Personal Austria 2016

HR Battle

In den letzten Jahren war die “Personal Austria” (heuer am 09. und am 10. November in der Messe-Wien) eine der wenigen Messen rund um das Thema Personal, Recruiting und HR. Allerdings hat die “Personal Austria” mittlerweile Konkurrenz bekommen: vom HR Summit in der Hofburg, dem HR BarCamp von Watchado und der fair:versity, die im MAK stattfand . Die Personallandschaft scheint also auch in Wien durchaus in Bewegung zu sein. Die Frage ist, ob die “Personal Austria” die Herausforderung annehmen kann.

Arbeitsmarktservice stark vertreten

Beim Eingangsbereich fiel der markante Stand des “Arbeitsmarktservice” auf. Überhaupt war das Arbeitsmarktservice sehr präsent. Allen Besucher/innen wurde ein Messeausweis mit ihrem Namen und dem Unternehmen, das sie repräsentierten, an einem AMS-Band überreicht. Außenstehende konnten leicht den Eindruck gewinnen, dass alle Besucher/innen beim AMS wären. Vor allem war der Stand des AMS auch direkt im Eingangsbereich positioniert.

Mein erster Stopp war bei der HR-Battle. Andreas Walter, Senior Account Manager bei “Die Presse” und ehemaliger Mitarbeiter von “willhaben” duellierte sich auf sehr softe Weise mit Alexander Katzmaier (CGO bei “karriere.at”). Es war eine Pro und Contra-Runde zur Fragestellung: “Die klassische Stellenanzeige Steinzeit oder zeitlos?” Vor allem Katzmaier verwies auf die neuen mobilen Applikationen und meinte, dass der Trend mit ziemlicher Sicherheit in Richtung Bewerbung per Handy gehen würde. Einig waren sich die beiden, dass es nach wie vor eine Mischung geben wird. So setzt karriere.at bei seinen Stellenangeboten nur auf das Internet, muss jedoch teilweise auch noch auf Printanzeigen in eigener Sache zurückgreifen. Der Trend der Zukunft wird – gerade was Stellenanzeigen betrifft – ein Mix sein.

Stichwort Trend: Die Personal Austria präsentierte viele Aussteller/innen aus dem Bereich Start-Up, neue Medien, Online Recruiting und Online-Testverfahren. Dabei wurde klar, dass in Zukunft viele Personalabteilungen stärker auf Online-Tools setzen, um ihre Bewerber/innen zu selektieren. Auch der Einsatz von Online-Assessment-Verfahren und klassischen Persönlichkeitstests scheint – wenn man die Messe als Referenz nimmt – ein weiterer Trend zu sein. Es werden also in Zukunft noch mehr Web 2.0.-Applikationen, Onlinetestverfahren und Bewerber/innenmanagement mit Online-Datenbanken eingesetzt werden. Durch die Masse an Bewerbungen wird die EDV-gestützte Personalauswahl wohl nicht nur eine “Spielwiese” der Großunternehmen bleiben.

Alexander Pointner

Ehemaliger Teamchef des ÖSV gab gute Tipps für Personalist/innen

Das Highlight des ersten Tages war zweifelsohne der Vortrag von Alexander Pointner unter dem Titel “Mut zum Absprung”. Der ehemalige Cheftrainer des Österreichischen Skispringerverbandes gab schöne Einblicke in die Welt des österreichischen Spitzensports, aber auch in die Komplexität von Führungs- und Trainingsarbeit. Dabei hinterfragte Pointner das Motto “Weiter, schneller, höher” sehr stark und plädierte für einen Zugang mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Er zeigte, dass es durchaus sinnvoll ist, auch einmal Bereiche einzubauen, die nichts mit dem eigentlichen Training oder der eigentlichen Arbeit zu tun haben (Bogenschießen, Tauchen oder Improtheater) um nicht betriebsblind zu werden. Pointner vertritt die Meinung, dass verschiedene Sichtweisen immer ein Gewinn sind. In seinem unnachahmlichen tiroler Dialekt und mit starken Bildern und Metaphern ermunterte der ehemalige Spitzentrainer das Publikum mehr Mut zur Unvollkommenheit zu zeigen. Er verglich unsere Leistungsgesellschaft mit einem Auto. Wenn der Motor dauernd hochtourig unterwegs sei und nur mehr das Gaspedal zähle, müsse man – um das Auto zu stoppen – die Handbremse ziehen. So sei es auch bei vielen Sportler/innen und Mitarbeiter/innen. Wichtig sei es dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter/innen von sich aus auf die Bremse steigen würden, um nicht die Handbremse ziehen zu müssen und in einem Burn-Out zu enden.

“myveeta” war als Bewerber/innenplattform bei den Start-Ups präsent und zeigte die neuesten Möglichkeiten ihrer Software. Die Entwicklung ist rasant und geht in Richtung individuelles Bewerber/innenmanagement. Bewerber/innen können nicht nur ihre Bewerbungen zentral verwalten, verschiedene Lebensläufe anlegen oder sich direkt mit ihrem Profil bewerben. Auch die Unternehmen haben die Möglichkeit über myveeta einen Bewerber/innenpool zu verwalten. Interessant war die Aussage von Jan Pichler, GF von myveeta, der meinte, dass das Motivationsschreiben ein wichtiges Thema werden würde. Ich konnte diesen Eindruck nicht bestätigen. Eine interessante Debatte, die sicherlich noch weiter geführt werden muss.

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