Passgenauigkeit ist der Schlüssel

Hin und wieder kommt es im Leben eines Jobcoachs oder eines Beraters zu wirklichen Highlights in der täglichen Arbeit. Mit Highlight meine ich eine solche Ausnahmeerscheinung, dass man noch seinen Enkelkindern davon erzählen will… Wer keine Enkelkinder hat bloggt das Ereignis umgehend die digitale Welt hinaus. Nun, worum geht es?

4 Augen sehen mehr als 2

Ich arbeitete mit einem jungen Mann, der einen Job suchte. Wir sichteten nach dem 4-Augen-Prinzip Stellenangebote. Ein Vorteil dieser Methode besteht darin, dass man schneller unpassende Stellenangebote aussortieren kann. Der Kunde hat gleichzeitig jedoch auch die Möglichkeit Selbst- und Fremdbild mit dem jeweiligen Stellenangebot zu vergleichen – und der oder die Berater erfährt wesentlich mehr über die berufliche Vorstellungswelt des Kunden.

Ein konkretes Stellenangebot im Bereich Lager/Logistik für ein Computerunternehmen, animiert den Kunden zu einer bewerbung. Ich bestätigte diesen Wunsch, da das Inserat in meinen Augen sehr zu seinen Erfahrungen passte. Er hatte tatsächlich die notwendige Erfahrung gesammelt, verfügte über den geforderten Staplerschein etc.

Gesagt, getan. Das Motivationsschreiben wurde genau mit diesem Argument (Sinngemäß: “Ihre Ausschreibung passt zu dem, was ich zuletzt machte und mir ist es wichtig möglichst in derselben Branche zu bleiben”) begründet. Ein Lebenslauf mit aktuellem Foto wurde in den Anhang gestellt und die Bewerbung per Mail über den Free-Mail-Account des Kunden verschickt. Wir schauten uns andere Jobangebote an, doch dann passierte das Unerwartete.

Wenn’s passt, wird meistens schnell reagiert

Das Telefon läutete keine 10 Minuten nachdem wir die Bewerbung verschickt hatten und der Kandidat bekam ein Vorstellungsgespräch beim Unternehmen.

Dies zeigt, dass Passgenauigkeit ein guter Schlüssel ist. Passgenauigkeit bedeutet jedoch in vielen Fällen dieselbe Tätigkeit in derselben Branche zu übernehmen.  Ich sehe es sehr oft im Verkauf. Einzelhandel ist nun mal nicht Einzelhandel. Etliche Bewerber*innen, die im Lebensmittelverkauf arbeiteten, wollen in den Textilhandel wechseln. Ich weise sie immer darauf hin, dass es sich um unterschiedliche Branchen handele und somit die Passgenauigkeit nicht gegeben sei. Wenn die Kandidat*innen sich trotzdem bewerben, dann kommt es in vielen Fällen nicht einmal zu einer Absage.

Natürlich gibt es viele Menschen, die einfach die Branche wechseln wollen. Allerdings sollten Menschen, die mit einem Berufswechsel oder einem Branchenwechsel liebäugeln, sich genau fragen, wieso sie dies tun wollen. Man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten… Vielleicht lag es nur am Unternehmen oder an einzelnen Kolleg*innen – vielleicht reicht in Wirklichkeit ein Firmenwechsel, damit der Spaß am Job wiederkehrt…

Passgenauigkeit bereits bei Lehrlingen

Ein ähnliches Thema haben wir bei der Lehrlings(vor)auswahl. Wenn ein*e Bewerber*in bisher kaufmännische Ausbildungen (HAK, HASCH etc.) absolvierte, dazu noch berufspraktische Tage in einem Backoffice absolvierte, sich dann aber auf den Beruf des/der technischen Zeichner*in bewirbt, wird es schon spannend. Zumindest stellt sich für mich als Recruiter sehr wohl die Frage, wieso jemand, der bereits in jungen Jahren eine eindeutige kaufmännische Richtung genommen hat, jetzt auf einmal eine 180-Grad-Wendung in Richtung eines technischen Berufes vornehmen möchte. Auch hier ist der Filter der Passgenauigkeit bereits gegeben – und natürlich zu hinterfragen.

Bleibt noch zu sagen, dass der Kandidat den Lagerjob beim Computerunternehmen ergattern konnte.

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