiger ist – träumt in Bildern. Bilder sind ein idealer Brückenbauer.  Vor allem aus meiner DaF-Praxis weiß ich, dass es viel leichter ist, Begriffe mit Bildern oder kleinen Zeichnungen zu erklären. Auch Kinder bittet man meist zu zeichnen, um traumatische oder komplexe Sachverhalte dazustellen. Daher sind Bilder, Fotos oder Bildkarten ein mehr als probates Mittel im Coaching- und Trainingprozess. Andreas Maria Baumeister schreibt im 42. ECA-Newsletter (=European Coaching Association) zum Thema  “Assoziative Bildkarten im Coaching Prozess”:
  “Ich gehe davon aus, dass von jeher zuerst das Bild da war, bevor der Intellekt Begriffe und Begrifflichkeiten erfunden hat und Erklärungen liefert, die plötzlich Allgemeingültigkeit bekommen.  Durch die Arbeit mit Bildkarten bekommt der Coachee die Möglichkeit sich ihrer inneren Bilder bewusst zu werden und nach außen zu transportieren. „Verstehen und das Sich-selbst-Verstehen“ ist hierbei die Zielvorgabe für den Coachingprozess. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit Bildkarten, doch im Grunde arbeiten wir mit inneren Bildern, mit der Emotionalität des Coachee, seiner Wahrnehmung, seinem Erkennen, seiner Erkenntnis und entdecken alte, neue Bilder und initiieren daraus neue Sichtweisen.” (Link: ECA)
Aber auch im Training können Bildkarten eingesetzt werden. In Trainings erfüllen sie sogar möglicherweise eine Doppelfunktion.
Bildkarten können in verschiedenen Phasen im Lehr-Lernprozess zum Einsatz kommen: In Anfangssituationen dienen sie als Eisbrecher bzw. als Einstieg in das Thema, etwa gekoppelt mit der Bitte an die Lernenden, eine Karte zu wählen, die sie mit dem Thema oder einem bestimmten Aspekt davon assoziieren.
Hilfreich sind Bildkarten aber auch, wenn man die Stimmung der Lernenden erheben will – ob als Stimmungsabfrage in Bezug auf einen Inhalt oder im Sinne eines Feedbacks. Das Bild vermittelt einen Eindruck im Sinne von “das hat mich an… erinnert”, oder “das Gefühl, das dieses Bild vermittelt, hatte ich, als…”.
Bildkarten können z.B. in einem DaF-Training als oberflächlicher  Redeanlass gewählt werden. Die mit den Bildern verknüpften Fragen und Redeanlässe liegen fast schon auf der Hand: “Wieso haben Sie diese Karte gewählt…” oder “Was gefällt Ihnen besonders an dieser Karte?” Sie können aber auch in einem nächsten Schritt als Eisbrecher genutzt werden oder noch weiter in die Tiefe führen. Das liegt dann am jeweiligen Coach (m/w) oder an dem Trainer (m/w) diesen Prozess zu steuern. Doch Vorsicht! Was als einfacher Eisbrecher beginnt, kann ganz schnell zu einem Aufbrechen von Emotionen führen.
Das letzte Mal, dass ich den Einsatz von Bildern erleben durfte, war in einem Seminar zu “Konflikten und Gewaltdeeskalation”. Herbert Dohmen  setzte als Workshopleiter Bilder ein, um zwei Dinge zu initiieren: Eine Vorstellrunde und eine Themen- und Anliegenfrage bei den Besucher*innen des Workshops (Warum haben Sie dieses Bild gewählt?).

Freecards als kostenlose Alternative

Nun ist die Technik der Bildkarten in Coaching und Training nichts Neues. Allerdings ist es nicht immer leicht gute Bildkarten zu finden. Es gibt von einigen Verlagen speziell herausgegebene Bildkarten für den Coachinganlass. Diese Aufnahmen haben den Vorteil, dass sie meist mit Bedacht ausgewählt und besonders auf Coachings abgestimmt wurden. Sie haben aber auch den Nachteil, dass sie doch recht teuer in der Anschaffung sind. Als Alternative bieten sich daher Postkarten an. Besonders geeignet sind auch sogenannte Freecards oder Werbepostkarten, die oft mit sehr witzigen Sprüchen oder Ideen arbeiten, da sie ja eine gewisse Aufmerksamkeit erzielen wollen. Genau diesen Effekt mache ich mir im Coaching zu Nutze. Übrigens setzte Herbert Dohmen ebenfalls auf die Freecards, was für mich ein schönes Aha-Erlebnis war. Diesen Effekt konnte ich auch schon in Seminaren erleben. (“Das kenne ich!” – “Den Spruch möchte ich kopieren…”).
Auch in der Kommunikation mit Kolleg*innen und Kund*innen sind solche Freecards ganz nützlich. Ich wechsle sie regelmäßig an meiner Bürotür aus. Es gibt natürlich auch wunderbare Postkarten mit herrlichen Sprüchen, die man um kleines Geld drunter mischen kann – so kann man gezielt Botschaften steuern und Leute bereits an der Tür abholen.

Die Jagd nach den besten Motiven

Das Sammeln dieser Freecards ist auch für den Coach (m/w) oder Trainer*innen mit einem Mehrwert verbunden. Die Suche nach neuen Motiven kann zu einer wahren Passion werden. Die Sammlung kann so beliebig ausgeweitet werden und es wird lediglich das Zeitbudget strapaziert. Da solche Freecards oft in der Gastronomie zu finden sind, lässt dich auch hier das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Die Jagd nach den besten Motiven sei hiermit eröffnet! Ihre Kund*innen und Klient*innen werden sich freuen!
Einige Beispiele aus meiner persönlichen Sammlung an Freecards/Coachingkarten

Einige Beispiele aus meiner persönlichen Sammlung an Freecards/Coachingkarten

Kostenlose Tickets, job&career for women, Wien, 17.-18.09.15

  • Anmeldeschluss: Mo, 14.09.2015, 23:45 (CEST)

Sein Sie dabei, wenn sich in der Messe Wien am 17. und 18. September 2015 alles um die Frauenkarriere dreht! Die Karriere- und Weiterbildungsmesse lockt BesucherInnen aller Altersklassen nicht nur mit interessanten Arbeitgebern und spannenden Jobangeboten, sondern auch mit einer Vielzahl genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittener Vorträge und Diskussionen.

Die Eröffnungsrede wird von Frauenstadträtin Sandra Frauenberger gehalten. Als Keynote-Sprecherinnen sind unter anderem mit dabei: die Internet-Jungunternehmerin Patrizia Faschang, die Profi-Boxerin und ehemalige Managerin Nicole Wesner sowie Cornelia Hulla, Director Human Resources Europe & International beim börsennotierter Papier- und Verpackungsmittelhersteller Mondi.

Der Eintritt ist – inklusive einer Reihe professioneller Bewerberservices wie Fotos, Speed Coaching und Bewerbungscheck – an beiden Messetagen kostenlos!

Registrieren Sie sich noch heute unter diesem Link: http://bit.ly/1IVH8LW

Mehr Infos finden Sie unter www.jobandcareerforwomen.at

Ort:
Messe Wien, Messehallte C
Trabrennstraße 7
1020 Wien

Zeit:
17.-18.09.2015
Jeweils von 09:00 – 17:00 Uhr

Die schöne Welt des Scheiterns

Noch nie war das “Scheitern” so in aller Munde, noch nie wurde so offen über persönliche Fehltritte und Misserfolg gesprochen, wie in den letzten Jahren. Ja, man kann fast schon von einer (neuen) Kultur des Scheiterns sprechen.

Eine ganze (Berater)Industrie scheint sich um den Begriff des Scheiterns zu spinnen. Aber was verstehen wir genau unter “Scheitern”.

Die Herkunft des Wortes

Schiffe können so zum Beispiel “scheitern”. Gemeint ist das Auflaufen auf eine Klippe oder einen Felsen. Im Gegensatz zum “Stranden” kann das “gescheiterte” Schiff nicht mehr so leicht seetauglich gemacht werden. Der Rumpf ist meistens zerschellt. Im 17. Jahrhundert hat man das Wort “zerscheitern” verwendet, das sich von  “der Scheit” herleitet, wie es im Holzscheit steckt. Es hat also die Bedeutung, dass etwas Ganzheitliches in Stücke zerschlagen wird.

Überträgt man diese Bedeutung auf Menschen, wäre das Scheitern gleichzusetzen mit einem Schiffsbruch, also mit einem größeren Schaden; etwas Ganzes wird in seine Stücke zerteilt – meist durch Kräfte von außen. Dass dieses Scheitern auch absolut und unwiderruflich sein kann, ist eine Spezialität von “Eheschließungen”. Diese werden – sofern eine kirchliche Trauung vorliegt – ja mit dem Versprechen der Ewigkeit gegeben. Die Ehe ist dann gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht  und nicht erwartet werden kann, dass die Eheleute sie wiederherstellen. Die Vorstufe wäre die Zerrüttung. Gerade dieser Kontext zeigt, dass das “Scheitern” meist etwas sehr Entgültiges darstellem kann.

Aber was soll am Scheitern nun lustvoll sein oder uns gar glücklich machen?  Nun schon seit einigen Jahren gibt es die Tendenz, die uns “scheitern” als etwas zu Erstrebendes verkaufen möchte. Scheitern wird die kleine Schwester des Erfolgs 2013 schrieb “die Zeit”:

Der erfolgreichste Gescheiterte, der blamierteste Erfolgsmensch der deutschen Märchenwelt heißt Hans. Sein Nachname lautet: im Glück. Denn Hans verkörpert das Glück, wenn auch jenseits aller Stereotype. Was Glück und Erfolg für jemanden bedeuten, ist relativ. Ein Kranker ist glücklich, wenn der Schmerz nachlässt. Er braucht keinen Ferrari. Der lebensrettende Erfolg des Ein- oder Ausgesperrten besteht im schlichten Öffnen einer Tür. Erfolg – der Zwillingsbruder des Glücks – hängt also allein von der Beschaffenheit jenes Ziels ab, das zu erreichen man sich gewünscht hat. Und Menschen wählen mitunter sehr eigene Ziele. (…)

Für den Leser erzählt Hans im Glück vom Scheitern, für den Protagonisten selbst ist es eine Erfolgsgeschichte. Aus dieser Spannung gewinnt das Märchen seinen tieferen Sinn. Der Leser lacht schadenfroh über den Dummen, er fühlt sich überlegen. Er denkt allein in ökonomischen Kategorien. (die Zeit 27. 12. 2013)

Und vielleicht liegt hier der Reiz über das “Scheitern” nachzudenken und sogar Anleitungen für das “richtige” Scheitern zu schreiben. In einer durchökonomisierten Welt in der Erfolg in vielen Fällen mit Besitz gleich gestellt wird, muss das Fehlen von Besitz direkt als “Scheitern” angesehen werden. Das Wirtschaftsmagazin “brand eins” widmet die Ausgabe 11/2014 ebenfalls dem Thema “Scheitern”. Der Lead gibt die Marschrichtung vor.

“Scheitern gehört zum Leben und zur Wirtschaft.Und es bedeutet schon lange nicht mehr den Untergang. Wer gewinnen will, muss auch verlieren können – und ausprobieren, was geht.” (brand eins 11/2014)

Auch die Ausgabe 1/2015 von “Spiegel Wissen” greift das Thema aus  – und zwar in Form des “richtigen” Scheiterns. Ein Schelm wer Böses denkt – aber gibt es selbst im Moment des Scheiterns oder des Versagens auch noch die Möglichkeit des “falschen” Scheiterns. Mit anderen Worten: es wird behauptet, dass es einen richtigen und einen falschen Weg des Scheiterns gibt. Um dies noch zu toppen bietet der sogeannte Karriere-Spiegel “10 Punkte für ein schönes Scheitern an”. Dabei ist Scheitern ja zunächst eine persönliche und individuelle Sache, da wir alle unterschiedliche Maßstäbe haben. Weiter noch: Scheitern und Erfolg bieten also eine eigenwillige Dialektik –  auch nichts Neues. “Try and error” ist wohl die verbreiteste Form des Lernens und Experimentierens – Scheitern inbegriffen. Auf der anderen Seite wollen wir immer zu jenen gehören, die gewinnen. Denn ständiges Verlieren ist langweilig und wenig sexy. Scheitern tut weh. Es nagt an unserem Selbstwertgefühl. Außerdem ist die Opposition zwischen Gewinner/innen und Verlierer/innen, von jenen, die Erfolg haben und jenen, die scheitern, fixer Bestandteil jener Erzählungen, die wir Gesellschaft nennen. Auch wenn es schlussendlich eine Sache der Perspektive ist, ob wie scheitern oder gewinnen, so zählen am Ende nur die Punkte. Der olympische Gedanke des Dabeiseins ist selten der Maßstab, ab dem Scheitern und Reüssieren gemessen werden.

Was hilft es, wenn ein Fußballverein Jahre lang gegen den Abstieg spielt und es jedes Jahr schafft die Zweitklassigkeit zu vermeiden? Wahrlich; für die Fans und die Klubverantwortlichen ist das Halten der Klasse jedes Jahr ein Erfolg; für den Rest der Welt bestenfalls: “zur Kenntnis genommen”.  Erfolg und Niederlage definiert sich also nicht nur an den eigenen Zielen – obwohl es das sollte, sondern auch am überall vorhandenen Wettkampf. So ist die von Trainer/innen in allen Sportarten gerne eingesetzte Floskel “Wir schauen nur auf uns … und dies von Spiel zu Spiel” eigentlich ein Widerspruch an sich. Man schaut auf die anderen, man schaut auf die Konkurrenz – weil sie definieren (auch) den Erfolg. Dieses System des sich Vergleichens und der Konkurrenz, das Erfolg erst definiert, ist deshalb so wichtig, weil es uns den Eindruck von Messbarkeit gibt.

Aufgrund des Erfolgsdrucks die selbst oder fremdbestimmten Ziele zu erreichen, wird daher meist nicht die Strategie des fröhlichen Herumexperimentierens (inklusive Stehaufqualitäten) gewählt. Nein, die meisten von uns gehen lieber auf Nummersicher”. Wir versuchen vorher schon das Risiko zu minimieren, weil wir das Scheitern fürchten. Dieser Zugang ist berechtigt und vernünftig, ist jedoch weder eine Garantie für einen Erfolg, noch das Rezept für weite Sprünge. Vor allem weil der Faktor Zeit auch noch zu berücksichtigen ist.

Ein Ausweg kann das vernunftgeleitete Handeln sein, wie es Marc Aurel bereits in seinen “Selbstbetrachtungen” darstellt. Der späte Stoiker sieht die Teilhabe an einer allgemeinen Vernunft und in der Gelassenheit als wichtige Ingredienzien.

“Empfinde keinen Ekel, laß deinen Eifer und Mut nicht sinken, wenn es dir nicht vollständig gelingt, alles nach richtigen Grundsätzen auszuführen; fange vielmehr, wenn dir etwas mißlungen ist, von neuem an und sei zufrieden, wenn die Mehrzahl deiner Handlungen der Menschennatur gemäß ist, und behalte das lieb, worauf du zurückkommst. Kehre zur Philosophie nicht wie zu einer Zuchtmeisterin zurück, sondern wie die Augenkranken zum Schwämmchen oder zum Ei oder ein anderer zum Pflaster oder zum Wasserstrahl. Denn alsdann wird es keine Qual für dich sein, der Vernunft zu gehorchen, vielmehr wirst du dich ihr vertrauensvoll anschließen. Bedenke doch nur, daß die Philosophie nur das verlangt, was auch deine Natur verlangt. Du aber wolltest etwas anderes, etwas Naturwidriges? Was von beiden ist anziehender? Täuscht uns nicht oft die Lust durch den Schein? Sieh nur einmal zu, ob nicht Hochherzigkeit, Geistesfreiheit, Einfalt, Billigkeit und Unsträflichkeit doch anziehender sind. Oder was ist anziehender als eben die Einsicht, wenn du darunter die Fertigkeit des Vermögens der Erkenntnis und des Wissens verstehst, in allem ohne Anstoß und glücklich seine Zwecke zu erreichen?”

Die Philosophie als Heilerin im Falle des Scheiterns. Eine wahrlich charmante Idee. Vor allem ist das “Du” in Marc Aurels Selbstbetrachtungen kein Ratgeber-Du, sondern die Grundlage für die Disputatio mit sich selbst. Die Kategorien, die der Stoiker Marcus Aurelius einsetzt, gehen natürlich über das rein individuelle, das wir sehr oft mit dem Scheitern verbinden hinaus. Wichtige Kategorien sind die Vernunft, aber auch das Handeln zum Gemeinwohl, ebenso wie Wahrheit und Erkenntnis. Vor allem ist der Mensch auf sich allein gestellt und für sich allein verantwortlich. Ein Scheitern erscheint ihm unmöglich, wenn man nach den richtigen Grundsätzen handelt und diese Grundsätze leiten sich aus der Vernunft ab. Die Naturgesetze sind per se vernünftig. Dies gilt es zu erkennen. Die stoische Ethik zielt auf Gleichgültigkeit in seiner wortwörtlichen Bedeutung ab. Alle Dinge sind gleich gültig. Daher sollte man auch zur Philosophie zurück kehren, wenn es nicht vollständig gelingt, nach der Vernunft zu handeln. Die sprichwörtliche stoische Gelassenheit passt in einem profanen Sinn gut zu einer Kultur des Scheiterns, wie wir sie heute gerne verstehen. Aber nicht Rückzug und Kontemplation sind die Methoden um diese Gleichgültigkeit und Gelassenheit zu erreichen, sondern das Tun und das Handeln. Dabei sind Marc Aurel Werte wie Geld, Ruhm und ähnliches verhasst – zumal der Tod die Grenze ist.  Genau diese Werte sind es, die das Scheitern zu unerträglich machen.

Wenn wir also über das lustvolle Scheitern und Scheitern als Chance reden, bewegen wir uns vordergründig also nicht auf der Ebene eines Marcus Aurelius. Wir müssten ausblenden, dass wir einem Bewertungs- und Wertesystem verpflichtet sind, das versucht  Erfolg zu quantifizieren. Hans im Glück war das Wurscht, weil er sich außerhalb dieses Wertesystems befand und er den Gegenständen, die für uns einen gewissen Wert darstellen, eben diesen Wert aberkannte. Die Tauschgeschäfte des Hans im Glück sind vielmehr die Eckpfeiler einer Reise zu sich selbst und nach Hause und markieren die Stationen nach Hause. Der Erfolg bestand auf einer zweiten Ebene darin, dass Hans im Glück den jeweiligen Gaunern und Tauschhändlern ein gutes Gefühl gab – vielleicht unbewusst und unbeabsichtigt. Auf jeden Fall strahlt dieser Hans im Glück die Gelassenheit, Ruhe und Gleichgültigkeit aus, die Marc Aurel fordert und die wie so dringend brauchen – bevor das Scheitern zu einem noch größeren Hype wird.