Rekrutierung von Lehrlingen ist ja so “easy”…

Rekrutierungsevents sind eine aufwändige, jedoch tolle Sache, wenn es um die Auswahl von zukünfitgen Mitarbeiter*innen geht. whatelsen.work möchte nun einige Rekrutierungsevents vorstellen, die besonders interessant waren. Dabei sollen eigene und mittelbare Erfahrungen einfließen. Nach unserem ersten Beispiel dem OTTO-Versand, bringen wir Erfahrungen aus der eigenen Praxis: Das Lehrlingscasting für einen Gebäudetechniker in Wien: ENGIE Austria

 

Als “Lehrlingsbox” absolvierte ich selbst ein Personalauswahlverfahren für ein großes Gebäudetechnik-Unternehmen in Wien. Wir hielten uns an ein eher klassisches Verfahren. Knapp 230 Bewerber*innen bewarben sich für zwei Lehrberufe – zwei Stellen als “Technische Zeichner*innen” und fünf “Gebäudetechniker*innen”-Stellen”. Der Auftraggeber, ENGIE Austria, übernahm das Ausschreibungsmanagement. Die Bewerbungen wurden an eine eigens bei uns eingerichtete E-Mail-Adresse weitergeleitet.

Natürlich konnte man sich auch direkt bei der “Lehrlingsbox” für die Lehrstellen bewerben. Wir übernahmen indessen auch die Postings in den sozialen Medien.  Das Auswahlverfahren wurde bewusst über einen längeren Zeitraum gezogen, damit möglichst viele Lehrlinge sich bewerben konnten. Der Ansatz war jener des laufenden Trichterverfahrens. Was bedeutet das?

Ganz einfach: Das Rekrutieren samt Basis- und Talentchecks erfolgte laufend. Wir warteten keinen Stichtag ab, um die Kandidat*innen in A, B und C zu unterteilen und mit den A-Kandidat*innen die Checks durchzuführen. Wir entschlossen uns für einen anderen Weg. Das Verfahren war bei jedem Lehrling exakt dasselbe.

Anleihen von Spielen: 4 Ebenen und Level im Aufstiegsmodus

Es gab insgesamt vier Level oder Ebenen. Bereits am Telefon wurden den Kandidat*innen die einzelnen “Level” vorgestellt. Die Auswahl war jetzt weniger ein Event – beinhaltete jedoch Elemente eines Spiels. Die Kandidat*innen mussten nicht nur verschiedene Runden absolvieren, sondern auch zu verschiedenen Standorten kommen – und es wurde klar kommuniziert, dass es sich um ein Aufstiegsszenario handelte.

Eine Runde Basischeck: Die Bewerber*innen arbeiteten sehr konzentriert und gut. Die Ergebnisse waren oft erstaunlich und bestätigten, dass “Schulnoten” nicht der alleinige Gradmesser bei Lehrlingen sein dürfen – vor allem, weil die jungen Menschen unterschiedliche Ausbildungen hinter sich hatten.

Der Aufbau mutet sehr klassisch an, mit dem Unterschied, dass die Diktion des Spiels so gut es ging beibehalten wurde. Folgende Runden mussten die Kandidat*innen absolvieren:

  1.  Telefoninterview mit einem strukturierten Leitfaden
  2. Basischeck bestehend aus Selbsteinschätzung, Mathe und Deutsch mit anschließendem Gespräch, um die Motivation zu hinterfragen und das Lehrbild zu klären.
  3. Talentcheck: Computergestütztes Diagnoseverfahren in den Bereichen Persönlichkeit / Motivation respektive technisches Verständnis
  4. Bericht: Zusammenfassen der Ergebnisse (Gespräche, Lebenslauf, Noten, Ergebnisse der Tests, allgemeine Beobachtungen) und Übermittlung an den Auftraggeber.

Das “Boss-Game” war dann die Einladung zum Vorstellungsgespräch durch den Auftraggeber. Es blieben pro Lehrberuf 12 Kandidat*innen übrig, die an den Auftraggeber weiter geleitet wurden.

Bereits die erste Hürde hatte es in sich

Bereits die erste Hürde war schwierig. Ausnahmslos jede*r Bewerber*in wurde kontaktiert. Wir setzten uns das Limit, dass wir die Bewerber*innen 3 mal anrufen würden. Die Anrufe erfolgten am Nachmittag, da viele Kandidat*innen in der Schule waren. Wurde nach dem dritten Anruf noch immer kein Rückruf verzeichnet, wurde der Kandidat oder die Kandidat*in als Absage gehandelt – egal wie vielversprechend die Schulnoten oder die Bewerbung war. Verlässlichkeit war eines der großen Themen. Erreichte man die Kandidat*innen am Telefon, wurden Fragen zur Motivation gestellt, aber auch zur Nutzung der sozialen Medien (= Infos für zukünftige Recruitings, Motivation etc.) Da potenzielle Lehrlinge noch nicht durch Bewerbungstrainings und Coachings vorbelastet sind, erhielt man relativ authentische Aussagen. Konnte man  das Interesse an der ausgeschriebenen Stelle wahrnehmen, wurden die nächsten Schritte gesetzt, die immer feiner und schwieriger wurden.

Spannende Ergebnisse

Das Ergebnis war spannend: Die Kandidat*innen für den Beruf des Technischen Zeichners brachten durchwegs bessere  Leistungen als die Kandidat*innen für den Bereich Gebäudetechnik. Dies hatte mit dem Image der Ausbildungen zu tun und mit der Erkenntnis, dass viele Bewerber*innen für den technischen Zeichner (m/w) höhere Schulen besuchten. Das Genderthema war ebenfalls spannend. Für den Gebäudetechniker bewarb sich eine einzige Frau.

Klar wurde auch, dass die meisten Lehrlinge sich kreuz und quer auf unterschiedlichste Stellen bewarben. Viele hatten das Berufsbild oder das Unternehmensbild nicht parat. So wurden die Unterschiede zwischen einem technischen Zeichner (m/w) im Bereich Gebäudetechnik im Vergleich zum allgemeinen Bau kaum thematisiert. Dies ist allerdings bei Erwachsenen, die nicht unmittelbar etwas mit dem Beruf zu tun haben, auch so.  Hauptsache eine Lehrstelle, war sehr oft der Tenor der Bewerber*innen. Auch diese Erkenntnis reifte sehr früh in uns und wurde in den Abschlussberichten und Auswahlkriterien berücksichtigt.

Alle Erkenntnisse flossen in die Bewertung des Ablaufes ein.  Ein erster Erfolg kann jetzt schon verzeichnet werden: Von den im Juni ausgewählten Lehrlingen traten alle – bis auf einen – die Lehrstellen an – und das knapp über ein halbes Jahr nach dem Beginn des Recruitings.

 


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Good News: 40.000 mehr Jobs in Wien bis 2022

Foto von Climate KIC on Unsplash

Gute Nachrichten sollte man schnell in Umlauf bringen. Laut Wirtschaftskammer werden die Wiener Betriebe bis ins Jahr 2022 rund 40.000 neue Jobs schaffen. Diese Zahlen basieren auf der Bildungsbedarfsanalyse 2017, die seit 2013 jedes zweite Jahr erhoben und präsentiert wird. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt auf der Frage, welche Bildungsabschlüsse in den kommenden fünf Jahren von den Wiener Unternehmen besonders nachgefragt werden. Die Untersuchung befragte mehr als 1500 Unternehmen in allen Branchen und Sparten. Die befragten Unternehmen repräsentieren zirka 100.000 Arbeitnehmer*innen.

Wiens Unternehmen brauchen in den nächsten fünf Jahren zusätzliche 40.000 Mitarbeiter*innen. Besonders gefragt sind HTL- und Fachhochschulabsolvent*innen mit einem speziellen Augenmerk auf Fremdsprachenkompetenzen.

Auch österreichweit sei der Trend positiv: Der KURIER berichtete Anfang September, dass in ganz Österreich bis Ende 2021 228.000 neue Jobs geschaffen werden würden –  und die Arbeitslosigkeit fallen würde:

“Eine Prognose des Synthesis-Instituts im Auftrag des AMS, die dem KURIER vorliegt,  geht sogar bis einschließlich 2021 von einer sinkenden Arbeitslosigkeit aus. Bis 2021 dürfte die Quote demnach auf 8 Prozent sinken. Hauptgrund ist die anziehende Konjunktur in und um Österreich: Die Nachfrage der Unternehmen steige daher rascher als das Angebot an Arbeitskräften. So werde der Personalbedarf heimischer Unternehmen bis dahin um 228.000 Menschen zunehmen, was zu einem Rückgang der Arbeitslosen um 28.100 Personen führen könnte.”

Dauerbrenner: Lehrstellen

Der Bedarf an Lehrlingen wird laut der Bildungsbedarfsanalyse steigen. Dies liegt vor allem daran, dass Lehrstellen nicht besetzt werden können, da “geeignete” Lehrlinge fehlen. Insgesamt sind die Zahlen bei der Lehrlingsfrage sehr unterschiedlich. Knapp 10 Prozent der befragten Unternehmen sprechen sogar davon, dass es ein Überangebot an Lehrlingen gäbe, 34 Prozent sprechen von zu wenig passenden Lehrlingen. Dies erklärt vielleicht warum 2016  in Wien alleine 600 Lehrstellen nicht besetzt wurden. Den 600 unbesetzten Lehrstellen stehen 16.800 Lehrlinge in 4000 Betrieben gegenüber. In diesem Zusammenhang monieren die Vertreter*innen der Wirtschaftskammer, zum wiederholten Male, fehlende Kenntnisse bei den Basiskompetenzen wie Lesen, Rechnen etc. Auch das Polytechnikum wird in diesem Zusammenhang kritisiert.

Da verwundert es nur wenig, dass knapp 50 Prozent der befragten Betriebe glauben, dass Lehrlinge aus den Bundesländern besser seien, als jene in Wien. Diese These ist angesichts der Zusammenstellung der Nationalmannschaft der Jungfacharbeiter*innen für die diversen World und Euroskills nicht ganz von der Hand zu weisen.

Positiv ist noch zu vermerken, dass das Stichwort “Karriere mit Lehre” weit mehr ist als eine charmante Floskel. In 29 Prozent der Fälle würden ehemalige Lehrlinge Führungsaufgaben übernehmen.

Welche Lehrberufe werden nachgefragt?

Mit Ausnahme der Branche “Transport und Verkehr” steigt die Nachfrage nach Lehrlingen in allen Bereichen. Besonders erfreulich ist, dass man in den Sparten Industrie, Handel und Information resp. Consulting mit einem Plus von über 20 Prozent rechnet. In absoluten Zahlen ist das Gewerbe jener Zweig mit dem stärksten Anstieg. Immerhin rechnet man mit einem Plus von 143 Lehrlingen in den nächsten Jahren.

Quelle: Bildungsbedarfsanalyse 2017 / WKO

Karriere mit AHS-Matura?

AHS-Absolvent*innen haben nach wie vor ihre Chance auf dem Arbeitsmarkt. Überbewerten solle man die Matura allerdings nicht. Die AHS-Matura alleine reiche heute kaum mehr aus, um einen Job zu finden. Die Studie formuliert diesen Sachverhalt relativ drastisch:

“Absolventen von allgemeinbildenden höheren Schulen sollten nicht damit rechnen, dass sie in den Wiener Betrieben Arbeitsplätze vorfinden, die ihre Ausbildung voraus setzen und somit die Betriebe Arbeitsplätze ausdrücklich für sie vorgesehen haben. Lediglich 22% (2015: 16%) der Unternehmen geben an, dass es Posten gibt, deren Stellenbeschreibung explizit einen Absolventen dieses Schultyps vorsieht. 18% der Betriebe planen in 3 bis 5 Jahren mehr Absolventen von allgemeinbildenden höheren Schulen zu beschäftigen, 7% planen die Einstellung von weniger AHS Absolventen. Diese „Bilanz“ für AHS-Maturanten lässt sich aber aus Sicht der Personalisten der Betriebe durch ein Technikstudium verbessern.” (Bildungsbedarfanalyse 2017; Seite23)

Die Kombination aus AHS-Matura (aufgrund der vermittelten Allgemeinbildung) mit  einem anschließenden Technik-Studium seien eine gute Kombination und ein ziemlicher Jobgarant. Da die Matura alleine nicht reicht, denkt die Wirtschaftskammer laut darüber nach,  Maturant*innen den Zugang zu einer verkürzten Lehre zu erleichtern.  Somit würde die Lehre für Absolvent*innen einer allgemein höheren Bildungsanstalt sicherlich schmackhafter.

Hoffnung für ungelernte Kräfte – und hohe Nachfrage nach FH-Kräften

Aber auch für ungelernte Kräfte besteht Hoffnung. Die Bildungsbedarfsanalyse verzeichnet in den nächsten 5 Jahren ein Plus von 2,9 Prozent in diesem sehr speziellen Sektor. Dies würde bedeuten, dass ein Bedarf von knapp 3.300 zusätzlichen Kräften für ungelernte Tätigkeiten besteht. Bedenkt man, dass Flüchtlinge sehr oft zu den ungelernten Kräften gehören, kann man hier von einer sehr guten Nachricht sprechen. Es verwundert nicht, dass die FH-Absolvent*innen die am stärksten nachgefragte Gruppe sind. Hier rechnet man mit einem Plus von 20,2 Prozent, was 6.600 zusätztliche Mitarbeiter*innen mit FH-Abschluss bedeuten würde.

Macht uns die Automatisierung einen Strich durch die Rechnung?

Parallel zu diesen erfreulichen Berichten und Zahlen tauchen in letzter Zeit verstärkt Berichte und Studien auf, die nahelegen, dass eine zunehmende Automatisierung und Digitalisierung einen großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben werden. Das Onlinemedium “Addendum” greift – wie viele andere – eine aktuelle IHS-Studie auf:

“Laut IHS wackeln 360.000 Arbeitsplätze. Eine Zahl, die nach unseren Einschätzungen womöglich zu niedrig angesetzt ist. Wendet man die Ergebnisse des IHS nämlich auf die Lohnsteuerstatistiken an, die alle Fälle auflistet, in denen im Jahr 2015 Lohnsteuer gezahlt wurde, zeigt sich, dass rund 432.000 Arbeitsplätze von Automatisierung bedroht sind. Zur Einordnung der Dimension: Im Oktober 2017 waren etwa 316.000 Personen in Österreich arbeitslos.” (addendum: Automatisierung)

Es ist natürlich interessant, dass die verstärkte Digitalisierung und Automatisierung ein Mehr an Informatiker*innen und Ingenieur*innen benötigt. Dies wird sowohl von IHS als auch von der Bildungsbedarfsstudie bestätigt. In den beiden genannten Bereichen herrsche schon jetzt ein Unterangebot von 36 Prozent (Informatik) respektive zirka 41 Prozent bei den Ingenieur*innen. Gerade das Thema Automatisierung zeigt, dass der Arbeitsmarkt in Wien, aber auch in Österreich, immer dynamischer wird. Neue Fragen zur Arbeitsplatzsicherung, zur Aus-und Weiterbildung, aber auch zur Arbeitslosigkeit und zum Thema Lohnarbeit an sich werden uns in den nächsten Jahren beschäftigen.

Burschen werden KFZ-Techniker und Mädchen Friseurinnen

Dieser Artikel wurde freundlicherweise von der LEHRLINGSBOX zur Verfügung gestellt.


Der Befund wird seit vielen Jahren durch die Statistiken gestützt. Burschen wählen technisch/gewerbliche Berufe, Mädchen eher Dienstleistungsberufe. So weit, so bekannt.

Warum sich Jugendliche auch im Jahr 2017 noch für geschlechtstypische Ausbildungen entscheiden, hat die Universität Graz untersucht. Ao.Univ.-Prof. Dr. Manuela Paechter vom Institut für Psychologie und  HS-Prof. Dr. Silke Luttenberger von der Pädagogischen Hochschule Steiermark gingen der Frage nach, wieso Mädchen und Burschen sich an klassischen Berufs- und Karrierewegen orientieren. In einer Presseaussendung der Uni Graz heißt es:

„Bei ihren Karrierevorstellungen orientieren sich SchülerInnen zunächst an ihrem sozialen Umfeld, in erster Linie an den Eltern“, haben die Wissenschafterinnen erhoben. Berufe, die aus der Familie nicht bekannt sind, werden im Regelfall erst gar nicht in Betracht gezogen. „Und sogar die Einschätzung des eigenen Könnens wird von Stereotypen geprägt“, präzisiert die Psychologin. Traut also der Freundeskreis einem Mädchen kein technisches Talent zu, zweifelt es selbst auch an seinen Fähigkeiten.

Berufswahl wird vererbt

Paechter geht sogar noch weiter. Die Berufswahl würde in gewisser Weise durch die Eltern bereits vererbt werden. Auch das soziale Umfeld sei entscheidend. Die Berufswahl funktioniert also wohl nach dem Prinzip: “Gleich und gleich gesellt sich gern”. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Bereits 2014 veröffentlichten Luttenberger und Paechter zusammen mit Ertl und Aptarashvili einen Band in der Zeitschriftenreihe “Gruppendynamik und Organisationberatung” (Springer Verlag) zum Thema. Im Editorial steht:

“Geschlechtsstereotype Einstellungen zu Fächern und Berufen sind dabei nach wie vor weit verbreitet. Durch Sozialisationsinstanzen (Eltern, Peers, Schule) werden häufig Geschlechtsstereotype reproduziert und bei der Entwicklung von Selbstwirksamkeitserwartungen, Interessen und Berufsentscheidungen gefestigt. Bereits im Schulbereich lassen sich geschlechtsbezogene Interessensunterschiede festmachen, die auch im Kontext beruflicher Interessen und in weiterer Folge geschlechtsstereotypen Berufsentscheidungen ihren Weg finden.” (Luttenberger und Co, 2014, Seite 315)

Mit anderen Worten: Die Einstellung der Kinder und Jugendlichen zum Thema Schulfach, Berufsinteresse und Talent wird durch die Eltern, den Freundeskreis und die Schule geformt und gefestigt. Bereits in der Schulzeit kommt es je nach Geschlecht zu unterschiedlichen Interessen. Das Umfeld hat daher entscheidenden Einfluss auf die späteren beruflichen Entscheidungen der Kinder. Die Studienautorin gibt ein konkretes Beispiel: „Wir haben eine kleinere Gruppe von Jugendlichen interviewt, die dann etwa berichteten, dass sie sich schon als Kind mit dem Vater mit Baukästen beschäftigt haben oder dass die Väter und Mütter etwas aus der Arbeit mitgebracht haben, was mit dem Beruf zu tun hatte.“  (ORF Online)

Die Prägung bereits in der Volksschule

Laut Studienautorinnen komme die Berufsorientierung in der Schule eigentlich zu spät. Für die Studie wurden knapp 600 Jugendliche befragt, weit über 80 Prozent davon streben eine geschlechtstypische Lehrausbildung an. Die (Vor)urteile haben sich bereits verfestigt und auch das Selbstbild scheint bei den meisten Befragten  schon in eine bestimmte Richtung zu tendieren. Diese Erkenntnis ist einigermaßen neu. Nicht neu ist jedoch die Erkenntnis, dass es bei den Pflichtschulabgänger*innen an Wissen über die Berufswelt und die gebotenen Möglichkeiten der Lehrausbildung fehlt. Deshalb seien Initiativen wie “Girl’s und Boy’s Day”, die versuchen zukünftige Lehrlinge für atypische Berufe zu begeistern, nur für jene Schüler*innen interessant, die sowieso offen für Neues sind. Daher sollte man bereits früher ansetzen und einen spielerischen Umgang mit dem Thema wählen.

Talente frühzeitig “checken”

„Es geht uns keineswegs darum, Mädchen in die Technik und Burschen in den Sozialbereich zu drängen“, unterstreicht Manuela Paechter. Wichtig sei es, dass Jugendliche ihre Interessen kennen und ihre Talente frühzeitig erkennen würden.


Quellen:

Österreichs Facharbeiter*innen wollen bei den World Skills abräumen…

Bei der Euroskills 2016 in Göteborg räumte Österreich groß ab. 35 Teilnehmer*innen gewannen 15 Medaillen (5 Gold, 5 Silber, 4 Bronze) und 9 Medaillon-Diplome, die für eine sehr hohe Punktzahl stehen.  Lisa Janisch wurde, als Malerin, zur “Best of Europe” gekührt – ein beeindruckender Erfolg.

Vierzig Jungfacharbeiter*innen starten im kommenden Herbst bei den World Skills in Abu Dhabi

Nun beginnen die Vorbereitungen für die Berufsweltmeisterschaften 2017 in Abu Dhabi. Waren es 2016 “nur” zwei Wiener, die dem österreichischen Kader angehörten, werden es für Abu Dhabi fünf Jungfacharbeiter*innen aus der Bundeshauptstadt sein. Daniel Frank geht als Elektroniker an den Start,  Magdalena Halbmayr wird als Konditorin ihr Können beweisen, Patrick Taibel vertritt die IT Netzwerk- und Systemadministratoren. Alexander Tury und David Wagner treten als Maurer und Schalungsbauer an. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass Magdalena Halbmayr und Patrick Taibel in Niederösterreich wohnen und in Wien ausgebildet wurden.  Auch die Betonbauer  stammen aus den Bundesländern – treten jedoch für ihr Wiener Unternehmen an. Somit  ist Daniel Frank der einzige “waschechte” Wiener.

Zusätzlich wird das Team von 12 Wiener Fachtrainer*innen oder sogenannten Expert*innen, wie es im Fachjargon heißt, begleitet: Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen. Einerseits handelt es sich um Lehrlingsausbildner*innen direkt aus den Unternehmen, andererseits sind auch HTL-Lehrer*innen und Berufsschulehrer*innen mit dabei.

Insgesamt wird die Hauptstadt der Vereinigten Emiraten 40 Teilnehmer*innen aus neun Bundesländern begrüßen dürfen (7 Frauen und 33 Männer).  Sie treten in 36 Einzel- und Teambewerben an. Unterstützt werden die einzelnen “Wettkämpfer*innen” von insgesamt 37 Expert*innen.

Hohe Messlatte

Aus Wiener Sicht haben es besonders die Betonbauer Alexander Tury und David Wagner, die bei einem der größten österreichischen Bauunternehmen eine Doppellehre zum  Maurer und Schalungsbauer absolviert haben, sehr schwer. Die Messlatte ist sehr hoch: Ihre Kollegen gewannen 2015 beim letzten Word Skills-Bewerb in Sao Paulo (Brasilien) den Titel. Die beiden Betonbauer planen dem Einvernehmen nach 7 Wochen intensives Training für den Bewerb.

Die Qualität der österreichischen Maurer- und Schalungsausbildung hat sich bereits herum gesprochen. Laut einem Bericht der “Wiener Wirtschaft” trainiert ein Team aus Russland in der Bauakademie in Guntramsdorf. Die österreichischen Ausscheidungen im Schalungsbau hatten dadurch sogar einen internationalen Charakter. Zwei russische Schalungsbauer nahmen am Bewerb teil und wurden sensationelle Dritte.

Kurztrainingslager

Nach der Zusammenstellung des Nationalteams begann die heiße Phase des Trainings. Die Teilnehmer*innen trafen sich in der ersten Juliwoche in der neu eröffneten BauAkademie in Oberösterreich, um ein dreitägiges Trainingsprogramm zu absolvieren. Ein wichtiger Aspekt des Lehrgangs war das Teambuilding. Die individuelle Trainingsarbeit wird über den Sommer weiter geführt. Gemeinsam mit den Expert*innen trainieren die Teilnehmer*innen in ihren jeweiligen Berufssparten – oft zusätzlich zur regulären Arbeit. Aber auch Wettkämpfe stehen auf dem Programm. In der Sparte Mechatronik wurde ein Länderkampf zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz organisiert und – so wie die russischen Betonbauer – nahmen auch einige österreichische Teilnehmer*innen an einem ausländischen Bewerb teil. Im Juni fand die “China International Skills Competition” statt.

Wettbewerb in China

Laut WKO rangen beim Bewerb in der VR China insgesamt rund 1.100 Teilnehmer*innen aus 38 Ländern um Medaillen. Der Niederösterreicher Klaus Lehmerhofer konnte in der Sparte KFZ den sensationellen zweiten Platz erkämpfen. Auch sein Kollege aus dem Karosseriebau, Simon Winder (Vorarlberg), erreichte eine Platzierung unter den Top 10. Er wurde 7. Der burgenländische Bautischler Walter Sailer gewann ebenfalls Silber. Monika Pöllabauer (Steiermark) holte in der Kategorie “Restaurant Service” sogar die Goldmedaille.

Darüber hinaus kehrten Isabella Schierl (Salzburg / Mode Technologie) und  Daniel Frank (Wien / Elektronik) mit einem sogenannten Diplom „Medallion for Excellence“ nach Österreich zurück. Die Medaillons sind nicht zu unterschätzen; sie gehen an Kandidat*innen, die zwar keine Medaille erreichten, dennoch mehr als 500 von 600 möglichen Punkten erzielten. Medaillongewinner*innen haben meistens nur um wenige Punkte eine Medaille verfehlt. Die Diplome sind jedoch mehr als ein Stück Papier. Sie beweisen, dass man eine sehr gute Leistung brachte und dass die Konkurrenz enorm  stark war.

Die Weltherrschaft erzielen

Das österreichische Nationalteam der Jungfacharbeiter*innen ist also bereits jetzt gut vorbereitet auf die “World Skills”, die Mitte Oktober in den Vereinigten Emiraten stattfinden. Die Österreicher*innen wollen – angesichts der guten Ergebnisse in China – mit etlichen Medaillen nach Österreich zurück kehren.

Übrigens finden die nächsten Euroskills – also die Europameisterschaften der Jungfacharbeiter*innen – 2018 in Budapest und 2020 in Graz statt. (Fast) ein (doppeltes) Heimspiel für das bereits jetzt die organisatorischen Vorbereitungen laufen.


Quellen: