“Der Medienmarkt in Österreich ist tot”

Dominik Leitner (c) Andreas Edler

“Der Medienmarkt zeichnet sich durch seine Perspektivenlosigkeit aus”. Eine starke Ansage, die jedoch nur auf den ersten Blick übertrieben ist. Durch die digitale Revolution wurde die Medienlandschaft deutlich verändert. Blogs konkurrieren/ergänzen klassische Printmedien. Die Grenzen zwischen Reportage, Werbung und Produktbeschreibung werden vor allem durch die Arbeit vieler Blogger*innen fließender. Daneben erreichen uns immer wieder Meldungen, dass die Blogger*innen die neuen Superstars der Medienszene sind. whatelsen.work interviewte einen der es wissen muss. Dominik Leitner, geboren 1988,  ist Autor, Texter und Blogger. Er arbeitet als (freier) Journalist und Blogger in Wien, absolvierte die FH für Journalistik  und ist in der glücklichen Lage seiner Berufung nachzugehen.

whatelsen: Herr Leitner. Danke für Ihre Bereitschaft ein wenig über Ihren Beruf zu erzählen. Sie bezeichnen sich als “leidenschaftlicher Wortarchitekt [und] als Texter, Journalist und Autor.” Was sind Sie denn nun genau? Was ist Beruf und was ist Berufung?

Dominik Leitner: Ich arbeite mit Worten – das sehe ich als meine große Berufung an. Es kommt natürlich auf die Definition des Begriffs an: Für mich bedeutet Berufung, dass ich etwas, für das ich talentiert bin und das ich leidenschaftlich gerne mache, auch in meiner Arbeit anwenden kann und damit versuche etwas Gutes zu tun. Da ich als (freier) Journalist arbeite, literarische Texte schreibe, sie in Lesungen präsentiere und auf der Suche nach einem Verlag bin und meinen Lebensunterhalt damit verdiene, als Texter kreativ zu arbeiten, scheinen sich hier Beruf und Berufung fast deckungsgleich übereinander zu legen. Um es genauer zu sagen: Mein aktueller Beruf bzw. Job finanziert mir das Leben und meine Berufung regelmäßig journalistisch und literarisch zu arbeiten.

whatelsen: Sie haben auf der FH “Journalismus und neue Medien” studiert. Der Journalismus galt früher einmal als Quereinsteiger*innenbranche. Ist das noch immer so? Oder bedarf es mittlerweile einer universitären Ausbildung?

Dominik Leitner: Ich denke, dass auch heute noch viele Medien auf der Suche nach Personen sind, die “nicht nur” Journalismus studiert haben. Es reicht, wenn man auf einem Gebiet ein Experte ist, interessante Menschen auf diesem Gebiet kennt und natürlich auch ein Talent darin hat, Geschichten zu erzählen (ganz egal ob als Text, Radio-Reportage oder TV-Beitrag).

Als ich meine ersten Schritte im professionellen Journalismus machte, beim Online-Politikmagazin neuwal.com, war ich von meinem Journalismus-Studium noch weit entfernt. Aber das Interesse an der österreichischen Politik und an Wahlen, die Bereitschaft Neues zu lernen und manchmal auch etwas auszuprobieren, hat mir das Gefühl gegeben, sehr viel “on the job” zu erlernen. Das Studium hat sich für mich dann vor allem ausgezahlt, um neue Bereiche kennenzulernen: Dabei habe ich zum Beispiel erfahren, dass auch das Medium Radio sehr spannend für mich ist.

Kurz gesagt: Will man Journalist*in werden, braucht man kein Journalismus-Studium. Da ist es viel eher sinnvoll, etwas anderes zu studieren und sich dabei Expertenwissen anzueignen. Aber ich würde um nichts in der Welt die spannenden, lehrreichen Stunden im Studium missen wollen.

whatelsen: Wie würden Sie die Jobperspektiven für Journalist*innen in Österreich beschreiben?

Dominik Leitner: Fast alle unsere Dozent*innen haben gleich zu Beginn erklärt, dass der Medienmarkt in Österreich tot sei. Wir sollten es als Warnung verstehen – und gerade weil zwei Fachhochschulen jährlich Hunderte “fertige” Journalist*innen in die Welt entlassen, zeigen die Medien, die unter Auflagenschwund leiden, ein deutliches Sättigungsgefühl.  Der österreichische Medienmarkt zeichnet sich grundsätzlich durch seine Perspektivenlosigkeit aus. Was es braucht, sind innovative, moderne Konzepte. Doch dafür fehlt oftmals die Finanzierung. Das ist ein Grund, warum viele junge Journalisten “frei” arbeiten: Nicht unbedingt, weil sie die Freiheit genießen, in verschiedenen Medien zu publizieren, sondern weil sie keine Fixanstellung in einem Medienhaus bekommen.

whatelsen: Sie bezeichnen sich auch als Texter? Sind Texter*innen und Journalist*innen nicht komplett verschiedene Berufe? Auch hinsichtlich der persönlichen Einstellung und der Ethik?

Dominik Leitner: Vielleicht sollte ich genauer erklären, wie meine Texter-Tätigkeit aussieht: Ich entwickle Geschichten für interaktive Szenarien. Dabei handelt es sich oftmals um Auftragsarbeiten von Unternehmen, die diese Szenarien firmenintern nutzen. Als ich den Job vor einem halben Jahr angenommen habe, war es mir wichtig, dass es sich dabei nicht um einen Marketing-Job handelt, sondern um eine kreative Arbeit. Und nach sechs Monaten kann ich bestätigen, dass ich nicht fälschlicherweise einen Job als Werbetexter angenommen habe.

Deshalb sehe ich dabei kein großes Problem zwischen meiner Arbeit als Texter und jener als Journalist. Es versteht sich natürlich, dass ich keinerlei journalistische Geschichten über Unternehmen mache, für welche ich gearbeitet habe. Es soll zwischen der einen Welt und der anderen keine Überschneidungspunkte geben. So können sie beide schön nebeneinander bestehen.

whatelsen: Kommen wir zu Ihren Blogs… Sie schreiben gleich für mehrere Blogs und haben mit einigen Beiträgen sogar einen gewissen Bekanntheitsgrad erzielt? Wie kam es dazu?

Dominik Leitner: Seit ich das allererste Mal in der dritten Klasse Gymnasium (im Jahr 2000) mit dem Internet in Berührung kam, war ich fasziniert von der unendlichen Fülle an Inhalten. Meinen ersten richtigen Blogbeitrag schrieb ich schließlich im Dezember 2005 und habe mir im Laufe der Jahre zwei Standbeine aufgebaut: Einerseits dominikleitner.com, mein privater Blog, in welchem ich mich mit Medien, der Medienkrise und der Arbeit als Journalist beschäftige. Andererseits neonwilderness.net, meinem literarischen Blog, in dem, neben meinen eigenen Texten, auch Buchrezensionen, Interviews und Leseempfehlungen zu finden sind.

Die beiden reichweitenstärksten Geschichten habe ich auf dominikleitner.com veröffentlicht. Der Text “Warum ich in St. Pölten wohne, obwohl St. Pölten ja St. Pölten ist”  war eine kleine Liebeserklärung an eine Stadt, die oftmals selbst von ihren eigenen Einwohner*innen nicht geliebt wird. Doch offenbar haben sich dadurch viele verstanden gefühlt. Innerhalb kurzer Zeit ging der Beitrag viral und wurde allein auf Facebook über 2.000 Mal “geliked”. Nach einer Woche hatten über 15.000 Menschen den Beitrag gelesen – eine bislang unbekannte Reichweite.

Die zweite erfolgreiche Geschichte beschäftigte sich mit einem noch persönlicheren Thema: Ich war aufgrund der schwierigen Jobsuche für ein halbes Jahr auf Mindestsicherung angewiesen. Diese Erfahrung habe ich in einem Beitrag mit dem Titel “Wenn Plan A nicht gelingt” verarbeitet, weil damals vor allem die ÖVP und alle Boulevardmedien nur zu gern von den faulen Schmarotzer*innen schrieben.

Ich wollte hingegen aufzeigen, wie wichtig die Mindestsicherung fürs Überleben ist und wie bescheiden es sich anfühlt, darauf angewiesen zu sein. Auch hier wurde mein Beitrag, zuerst vor allem in der Journalismus-Szene auf Twitter aktiv geteilt, bis schließlich der damalige Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) diesen Beitrag auf seiner Facebookseite veröffentlichte. Wie ich später von einer Verantwortlichen seiner Social-Media-Kanäle erfuhr, tat er dies sogar wirklich persönlich. Damit übertraf ich schließlich sogar den St. Pölten-Text: Rund 16.000 Menschen lasen diese Geschichte.

Ich glaube, das Geheimrezept für solche “Erfolge” gefunden zu haben: Beide Texte kamen von Herzen; sie waren mir ein Anliegen und zudem sehr persönlich und sie wurden nicht tage- oder wochenlang überarbeitet, sondern kurz nach Fertigstellung gleich veröffentlicht. Und dann braucht es auch noch diese kleine Prise Glück, von den richtigen Menschen geteilt zu werden. Planen kann man so eine “Viralität” hingegen nicht.

whatelsen: Stichwort “Viralität” und “teilen”: Wir lesen immer wieder über Blogger*innen, die viel Geld verdienen. Es gibt sogar eine neue Berufsbezeichnnung: Influencer*innen. Wie sehen Sie das Thema aus der Praxis?

Dominik Leitner: Ich fühle mich dabei schon wie ein alter Mann, der die Jugend offenbar nicht mehr versteht: Für mich stand bei meiner Arbeit mit den Blogs vor allem die Leidenschaft des Schreibens im Vordergrund und der Wunsch, gelesen zu werden. Dass es hingegen Menschen gibt, die damit wirklich ihr Geld verdienen (und teilweise sogar sehr gut davon leben können), habe ich lange gar nicht bemerkt. Heutzutage halte ich es für fatal, dass für zahlreiche junge Menschen die Idee, mit einem Mode-Beauty-Lifestyle-Blog Geld zu verdienen, der Hauptgrund ist, überhaupt erst damit anzufangen.

Indem man eine große Reichweite aufbaut, mit welchen Mitteln auch immer und den Follower*innen dann in bezahlten Beiträgen erklärt, dass das neue Make-Up dieser oder jener Firma so verdammt gut ist (und es das vielleicht gar nicht ist), verkauft man mit jedem einzelnen Beitrag ein Stück mehr seiner Seele. Für die Werbenden ist es natürlich von Vorteil: Die “Influencer*innen” sind “echte Menschen”, zu denen die junge Zielgruppe aufschaut – welche Verantwortung diese Influencer*innen haben, wissen sie dabei  aber oft selbst nicht.

Wobei ich jedoch betonen muss: Es gibt sie, die guten Influencer*innen. Und das sind oftmals auch die Erfolgreichsten.

whatelsen: Was würden Sie jungen Menschen raten, die sagen: So ich werde Blogger*in?

Dominik Leitner: Tu es! Überlege, worüber du schreiben könntest – gibt es einen Bereich, in dem du vielleicht mehr weißt als viele andere? Stelle den Wunsch, damit reich zu werden, erstmal hinten an. Beginne regelmäßig die großen Blogs zu lesen, um von den Besten zu lernen. Und lass dich überraschen, was auf dich zukommt. Wenn du dann noch einen Blog erstellen willst -das geht innerhalb weniger Sekunden und kostet gar nichts – dann tu es!

whatelsen: Herzlichen Dank für die tollen Einblicke und viel Erfolg!

Dominik Leitner: Gern geschehen.


Die Serie “Berufseinblicke” präsentiert Interviews mit Menschen, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen. Mit dieser kleinen Serie bietet “whatelsen.work” wertvolle Einsichten und Einblicke in den beruflichen Alltag, fernab von Berufsinformationssystemen und allgemeinen Branchenbeschreibungen. Denn nichts ist spannender als der gelebte berufliche Alltag.


Folgende “Berufseinblicke” sind bisher erschienen:

“Nach frühestens sieben Jahren können Sie jemandem vorurteilsfrei begegnen”

Berufseinblicke Coaching

Die Serie “Berufseinblicke” präsentiert Interviews mit Menschen, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen. Mit dieser kleinen Serie bietet “whatelsen.work” wertvolle Einsichten und Einblicke in den beruflichen Alltag, fernab von Berufsinformationssystemen und allgemeinen Branchenbeschreibungen. Denn nichts ist spannender als der gelebte berufliche Alltag.


Der Coachingbegriff ist in aller Munde. Mittlerweile – so scheint es zumindest – keinen Bereich zu geben, in dem nicht gecoacht oder trainiert wird. Baucoaching, Energiecoaching, Laufcoaching, Life-Coaching uvm. ist auf dem Markt zu finden. Wir wollen ein wenig den Beruf des “klassischen” Coachs – also des Life-Coachs (wie man es im anglo-amerikanischen Raum im Unterschied zum Sport-Coach bezeichnet) vorstellen. Helga Blöchl – von der Praxis “Positiver Dialog” war so freundlich dieses kleine Interview mit whatelsen.work zu führen…

whatelsen: Danke, dass Sie sich bereit erklärt haben mit uns zu sprechen. Frau Blöchl… Wie kamen Sie zum Coaching? Waren Sie schon immer Coach?

Helga Blöchl, Coach und Mediatorin in Wien

Helga Blöchl: Meine beruflichen Wurzeln liegen in der Sozialen Arbeit. Ich habe auf der Sozialakademie studiert und war als Sozialarbeiterin im Bereich Beruf/Bildung und leitend in der Gewaltprävention tätig. 

Den Impuls in Richtung Coaching zu gehen, wurde durch die Bemerkung einer Trainerin in einem Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung ausgelöst. Sie meinte, dass ich einen besonderen „Draht“ zu den Bedürfnissen der Menschen habe und doch Coaching als Tätigkeit in Betracht ziehen sollte.

Coaching ist neben Mediation und Training jetzt mein berufliches Betätigungsfeld. Ich schätze meinen Quellberuf, die Tätigkeit als Beraterin in der Sozialen Arbeit sehr – jedoch wird oft das Problem der KlientInnen von der Beraterin “geschultert” und auf diese Art die Lösungen gesucht. In der Sozialen Arbeit geht es in manchen Fällen auch um Unfreiwilligkeit im Beratungssetting und Machtgefälle zwischen BeraterIn/KlientIn.

In meiner Arbeit mit Menschen hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass ich meinen systemischen Ansatz in der Beratung sehr gut in das Coaching transformieren kann. Meinen KundInnen auf Augenhöhe zu begegnen und im lebendigen, offenen Dialog Lösungen für die präsentierten Anliegen zu erarbeiten, entspricht auch mehr meiner Wertehaltung und meinem Verständnis von sinnstiftender Tätigkeit.

whatelsen: Mit welchen Zielgruppen arbeiten Sie am liebsten? Welche Coaching- oder Trainingsanfragen würden Sie ablehnen?

Helga Blöchl:  Ich habe keine grundsätzliche Vorliebe hinsichtlich einer Zielgruppe. Jedenfalls keine nach einer einfachen Einteilung in „jung-alt“, „männlich-weiblich“, oder ähnliches.

Ich arbeite jedenfalls sehr gerne mit Menschen zusammen, die sich gerne Gedanken über sich selbst machen und mit einer wohlwollenden Haltung ihre beruflichen/privaten Anliegen reflektieren wollen. Am liebsten arbeite ich mit Menschen, die bereit sind, ein “Risiko” einzugehen”, indem sie dem Neuen eine Chance geben.

Anfragen, die ich fachlich nicht abdecken kann, lehne ich ab. Ich versuche, an eine für die fachliche Anforderung passende KollegIn zu verweisen. Ein anderes Beispiel: Vor kurzem erst wurde ich für eine Mediation mit den Auftrag kontaktiert, zwei vorliegende Scheidungsvergleiche nach Ausgewogenheit und Fairness zu beurteilen. Ich habe auf eine Rechtsberatung verwiesen. Für das Ausverhandeln von Bedingungen, die beide Seiten als fair empfinden, bin ich gerne Mediatorin. Auch für die Klärung der anstehenden Themen zur Vorbereitung der einvernehmlichen Scheidung stehe sehr gerne als Mediatorin zur Verfügung.

Ich lehne auch Anfragen ab, wo es bereits zu einer Vorwegnahme des Ergebnisses kommt – z. B. Mediation, die als “Tribunal” verwendet wird, die Ergebnisse nicht ausverhandelt werden, sollen sondern von vornherein feststehen. Auch bei einem Coaching-Auftrag für ein Unternehmen kann das Coaching nicht als “Korrektiv” für das Verhalten einer Führungskraft oder eines Mitarbeiters oder eines Teams eingesetzt werden – solche Aufträge lehne ich ebenfalls ab.

whatelsen: Sie haben Seminare von Friedrich Glasl (Konfliktforschung) und Richard N. Bolles (Bewerbung) besucht? Wie war das mit diesen herausragenden Persönlichkeiten und Speakern zu arbeiten?

Helga Blöchl: Was besonders prägend war, ist die Wertschätzung, mit welcher diese “Koryphäen” die SeminarteilnehmerInnen aufnehmen. Diese Haltung prägt auch die Arbeit in der Seminargruppe – ein freundliches, offenes Miteinander unterstützt den intensiven Lernprozess. Ich habe diese Vortragenden auch als unglaublich sicher und stark in der Sache erlebt, gleichzeitig freundlich und mit einer guten Prise Humor. Mit diesen Qualitäten wird Mut zum Ausprobieren, Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten und auch das Zulassen von Fehlern gemacht. Es waren einmalige Erlebnisse.

whatelsen: Was waren Ihre persönlichen Highlights bei diesen Seminaren?

Helga Blöchl: Friedrich Glas hat den populären Kinospielfilm „Der Rosenkrieg“ als Übungsbeispiel für das Erarbeiten der neun Eskalationsstufen von Konflikten verwendet. Dieser Film hat dabei unterstützt, die Stufen der Konflikteskalation nachvollziehbar zu machen und die abstrakten Inhalte in der Realität zu veranschaulichen. Diese Vorgangsweise hat auch das eigene Einschätzen von Konflikten und ihrer jeweiligen Konfliktstufe in der Mediation gestärkt und den jeweiligen Handlungsbedarf als Mediatorin verdeutlicht.

Bei Richard “Dick” Nelson Bolles war das ganze Setting einzigartig. Das Seminar hat bei Herrn Bolles in seinem privaten Wohnsitz in Danville, Kalifornien, stattgefunden. Die Gruppe war international (natürlich mit US amerikanischen Schwerpunkt) zusammengesetzt. Wir haben in der gemeinsamen Sprache Englisch miteinander gearbeitet, gemeinsam die Pausen verbracht, das Catering von Dick Bolles’ Frau Marcy genossen und es gab auch gemeinsame Abendessen.

Man hat viel gearbeitet und gleichzeitig gemeinsam Spaß gehabt – ein Erlebnis fürs Leben. Monate später hat sich ein Teilnehmer (aus Kanada) von einer gemeinsamen Kleingruppenübungen bei mir gemeldet und sich ausdrücklich bedankt für mein gutes Zuhören. Meine Kärtchen mit Ideen für seine neue berufliche Ausrichtung sind für Ihn und seine berufliche Zukunft sehr hilfreich. Dieses Feedback hat mich besonders gefreut!

whatelsen: Sie bieten ja unterschiedliche Seminare an: Wieso sollten potenzielle Teilnehmer*innen Sie buchen?

Sie haben Recht: Meine Angebote bilden einen „bunten Strauss“. Meine Schwerpunkte sind Coaching (Berufscoaching, Persönlichkeitscoaching und Teamcoaching), Mediation, Training mit den Schwerpunkten „Soziale Kompetenz“, „Konfliktmanagement“ und “Selbstwert und Kommunikation“.  Ich biete auch Supervision an und Firmen können meine Angebote im Bereich CSR (Corporate Social Responsibility) buchen.

Helga Blöchl: All der Vielfalt ist eines gemeinsam: Mein offenes Zugehen auf Menschen und das ehrliche Annehmen meines Gegenübers mit den präsentierten Anliegen schafft rasch eine Vertrauensgrundlage für die gemeinsame Arbeit. Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln – auch wenn die Situation noch so “verzwickt” ist – und auf die Ressourcen, die die Menschen mitbringen, zu bauen… Die Perspektive, eine Verbesserung, ein klareres „Miteinander“ zu erreichen, unterstützt auf dem Weg zum (Lern)Ziel.

Das ist auch meine innewohnende Triebfeder. Die KundInnen in die Lage zu versetzen, dass Sie einerseits sich selbst besser kennenlernen und mehr wertschätzen, und andererseits auf ihr soziales Umfeld empathisch zugehen können. Potentielle TeilnehmerInnen können gerne auch alternative Angebote buchen. Jeder Anbieter, jede Anbieterin setzt andere Schwerpunkte.

Mein USP (unique selling point – um die Sprache des Marketings zu verwenden) ist meine fast schon intuitive Art, sehr schnell den wahren Kern des Anliegens meines Gegenübers herauszufinden. Was mich besonders ausmacht, ist meine hohe Aufmerksamkeit und ein sehr starkes empathisches Gespür für meine Kundinnen und Kunden. Meine analytischen Fähigkeiten helfen beim Blick auf das Gesamte – und ich habe auch keine Angst vor schwierigen Konflikten. Diese Kompetenzen, gepaart mit langjähriger Erfahrung und solidem methodischen „Rüstzeug“, versetzt mich in die Lage, potentielle KundInnen bei Ihren Themen bestmöglich zu unterstützen.

whatelsen: Viele junge Menschen möchten ins Coaching. Wie schätzen Sie den Coaching-Markt in Wien ein?

Helga Blöchl: Mir stehen jetzt keine statistischen Werte zur Verfügung. Ich habe auch keinen richtigen „Marktüberblick“. Ich kann nur aus eigener Erfahrung folgendes berichten:

Der “Coaching-Markt” erscheint mir als völlig überlaufen. Ausbildungsinstitute scheinen gut zu florieren. Mit dem Resultat, dass die AbsolventInnen mit ihren Angebote auf gar nicht so viele potentielle Kundinnen und Kunden treffen – die Enttäuschung der “Neulinge” auf dem Markt ist nachvollziehbar. Es wirkt auf mich auch ein wenig so, als ob viele Anbieter keinen wirklich fundierten beruflichen Background für diese Tätigkeit besitzen. Eine Coaching-Ausbildung alleine ist meiner Meinung nach zu wenig an Wissen für diese anspruchsvolle Tätigkeit. Das verursacht auch, dass die gesamte Branche darunter zu leiden hat.

Es tummeln sich viele “Glücksritter” auf diesem Gebiet – das führt verständlicherweise zur Verunsicherung der KundInnen ob der Seriosität der AnbieterInnen. Außerdem “hypen” die Medien Themen wie „Führungskräftecoaching“, „Karrierecoaching“ und ähnliches mehr. Das läuft aber zumeist über renommierte Institute, sehr viel auch über direkte Beziehungen – BerufseinsteigerInnen haben es hier sehr schwer.

whatelsen: Welchen unerlässlichen Tipp würden Sie Leuten mit auf den Weg geben, die den Beruf des Coachs oder Trainers (m/w) ergreifen wollen.

Helga Blöchl:  

  • Sie benötigen auf jeden Fall eine fundierte Ausbildung.
  • Es muss ihrer persönlichen Neigung entsprechen – Coaching/Training ist kein Job wie jeder andere
  • Sorgen sie dafür, dass nicht ihre eigenen Probleme auf die KundInnen projiziert werden – ein hohes Maß an Selbsterfahrung schützt Sie und Ihre KundInnen
  • Viel Erfahrung sammeln und durch Supervision laufend begleiten lassen
  • Sie müssen sich vernetzen – zu Instituten, Firmen, Vereinen, Kongressen gehen – der sogenannte “Multichannel-Ansatz” – es geht darum, im Marktsegment bekannt zu werden

Auf der Sozialakademie hat uns einer der Lehrenden gesagt: “Nach frühestens sieben Jahren können Sie jemandem vorurteilsfrei – wie einem unbeschriebenen Blatt, einer weißen Leinwand – begegnen. Das hat natürlich niemand geglaubt, es ist aber meiner Erfahrung nach so. Diese sieben Jahre hat es zu meiner Entwicklung als offene, aufmerksame und wertschätzende Person gebraucht – und es ist ein laufender und sehr interessanter Reifungsprozess für mich als Coach, Mediatorin und Trainerin.

whatelsen: Herzlichen Dank für das ausführliche Interview und alles Gute.

Helga Blöchl: Danke auch.


Links:

Berufseinblick Fotograf: “… bei Facebook werden rund 259.000.000 Fotos pro Tag hochgeladen”

Die Serie “Berufseinblicke” präsentiert Interviews mit Menschen, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen. Mit dieser kleinen Serie bietet “whatelsen.work” wertvolle Einsichten und Einblicke in den beruflichen Alltag fernab von Berufsinformationssystemen und allgemeinen Branchenbeschreibungen. Denn nichts ist spannender als der gelebte berufliche Alltag.


Der Beruf des Fotografen hat sich in der letzten Zeit verändert. Die gewerblichen Bestimmungen wurden entschärft, auch die Technologie entwickelt sich rasant. Handyfotos konkurrieren etwas hemmungslos mit professionell gemachten Passfotos bei Lebensläufen. Ein Grund mit einem Profi zu sprechen. Stephan Rökl ist selbständiger Fotograf in Wien und gab Auskunft über seinen Beruf, erzählt wie sich Qualitätsstandards verschoben haben und vertritt die Meinung, dass sich Qualität durchsetzt.

whatelsen: Danke, dass Sie Zeit für dieses kurze Interview haben. Würden Sie für die Leser/innen Ihren beruflichen Werdegang skizzieren.

Stephan Rökl: Sehr gerne. Ich bedanke mich für die Gelegenheit ein wenig über meinen Beruf und über meine Arbeit erzählen zu können. Ich beschäftige mich seit 1995 mit der Fotografie. Zu diesem Zeitpunkt habe ich aufgehört, ausschließlich den Automatikmodus meiner Kamera zu verwenden und drauf los zu knipsen. Ich begann mich mit der Kamera

Stephan Rökl Selbständiger Fotograf in Wien

Stephan Rökl
Selbständiger Fotograf in Wien

und der Technik, die dahinter steckt, auseinander zu setzen, denn ich wollte schöne Bilder machen. Ich machte die Ausbildung zum Fotokaufmann und arbeitete gut zehn Jahre als Angestellter bei der Hartlauer Handels Ges. m.b.H. u.a. in der Fotoabteilung. Durch den Verkauf lernte ich viel über Technik, Equipment und die verschiedenen Kamerasysteme. Ich fotografierte neben meiner Arbeit und entwickelte meine Technik. 2010 gewann ich den Publikumsbewerb „So schön ist Wien“.

2011 absolvierte ich die Lehrlingsausbildnerprüfung und 2012 machte ich die Meisterprüfung als Fotograf mit Auszeichnung. Inzwischen gibt es diese Prüfung nicht mehr. Jetzt kann man eine sogenannte QAP – Prüfung ablegen (Qualified Austrian Photographer).

2013 gründete ich mein eigenes Unternehmen und startete in die Selbstständigkeit mit “Foto Roekl e.U”.   Seit damals arbeite und lerne ich hauptsächlich selbstständig, ohne mich jetzt in eine Richtung zu spezialisieren. Das klassische Hochzeitsfoto ist mir genauso ein Anliegen, wie die Produktfotografie oder der Akt. “Learning by Doing“ – und ständige Weiterbildung sind wichtig, da gerade in der Fotografie das Motto gilt: „Wer stehen bleibt, geht zurück“. Man muss sich ständig auf dem Laufenden halten, um nicht plötzlich als veraltet zu gelten. Fotokurse können natürlich auch helfen. Es ist immer gut von jemand anderem, der sein Handwerk versteht, konstruktive Kritik zu bekommen. Inzwischen leite ich auch selbst am WIFI Wien Kurse und Workshops.

whatelsen: Wieso haben Sie sich in wirtschaftlich schweren Zeiten selbständig gemacht?

Stephan Rökl:  Es gibt aus meiner Sicht keine „sicheren Jobs“ mehr; das gilt auch für den Angestelltenbereich. Mir ist niemand bekannt, der einen sogenannten sicheren Arbeitsplatz hat. In den zwölf Jahren als Angestellter habe ich mehr Mitarbeiter, Bereichsleiter, Gebietsleiter, Zentralangestellte kommen und gehen sehen, als mir lieb war.

whatelsen: Hatten Sie beim Prozess des Selbstständigmachens Unterstützung? Wenn ja, von wem?

Stephan Rökl: Ja, ich hatte Hilfe von meiner Mutter, Freunden und Google. Wobei der Prozess wesentlich einfacher als gedacht ist. Es gibt inzwischen bei der WKO eigene Stellen und Kurse. Dort erfährt man, was man tun muss, wohin man gehen muss, um selbstständig zu werden. Auch bekommt man Tipps, was man tun muss, um anfangs gefördert zu werden. Ich kann auch alle Menschen beruhigen, die an eine Selbstständigkeit denken. Sobald Ihr den Gewerbeschein habt, kommen Steuer, SVA etc. zu Euch. Ob Ihr es wollt oder nicht (lacht). Nein, im Ernst. Man sollte genau berechnen, wie viel Umsatz man braucht und sich über Steuer und Sozialversicherung informieren. Ein Businessplan kann nicht schaden.

whatelsen: Was sind derzeit die größten Herausforderungen des Fotografenberufes?

Stephan Rökl: Kundengewinnung und Akquise. Doch bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Viele würden sagen, dass es durch die Öffnung des Gewerbes zu viele Fotografen gibt. Klar, ist das ein Faktor. Die Konkurrenz  wurde größer. Doch das ist nicht das Hauptargument. Ich sehe das so: Diejenigen, die jetzt offiziell fotografieren, hätten das vorher auch schon gemacht. Es gibt also nicht mehr Mitbewerber als vorher. Klar, gibt es welche unter Ihnen, die Preisdumping betreiben. Doch Kunden, die für ein Produkt oder eine Dienstleistung nur einen Bruchteil des gerechtfertigten Preises zahlen wollen, wären auch nicht zu mir gekommen, wenn es keine Billiganbieter geben würde.

Meiner Meinung nach, hat sich, aufgrund der technischen Entwicklung der Kameras, Smartphones, Videokameras, Drohnen, Actioncams und was es da noch alles gibt, die Qualität der Fotos inzwischen soweit verbessert, dass es für viele ausreichend ist. Der Anspruch an Qualität, oder sogar hohe Qualität, hat stark nachgelassen. Ich gebe zu bedenken, dass alleine bei Facebook rund 259.000.000 Fotos pro Tag hochgeladen werden. Da liegt die größte Herausforderung. Man muss also Kunden gewinnen, die bereit sind für ein Handwerk und eine höhere Qualität zu zahlen.

whatelsen: Wie schätzen Sie die Zukunft des Berufsstandes ein? Wie sehen Sie die Jobchancen in der Branche?

Stephan Rökl: Ich glaube, dass sich Qualität durchsetzen wird. Noch wichtiger ist der Bekanntheitsgrad. Er ist natürlich ein wichtiger Faktor für Aufträge. Und viele Aufträge sind wichtig für Arbeitsplätze. Man kann natürlich auch jetzt pessimistisch sein und sagen, dass alles auf der Welt bereits von irgendjemanden fotografiert wurde. Wozu gibt es uns dann noch? Glücklicherweise haben viele Menschen neue Ideen und Vorstellungen, auch die (technischen) Möglichkeiten (vorausgesetzt man beherrscht oder besitzt sie) verbessern sich. Ein Kunde braucht das gleiche Produkt vielleicht noch einmal fotografiert, aber anders als es bereits in der Datenbank vorhanden ist und da gilt es dann als Fotograf präsent zu sein.

whatelsen: Was würden Sie Menschen raten, die daran denken, sich als Fotograf selbständig zu machen?

Stephan Rökl: Ja, versuchen Sie es. Informieren Sie sich genau. Holen Sie sich den Gewerbeschein und versuchen Sie sich neben Ihrem Hauptjob als Fotograf oder Fotografin. Bedenken Sie nur Folgendes:  Sie arbeiten selbst und ständig. Von 100% sind jedoch nur 2-5% Prozent reines Fotografieren. Der Rest besteht aus Fortbildung, Marketing, Buchhaltung & Büroarbeiten, Kundenaquise, Recht etc.

whatelsen: Eine abschließende Frage. Was ist Ihr größter Wunsch als Einzelunternehmer an die Politik / Gesellschaft?

Stephan Rökl:  An die Politik … Eindeutig! Reduzierung der Mindestbeiträge der SVA. Es werden zwar Verbesserungen bis 2018 kommen, jedoch sind diese erst der erste Schritt in die richtige Richtung. An die Gesellschaft… Die Bitterkeit von schlechter Qualität lebt so lange wie das Bild selbst. Hingegen wird die Freude über einen niedrigen Preis bald vergessen sein.

whatelsen: Ein schöner Abschlusssatz. Ich bedanke mich vielmals für das Gespräch und wünsche Ihnen auf Ihrem Weg alles Gute!

Stephan Rökl: Danke auch.


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