Coachingtipp: Freecards statt teurer Coachingkarten

Bilder und Fotos im Coaching einzusetzen, kann durchaus eine sinnvolle Intervention sein. Zum Einen werden wir immer mehr zu Menschen “des Bildes”. Allein ein Blick auf unsere Tageszeitungen, sofern sie noch in Papierform konsumiert werden, zeigt, dass das Bild immer mehr Platz auf der Titelseite beansprucht. Dies ist eine eindeutige Entwicklung der 2000er Jahre und hängt sehr stark mit den sozialen Medien zusammen. Diese Entwicklung war vor gut 20 Jahren noch anders. Sogenannte Qualitätszeitungen verzichteten weitgehend auf Bilder und vertrauten auf die Macht des Textes. Zum Anderen wurden wir von Kleinauf mit Bildern konfrontiert. Metaphern sind sprachliche Bilder und auch in der verschriftlichen oder gesprochenen Sprache sehr wirksam.

Bilder sind ein fester Teil unseres Lebens.

Der Mensch denkt und – was fast noch wichtiger ist – träumt in Bildern. Bilder sind ein idealer Brückenbauer.  Vor allem aus meiner DaF-Praxis weiß ich, dass es viel leichter ist, Begriffe mit Bildern oder kleinen Zeichnungen zu erklären. Auch Kinder bittet man meist zu zeichnen, um traumatische oder komplexe Sachverhalte dazustellen. Daher sind Bilder, Fotos oder Bildkarten ein mehr als probates Mittel im Coaching- und Trainingprozess. Andreas Maria Baumeister schreibt im 42. ECA-Newsletter (=European Coaching Association) zum Thema  “Assoziative Bildkarten im Coaching Prozess”:
  “Ich gehe davon aus, dass von jeher zuerst das Bild da war, bevor der Intellekt Begriffe und Begrifflichkeiten erfunden hat und Erklärungen liefert, die plötzlich Allgemeingültigkeit bekommen.  Durch die Arbeit mit Bildkarten bekommt der Coachee die Möglichkeit sich ihrer inneren Bilder bewusst zu werden und nach außen zu transportieren. „Verstehen und das Sich-selbst-Verstehen“ ist hierbei die Zielvorgabe für den Coachingprozess. In diesem Zusammenhang arbeiten wir mit Bildkarten, doch im Grunde arbeiten wir mit inneren Bildern, mit der Emotionalität des Coachee, seiner Wahrnehmung, seinem Erkennen, seiner Erkenntnis und entdecken alte, neue Bilder und initiieren daraus neue Sichtweisen.” (Link: ECA)
Aber auch im Training können Bildkarten eingesetzt werden. In Trainings erfüllen sie sogar möglicherweise eine Doppelfunktion.
Bildkarten können in verschiedenen Phasen im Lehr-Lernprozess zum Einsatz kommen: In Anfangssituationen dienen sie als Eisbrecher bzw. als Einstieg in das Thema, etwa gekoppelt mit der Bitte an die Lernenden, eine Karte zu wählen, die sie mit dem Thema oder einem bestimmten Aspekt davon assoziieren.
Hilfreich sind Bildkarten aber auch, wenn man die Stimmung der Lernenden erheben will – ob als Stimmungsabfrage in Bezug auf einen Inhalt oder im Sinne eines Feedbacks. Das Bild vermittelt einen Eindruck im Sinne von “das hat mich an… erinnert”, oder “das Gefühl, das dieses Bild vermittelt, hatte ich, als…”.
Bildkarten können z.B. in einem DaF-Training als oberflächlicher  Redeanlass gewählt werden. Die mit den Bildern verknüpften Fragen und Redeanlässe liegen fast schon auf der Hand: “Wieso haben Sie diese Karte gewählt…” oder “Was gefällt Ihnen besonders an dieser Karte?” Sie können aber auch in einem nächsten Schritt als Eisbrecher genutzt werden oder noch weiter in die Tiefe führen. Das liegt dann am jeweiligen Coach (m/w) oder an dem Trainer (m/w) diesen Prozess zu steuern. Doch Vorsicht! Was als einfacher Eisbrecher beginnt, kann ganz schnell zu einem Aufbrechen von Emotionen führen.
Das letzte Mal, dass ich den Einsatz von Bildern erleben durfte, war in einem Seminar zu “Konflikten und Gewaltdeeskalation”. Herbert Dohmen  setzte als Workshopleiter Bilder ein, um zwei Dinge zu initiieren: Eine Vorstellrunde und eine Themen- und Anliegenfrage bei den Besucher*innen des Workshops (Warum haben Sie dieses Bild gewählt?).

Freecards als kostenlose Alternative

Nun ist die Technik der Bildkarten in Coaching und Training nichts Neues. Allerdings ist es nicht immer leicht gute Bildkarten zu finden. Es gibt von einigen Verlagen speziell herausgegebene Bildkarten für den Coachinganlass. Diese Aufnahmen haben den Vorteil, dass sie meist mit Bedacht ausgewählt und besonders auf Coachings abgestimmt wurden. Sie haben aber auch den Nachteil, dass sie doch recht teuer in der Anschaffung sind. Als Alternative bieten sich daher Postkarten an. Besonders geeignet sind auch sogenannte Freecards oder Werbepostkarten, die oft mit sehr witzigen Sprüchen oder Ideen arbeiten, da sie ja eine gewisse Aufmerksamkeit erzielen wollen. Genau diesen Effekt mache ich mir im Coaching zu Nutze. Übrigens setzte Herbert Dohmen ebenfalls auf die Freecards, was für mich ein schönes Aha-Erlebnis war. Diesen Effekt konnte ich auch schon in Seminaren erleben. (“Das kenne ich!” – “Den Spruch möchte ich kopieren…”).
Auch in der Kommunikation mit Kolleg*innen und Kund*innen sind solche Freecards ganz nützlich. Ich wechsle sie regelmäßig an meiner Bürotür aus. Es gibt natürlich auch wunderbare Postkarten mit herrlichen Sprüchen, die man um kleines Geld drunter mischen kann – so kann man gezielt Botschaften steuern und Leute bereits an der Tür abholen.

Die Jagd nach den besten Motiven

Das Sammeln dieser Freecards ist auch für den Coach (m/w) oder Trainer*innen mit einem Mehrwert verbunden. Die Suche nach neuen Motiven kann zu einer wahren Passion werden. Die Sammlung kann so beliebig ausgeweitet werden und es wird lediglich das Zeitbudget strapaziert. Da solche Freecards oft in der Gastronomie zu finden sind, lässt dich auch hier das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Die Jagd nach den besten Motiven sei hiermit eröffnet! Ihre Kund*innen und Klient*innen werden sich freuen!
Einige Beispiele aus meiner persönlichen Sammlung an Freecards/Coachingkarten

Einige Beispiele aus meiner persönlichen Sammlung an Freecards/Coachingkarten

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