Wieviel Mühe…

In meiner laufenden Praxis frage ich Bewerber*innen meist nach der Anzahl ihrer Bewerbungen. Ich möchte wissen, ob sie selektiv vorgehen oder regelmäßig dran bleiben. Die Antworten sind eigentümlich standardisiert: Viele Bewerber*innen sprechen davon 2 bis 3 oder 4 bis 5 Bewerbungen pro Woche zu machen. Bei 4 bis 5 Bewerbungen, entgegne ich meist:”Da kommt ja ganz schön etwas zusammen und wieviele Vorstellungsgespräche erzielen sie?…”

Neulich erzählte mir eine Bewerberin, dass sie über 1000 Bewerbungen in den letzten zwei Jahren verschickt habe. Das würde bedeuten, dass sie 1 bis 2 Bewerbungen am Tag losschicke (Feiertage und Wochenenden miteingerechnet). Ich gratulierte der Dame zu ihrer Konsequenz und ihrem Durchhaltevermögen. Ich könnte dies nicht. Ich will das aber auch nicht. Ein anderer Kunde entgegnete wortreich auf jeden Vorschlag, etwas am Bewerbungsverhalten zu verändern, dass quasi die Firmen Schuld seien.

“Die Richtigen und nicht die Besten”

Wie sagte der ehemalige österreichische Fußballnationalmannschaftstrainer Pepi Hickersberger: Er habe nicht die elf besten Spieler für die EURO 2008 nominiert, sondern die elf richtigen. Ein Aufschrei ging durch die veröffentlichte Meinung. Zu Unrecht.

Und so ist es auch bei den Bewerbungen: was hilft es, wenn ich die beste Bewerbung, die ich je schrieb, an die falschen Adressat*innen schicke. Und das noch als Massenbewerbung und Dauere-mail, bei der ich wenn es hoch kommt, die Anrede von “Sehr geehrte Damen und Herren” auf  “Sehr geehrte Frau Müller” oder “Sehr geehrter Herr Erdem” ändere. Wie reagieren Sie auf Zuschriften, die “An den Mieter…” gerichtet sind? Ich denke einmal, dass Sie diesen Briefen oder Mails weniger Aufmerksamkeit schenken.

Wieviel Mühe investiere ich wirklich, wenn ich meine fertigen Unterlagen im Ordner für “Gesendete Nachrichten”durch “Weiterleiten” mit minimalen Korrekturen weiterschicke?

Es lohnt sich über diesen Umstand nachzudenken und sich folgende Frage zu beantworten: “Gebe ich  den beworbenen Firmen überhaupt Anlass dazu, dass sie meine Bewerbung mit einem persönlichen Antwortschreiben honorieren?”

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