Immer nach Schema-F

Es ist schon interessant, wie im Bewerbungstrainingsbusiness auch persönliche Vorlieben eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Bewerbungsunterlagen spielen. Das ist nur natürlich und geht auch leicht von der Hand. Zwei Beispiele finde ich da besonders interessant:

(1) Der Grundsatz, dass mit der aktuellsten (letzten) Position angefangen werden muss…

Wir kennen es auch als “britischen Lebenslauf” oder als “gestürzten Lebenslauf” oder als “Lebensauf mit rückläufiger Chronologie”. Es gibt sicher noch ganz andere Bezeichnungen dafür. Gemeint ist ein einfaches Prinzip. Wir beginnen mit der aktuellsten Position und arbeiten und langsam zurück in die Vergangenheit. Wird dies konsequent durchgeführt, kommt zuerst das Berufliche, dann unsere Schulausbildung. Wir fangen mit dem letzten Job an und hören bei unserer Schulausbildung auf. Doch dies ist kein Muss. Auch sehe ixh immer wieder lustige Einfälle in den Lebenslaufen, die das Prinzip ad absurdum führen.

Der Lebenslauf geht nicht über eine Seite und enthält auch nur wenige Positionen. Da ist es ganz egal ob wir von “A nach Z” oder von “Z nach A” gliedern. Das Diktum, dass bei einem einseitigen Lebenslauf unbedingt eine Umkehrung der Chronologie zu beachten ist, halte ich allenfalls für eine persönliche Vorliebe. Ich denke, dass die meisten Personalentscheider/innen durchaus in der Lage sind – bei einem einseitigen Lebenslauf – auf den den ersten Blick die aktuellste Position heraus zu filtern. Das Umdrehen der Chronologie ist bei sehr langen Lebensläufen, die über mehrere Seiten gehen sinnvoll. Dies ist aber eine Eigenschaft, die im deutschsprachigen Raum nicht gerne gesehen wird. Der Lebenslauf soll hier kurz und knackig sein. In den meisten Fällen werden nicht mehr als zwei Seiten als akzeptabel angesehen.

Was ich in diesem Zusammenhang ebenfalls lustig finde, ist der Umstand, dass zwar zuerst die Schulzeit und die Ausbildung thematisch angeführt werden, diese  innerhalb des Themenblocks gestürzt wird. Dann kommt der Themenblock “Berufserfahrung” und auch hier kommt es zu einer chronologisch umgekehrten Liste. Konsequenter ist es, die Reihung durchgehend zu lassen und sich prinzipiell für eine Chronologie zu entscheiden: “A nach Z” oder von “Z nach A”.

(2) Der Wunsch, einen lückenlosen Lebenslauf zu bauen…

Es ist natürlich schön, wenn man einen “lückenlosen Lebenslauf” vorzeigen kann. Besonders toll ist es, wenn die Dienstjahre mit genauen Anfangs- und Enddaten angegeben werden und es kaum längere Pausen zwischen den Jobs gibt. Aber diese Lebensläufe werden seltener und seltener. Das liegt an zwei Faktoren. Viele meiner Kund/innen wechseln häufiger den Job und haben auch dementsprechende Lücken. Viele Arbeitnehmer/innen finden – aus welchen Gründen auch immer – nicht immer den Anschluss an den Job. Lebenslange Loyalität zu einem Betrieb ist mittlerweile eine sehr seltene Eigenschaft und wird bisweilen auch als mangelnde Flexibilität ausgelegt. Aber das gehört nicht hierher.

Bleibt man dem chronologischen Korsett treu, bringt uns das oft in Schwierigkeiten. Erstens fühlen sich viele bemüßigt die Lücken zu schließen. Das ist prinzipiell natürlich zu empfehlen. Es kann aber nicht jede längere Arbeitslosigkeit mit einer “Neuorientierung” oder mit “aktiver Arbeitssuche” kaschiert werden. Zweitens entstehen somit Positionen, die für die zu bewerbende Stelle vollkommen irrelevant sind.  Es ist vielleicht sogar sinnvoller, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und nur jene Jobs anzuführen, die für die ausgeschriebene Position von Belang sind. Außerdem ist es nicht notwenidg jede kurze Ferialpraxis anzuführen, wenn genug hauptamtlicher Berufserfahrung vorhanden ist. Ich sage es wie es ist. Ich lasse auch mal Positionen weg, auch auf die Gefahr hin, die lückenlose Chronologie zu gefährden und dafür den Lebenslauf konziser auf das zuzuschneiden, was gefordert wurde.

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Große Lücken im Lebenslauf – was tun?

Der tabellarische Lebenslauf zwingt uns regelmäßig über Lücken nachzudenken. Durch den tabellarischen Lebenlauf scheint der Druck Lücken aufzufüllen oder zu erklären noch größer. Die Frage ist nur wie? Wenn kleinere zeitliche Lücken zwischen zwei Jobs stehen, diskutieren wir die Frage nicht einmal. Es ist durchaus normal ein bis zwei Monate zwischen Job A und Job B stehen zu haben. Solche kleineren Lücken sind meines Erachtens nicht der Rede wert. Ich diskutiere diese Themenstellung immer wieder mit Kolleg/innen. Viele vertreten die Meinung, dass Lücken ganz klar mit einer Tätigkeit versehen werden sollen und auch in der Literatur besteht die Tendenz Lücken “füllen” zu müssen. Aber was tun, wenn da außer Bewerbungen und Arbeitssuche nichts ist, das man dem  potenziellen Arbeitgeber der der möglichen Arbeitgeberin erzählen möchte (Urlaub???)…

Kaschieren von Lücken mit Jahreszahlen:

Dies erscheint der einfachste Weg um eine kürzere Arbeitsphase zu dehnen. Aus einem Job, der nur von Dezember 2013 bis Februar 2014 dauerte (also knapp 3 Monate) kann man relativ schnell  ein zweijähriges Dienstverhältnis bauen: einfach die Monatsangaben weglassen. Aber bitte dann einheitlich bei allen Angaben. Also statt “12/2013 bis 02/2014” wird dann “2013 – 2014”.

Klare, offene Ansagen:

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, die Dinge beim Namen zu nennen: “Karenz”, “Aktive Arbeitssuche”, “Übersiedlung nach…” oder vielleicht sogar “persönliche Auszeit oder Sabbatical” sowie “berufliche Neuorientierung” sind Bezeichnungen, die Lücken füllen sollen. Aber tun diese Begriffe das wirklich? Wenn eine “berufliche Neuorientierung” ohne entsprechende Aktivitäten, wie “Berufsorientierung” oder “Praktikum” einhergeht, ist es aus meiner Sicht vielleicht besser gar nichts zu schreiben. Eine Worthülse wie “berufliche Neuorientierung” wird schnell kontraproduktiv, wenn Sie sich in einem Bereich bewerben, in dem Sie schon gearbeitet haben..

Kurse zum Auffüllen…

…sind auch nur bedingt o.k. Sie zeigen zwar, dass sie nicht inaktiv waren, aber auch hier sollten Sie auch auf Stimmigkeit achten. Das Absolvieren eines EDCL ist eine Weiterqualifizierung und daher auf jeden Fall erwähnenswert. Drei Bewerbungskurse hintereinander zu erwähnen ist natürlich nur bedingt interessant.

Was aber tun, wenn die Lücken zu groß werden?

In diesen Fällen kann der sogenannte tabellarische Lebenslauf zu einer wahren Qual werden. Er ist auch knallhart und zeigt offen längere Abwesenheiten vom Arbeitsmarkt. Das ist auch nicht verwunderlich, denn genau das ist seine Aufgabe. Der tabellarische Lebenslauf soll den Personaler/innen einen schnellen Überblick verschaffen – und die Betonung liegt auf “schnell”.

Dabei war das nicht immer so. Der Lebenslauf in Aufsatz- oder Briefform ist eine weitere Möglichkeit seinen beruflichen Werdegang darzustellen. Unsere Elterngeneration kannte keine andere Form des Lebenslaufes, da sie Lebensläufe noch per Hand oder auf der Schreibmaschine verfasste.

Wie funktioniert es:

Vereinfacht gesagt: Sie schreiben den Lebenslauf in Form eines Bewerbungsschreibens, bringen nur eine Reihe an Zahlen, Daten und Fakten aus dem Lebenslauf in einen textlichen Zusammenhang. Dadurch wird der Spielraum in der Darstellung deutlich größer und es gibt mehr Möglichkeiten über Lücken hinweg zu sehen. Zeitliche Abfolgen können mit “Danach” oder “Später” angegeben werden. Man vermisst etwas weniger die Jahreszahlen. In der Folge habe ich einen Lebenslauf in zwei verschiedenen Varianten gepostet. Einerseits einen Lebenslauf mit Lücken, die einfach nicht kommentiert wurden (was natürlich auch eine Variante ist und nicht einmal die schlechteste, weil man guten Gewissens seine berufliche Erfahrung in den Vordergrund stellen kann), andererseits eine neue Form, die einen Mix aus Briefform und tabellarischem Lebenslauf darstellt.

Zusätzlich habe ich einen Lebenslauf genommen, von einer Frau, die in wenigen Tagen ihren 60 Geburtstag feiern würde und voraussichtlich in die Pension gehen würde. Aber es soll ja auch Menschen geben, die über das Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten wollen ;-). Die hier gezeigten Lebensläufe basieren auf der Grundform eines Musterlebenslaufes aus dem interaktiven AMS-Bewerbungsportal.

Lebenslauf neu – Mischform
Lebenslauf klassisch – tabellarisch

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Kompetenzen im Lebenslauf darstellen

Wie ich immer betone: Es gibt nicht nur den einen Lebenslauf. Es lohnt sich daher einen Blick nach links und rechts zu werfen. Der amerikanische Lebenslauf legt so zum Beispiel wenig Wert auf persönliche Angaben. Auch Fotos sind nicht wirklich erwünscht.

Jedoch legen unsere Freund*innen jenseits des Atlantiks viel mehr Wert auf Referenzen und auf Ziele, die erreicht wurden – so wundert es nicht, dass in den Lebensläufen Zahlen, Daten und Fakten (Umsatz, Personalstand etc.) eine Rolle spielen.

Dadurch werden Kompetenzen und Fähigkeiten sichtbar. Auch wir können das in unseren Lebensläufen nutzen,ohne jetzt komplette Jahresabschlussberichte und die Ergebnisse von Zielvereinbarungen Preis geben zu müssen. Und damit meine ich nicht die Lise an Hauptwörtern und Selbstverständlichkeiten, die wir in vielen Fällen als “Soziale Kompetenzen” darstellen. Sie wissen schon: Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Teamfähigkeit. Das sind zweifelsohne wichtige Werte, doch fast schon Basics, die erwartet werden.

Dies kann schon mit einfachen Mitteln passieren:

Statt:      2008 – 2013: Kellner, Mustermann OG, Wien
Besser:   2008 – 2013: Alleinkellner mit Inkasso, Mustermann OG, Wien

Man kann natürlich auch ein kurzes Tätigkeitsprofil eingeben. Substantivierte Verben empfinde ich da etwas dynamischer.

Statt:              2010 – 2014: Lagerarbeiter, Lagerprofi Gmbh und Co Kg, Wiener Neustadt

Empfehlung: 2010 – 2013: Lagerarbeiter, Lagerprofi  Gmbh und Co Kg, Wiener Neustadt Kommissionieren, Be- und Entladen der LKW, Aufräumen des Lagers, Schichtführung

Sollten Sie Dienstzeugnisse mit einer genauen Beschreibung Ihrer Kompetenzen beiliegen haben, ist dies natürlich ein Gewinn. Sie belegen die Aussagen des Lebenslaufs. Dies mag jetzt schon für viele unter Ihnen nichts Neues sein. Aber dennoch…

to be continued

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Das liebe Bewerbungsschreiben

Immer wieder werde ich gefragt, wie ein Bewerbungsschreiben funktioniert und wie es aufgebaut werden soll. Nun… ich gehe hier mit den Herren Püttjer und Schnierda.
Sie sprechen davon, dass eine Bewerbung allgemein “passgenau, stärkenorientiert und glaubwürdig” sein soll. Ich denke, dass dies insbesondere auch für das Bewerbungsschreiben zutrifft.

Ein weiterer Tipp, der von meiner ersten Mentorin im Bewerbungsgeschäft kam, lautete:“Im ersten Satz steht mein stärkstes Argument.”

Also ein Satz wie: “Mit großem Interesse bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle…” könnte das Gegenteil von  “passgenau” und “Argument” sein. Es ist ein Seitenfüller.Und Seitenfüller sagen auch etwas aus. Jedoch nichts über ihre Stärken.Das Problem ist, dass wir das Bewerbungsschreiben zwar äußerlich an den Geschäftsbrief anlehnen, jedoch inhaltlich anders aufbauen. Eine langwierige Einleitung im Stil einer “captatio benevolentiae” – das ich mit “Wohlwollenerheischung” übersetzen würde, ist in einer schnelllebigen und schnelllesenden Zeit nicht immer angebracht. Den berühmt-berüchtigten Satz “Hiermit möchte ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle bewerben…” können Sie – wie bereits gesagt –  getrost vergessen. Vor allem deshalb, weil Sie ja (1) mit der Bewerbung grundsätzliches Interesse zeigen (2) im Betreff auf die Ausschreibung Bezug nehmen. Aber wenn Sie das Offensichtliche und Klare überbetonen wollen. Nur zu. Und vergessen Sie nicht auch noch zu behaupten, dass SIE der/die RICHTIGE für diesen Posten sind. Ich betone das nur deshalb, weil ich noch massenweise Bewerbungsschreiben bekomme, die so starten.

Eines bleibt. Es gibt auch hier keine Küchenrezepte. Aber bezüglich Einstellung mein wichtigster Hinweis: Denken Sie daran, dass das Bewerbungsschreiben auch (eventuell) jemand liest oder zumindest überfliegt und Sie wollen Ihr Gegenüber absolut nicht langweilen…” Zu banal. Na dann brauchen Sie meinen nächsten Tipp auch nicht. Hände weg von Vorlagen, die könnten zum Boomerang werden.

To be continued…

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