“Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt.” 10 Top-Working-Class-Filme. Zweiter Teil…

Ich finde Filme sind nicht nur eine tolle Abwechslung. Sie bieten kurze Momente des Verweilens, der Zerstreuung und können durchaus auch inspirieren. Da “whatelsen.work” ja alle Facetten der Arbeitswelt beleuchten möchte, habe ich mir 10 neuere Film-Produktionen heraus gesucht, die das Thema Arbeitswelt in seinen unterschiedlichen Facetten beleuchtet.  Die Liste ist streng subjektiv. Vom Arbeitskrampf bis zum Arbeitskampf könnte das inoffizielle Motto sein.  Vor allem letzteres ist ja in Österreich eher Neuland. Da lohnt es sich doch einmal einen Blick. Außerdem haben alle Filme etwas gemeinsam: (Lohn)arbeit ist einer der wichtigsten Faktoren für uns Menschen… Hier die zweiten 5 Beispiele, die unterschiedlich sind. Teilweise basieren sie auf realen Begebenheiten. Ein ganz neuer Film ist auch dabei. Ebenso wie ein Klassiker des Dokumentarfilms.  Ich freue mich über Kommentare und Hinweise, welche Filme Sie bevorzugen…

En Guerre – Im Krieg (2018)

Eine Fabrik soll geschlossen werden – und das obwohl das Unternehmen Rekordgewinne einfährt.  Die Mitarbeiter*innen wehren sich dagegen und stützen ihren Protest auf eine zwei Jahre alte Zusicherung der Geschäftsleitung, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen. Und dies mindestens für 5 Jahre. Summa summarum sollten die Arbeitsplätze also zum Zeitpunkt der Ankündigung noch 3 Jahre erhalten bleiben. Im Gegenzug verzichteten die Mitarbeiter*innen auf Prämien. Die Gewerkschaftsführung ist entschlossen den Kampf aufzunehmen. Allerdings gibt es 2 Fronten. Einerseits die Geschäftsführung, andererseits sind etliche Mitarbeiter*innen davon überzeugt, dass es besser wäre, eine hohe Abschlagszahlung auszuverhandeln. Die Medien stürzen sich auf die negativen Seiten des Streiks, die Mitarbeiter*innen wollen zur Arbeit zurück kehren. Die Unterstützung schwindet von allen Seiten… Bis… Leider gibt es noch keinen Trailer auf Deutsch, aber auch der französische Trailer ist nicht von schlechten Eltern…

Abseitsfalle

PERLA, ein Waschmaschinenhersteller im deutschen Ruhrgebiet, kämpft mit wirtschaftlichen Problemen. Der US-Mutterkonzern veranlasst die baldige Kündigung von 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die junge Angestellte Karin soll mit  einem gewissen Dr. Kruger  die Kündigungen durchbringen: Das Perfide an de Sache. Während Karin andere Leute rausschmeißen soll, würde sie die Karriereleiter hochfallen. Doch der Job ist nicht so leicht wie gedacht: Insbesondere die Mitglieder der Werkself zeigen sich als sehr widerstandsfähig und feilen schon an einer Gegenstrategie… Fußball kombiniert mit Arbeitskampf. Auch nicht ohne… Abseitsfalle ist eine nette deutsche Komödie und sorgt für Popcorn-Unterhaltung bei einem ernstzunehmenden Thema.

Frau Böhm sagt nein…

Dieser weniger bekannte Film wurde 2009 für das deutsche Fernsehen produziert. In der Hauptrolle brillieren Senta Berger und Lavinia Wilson. Frau Böhm (Senta Berger) spielt eine Sachbearbeiterin vom alten Schlag. Genau, präzise, wenig humorvoll und äußerst penibel. Ihr Aufgabe besteht darin, die Gehälter und vor allem die Prämien der Vorstandsmitglieder zu bewilligen. Diese sollen im Zuge eine Firmenübernahme, die zu Entlassungen führen wird, doch reichlich sprudeln. Frau Böhm gerät zwischen die Fronten. Vorbild für diesen Spielfilm waren die Übernahme der Mannesmann durch Vodafone und die VW-Korruptionsaffäre.

Toni Erdmann (Deutschland, 2016)

Winfried, gespielt von Peter Simonischek,  ist 65, ein Musiklehrer mit ausgeprägtem Hang zum Scherzen. Nachdem sein Hund gestorben ist, beschließt er seine Tochter zu besuchen. Ines ist eine Karrierefrau, die um die Welt reist, eine Unternehmensberaterin, die so gar nichts mit den Idealen ihres Vaters zu tun haben will. Tatsächlich können Vater und Tochter nicht unterschiedlicher sein: er, der gefühlvolle, schelmische 68er; sie, die rationale Unternehmensberaterin, die als Frau Ihren Mann stehen muss. Ein Projekt in Rumänien ist für Iris die Chance Karriere zu machen. Vater Winfried sieht jedoch, dass seine Tochter unglücklich ist und versucht sie aus ihrem Businessleben heraus zu holen und greift zu drastischen Mitteln. Aus Winfried wird Toni Erdmann.

 Workingman’s Death – Dokumentarfilm Österreich 2007

Dieser Film ist ein wenig eine Ausnahme in unserer kleinen Serie, aber er ist es absolut wert hier genannt zu werden. Der Dokumentarfilm “Workingman’s Death” des, leider viel zu früh verstorbenen österreichischen Regisseurs Michael Glawogger, zeigt fünf Kapitel über Schwerstarbeit im 21. Jahrhundert – ohne jegliche soziale Absicherung, Arbeitsschutzmaßnahmen oder andere “incentives” – wie es so schön heißt: Kohlenschürfer in der Ukraine, Schwefelbauern in Südostasien, “Fleischer” in Afrika, pakistanische Verschrotter und chinesische Stahlarbeiter. Er zeigt jedoch auch, wie unter den widrigsten Umständen der Mensch zu Höchstleistungen angetrieben werden kann und wie Kollegenschaft sehr schlimme Arbeitsbedingungen nicht nur leichter ertragen lässt, sondern eine absolute Notwendigkeit ist, um den Job unverletzt zu überstehen. Trotz der schonungslosen Darstellung von widrigsten Arbeitsverhältnissen enthält der Dokumentarfilm sehr viel Hoffnung.

 

Hier finden Sie die ersten 5 Filme aus unserer Serie zu den 10-Top-Working-Class-Filmen

Aufschieberitis: Post-Its können helfen

Stefan Frädrich hat IHM sogar einen Namen gegeben. Er nennt seinen “inneren Schweinehund” Günter. Das ist nicht nur eine kluge Marketingmasche, sondern auch eine wichtige Strategie. Dinge, Themenstellungen und Probleme klar beim Namen zu nennen, zu visualisieren und auszusprechen, ist ein wichtiger Schritt, um der Lösung ein Stück näher zu kommen. Wie bei allen persönlichen Themen, so wird es auch beim inneren Schweinehund schwierig, wenn man das “Kind nicht beim Namen” nennen kann.  Das Problem wird größer. Es kann sich entwickeln. Es bleibt im Dunkeln. Und es ist wichtig, dass wir es selbst aussprechen. Das “Du-weißt-schon-wer-oder-was”-Prinzip wird ja auch bei Harry Potter erst in den letzten Zügen durchbrochen – und führt zum Erfolg.

Gleiches gilt auch bei der Aufschieberitis oder Prokrastination – für jene, die den Fachausdruck haben wollen. Sie kennen das vielleicht: “Eigentlich sollte ich heute das und dies und jenes tun…” und bevor Sie in die Gänge kommen, können Sie sich dabei beobachten, wie Sie den 10. Kaffee trinken, zum 2.463. Mal ihre Mails checken und schauen, was es auf Facebook Neues gibt. Es könnte ja sein, dass Sie ein interessantes Posting verpassen. Daher ist der erste Schritt: Nennen Sie das Kind beim Namen.

Übrigens nutzte der große Winston Churchill die gleiche Strategie um seine Depressionen in den Griff zu bekommen. Er sprach bei einer Depression stets vom “schwarzen Hund”. Metaphern und Bilder sind ungemein stark und wichtig. Sie können einen ganzen Katalog an Ratschlägen und langatmigen Vorträgen ersetzen. Aber das ist nur der erste Schritt.

Visualisierung und Fokussierung…

sind dabei die wichtigsten Stichworte. Marc Stollreiter schreibt in deinem Buch “Schluss mit dem Aufschieben”, dass Papier sogar ein Wundermittel sein kann.

“Alles, was Sie schriftlich festhalten, verschafft Ihnen geistigen Freiraum und erleichtert Ihre Konzentration. Bringen Sie daher alle To-dos, die Sie nicht auf der Stelle erledigen werden, zu Papier. Sie verschaffen sich einen Überblick und erhöhen damit die Chance dahingehend, mit den wirklich wesentlichen Dingen zu beginnen und nicht mit jenen, die Ihnen zufällig in den Sinn kommen.” (Stollreiter, 2014; 65).

Allerdings sollten Sie bei einer solchen To-Do-Liste nicht den Fehler machen, sich selbst zu überfordern. Laut Stollreiter sind 7 Dinge, die auf einer solchen Liste fungieren, vollkommen ausreichend. Dass 7 eine magische Zahl ist, braucht nicht eigens erwähnt zu werden. Es ist auch eine Zahl, die unser Gehirn angeblich sehr leicht verarbeiten kann. Der US-Psychologe George Miller stellte dies 1956 fest. Allerdings ist die Zahl nicht absolut. Sie können auch nur 5 oder gar 8 Aufgaben nehmen. Für uns gilt: Nicht zu viele Aufgaben aufschreiben…

Digitale To-Do-Listen

Natürlich gibt es auch etliche Anbieter mit Apps.  Zu praktisch erscheinen uns die kleinen Helferlein, die wir uns auf unser Handy oder Tablet laden können. Die Versuchung ist groß. Diese Listen sind sehr praktisch, aber in unserem konkreten Fall, rate ich von der Nutzung von digitalen To-Do-Listen ab. Es ist wichtig Ihre To-Do-Liste zu materialisieren. Sie muss präsent und dauernd sichtbar sein. Bei digitalen To-Do-Listen – die Ihren Nutzen haben, wenn es um reine Checklisten, Einkauflisten oder ähnliches geht – gilt meist das Prinzip “Aus den Augen, aus dem Sinn”. Sobald der PC oder das Tablet abgeschaltet ist, sehen wir sie nicht mehr. Außerdem geht es uns ja um das Überwinden von Aufschieberitis. Papier ist in diesem Fall nicht “old school”, sondern absolut super.

Post-Its oder “Sticky Notes”

Sie heißen nicht umsonst auf Englisch “Sticky Notes” – Haftnotizen oder Klebenotizen. Sie sollen uns  im wahrsten Sinn des Wortes im Gedächtnis “kleben” bleiben…  bis wir sie nicht mehr brauchen und wir die kleinen Zettel im Papiercontainer unseres Vertrauens entsorgen. Und hier setzen wir an: Wir schreiben unsere Punkte, die wir abarbeiten wollen, auf die kleinen Klebezettel. Sie sollten alle in der gleichen Farbe sein, damit nicht einer heraussticht. Wir gehen wie folgt vor:

  • Pro Zettel eine Aufgabe
  • Richtwert 7 Aufgaben + 1 Aufgabe, die als Belohnung fungiert (in meinem Fall ist es das Fußballmatch Rapid – HSV)
  • Reihung der Aufgaben nach Schwierigkeit (jene, die uns leicht fallen zuerst)
  • Wir kleben die Aufgaben auf die Wand neben unserem Arbeitsplatz oder an die Unterseite unseres Bildschirms.
  • Die Belohnungsaufgabe ist natürlich die letzte.
  • Start: Die Arbeit, die leicht von der Hand geht, wird zuerst absolviert.
  • Wurde die Aufgabe erledigt, entfernen wir das Post-It und schmeißen es weg. Alternativ kleben wir es in unser “Arbeitstagebuch” oder legen es auf einen Stapel von bereits erledigten Aufgaben (siehe “Tipp”)
  • Jede erledigte Aufgabe “feiern” mit einem Mini-Ritual (Faust ballen, genüsslich seufzen etc.)
  • Die angenehme Bonusaufgabe zelebrieren
  • Wieder von Vorne beginnen mit einem anderen Set an Aufgaben

Tipp: Werfen Sie die Notizen nicht weg, sondern kleben Sie aufeinander. Vorher versehen Sie das erste Posting mit einem Datum. Sie werden sehen, dass der Stapel mit den erledigten Aufgaben schnell wächst. Auch dies gibt ein gutes Gefühl. Durch das Datum auf dem 1. Zettel können Sie sehr schnell überprüfen, wie viel Sie in welcher Zeit geleistet haben. Auch das gibt einen Motivationsschub. Auch das Einführen einer angenehmen Bonusaufgabe ist natürlich ein Topmittel zu Motivieren. Es ist der Preis, den Sie sich selbst für alle Hindernisse verleihen. Die alte Weisheit: “Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen…” hält sich ja nicht umsonst so lange…

Und falls Sie es wissen möchten. Rapid verlor mit 1:2 gegen den HSV. Trotzdem war die Freude groß.

 

Verzichten Sie auf “gute Vorsätze”

Prosit Neujahr!

“Welche Vorsätze haben Sie für das kommende Jahr gemacht?” ist wohl die am häufigsten gestellte Frage zum Jahresende. Mich wundert es manchmal schon regelrecht, dass die nette Supermarktverkäuferin mir nicht mit einem: “Das macht 53, 20 Euro… und irgendwelche  guten Vorsätze für das neue Jahr?” verbal begegnet. Abgesehen von der Tatsache, dass die “guten Vorsätze” ein sehr willkommener, wenn auch saisonal bedingter, Redeanlass sind, bringen Sie uns arg unter Zugzwang. Sie sind in der Tat weniger “gut” als wir glauben.

Gute Vorsätze sind versteckte Vorwürfe an sich selbst

Mit guten Vorsätzen für das kommende Jahr sollte man vorsichtig sein. Ja, Sie haben richtig gelesen. Vorsätze werden zwar vordergründig als Ziele formuliert, enthalten aber zumeist einen Selbstvorwurf. Vor allem die Formulierung “Ich sollte weniger…” oder “Ich sollte mehr…” leitet einen versteckten Vorwurf ein. “Ich sollte weniger essen”  oder “Ich sollte weniger rauchen…” sind zwar an und für sich in vielen Fällen gesundheitlich sinnvolle Ziele, sie beinhalten jedoch die Feststellung, dass das Bisherige schlecht war. Mit so einem “guten Vorsatz” gehe ich davon aus, dass ich als Person hinter meinen Erwartungen zurückbleibe und nicht meinen Werten (oder jenen Werte, die mir mitgegeben wurden)  entspreche. Anders formuliert: Vorsätze sind in vielerlei Hinsicht eine Bestandsaufnahme, dessen was ich bin und dessen, was ich sein möchte. Und Hand auf’s Herz: Diese beiden Vorstellungen passen nicht immer zusammen. Ein innerer Konflikt ist vorprogrammiert. Zudem wissen wir, dass lieb gewonnene Gewohnheiten nur sehr schwer abgestellt werden können.

Vorsätze sind pure Selbstüberschätzung

Wir schätzen uns besser ein als wir sind. Das ist in Lebensläufen und bei Bewerbungsgesprächen so, das ist auf dem Hochzeitsmarkt so und das ist in vielen anderen Bereichen des Lebens absolut eine Tatsache. Prinzipiell ist daran nichts auszusetzen.  Ein gesundes Maß an Selbstüberschätzung ist fast ja schon (über)lebenswichtig. Umso wichtiger ist es, realistische Ziele zu setzen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Oft sind wir voller Tatendrang und schon nach kurzer Zeit bleibt außer dem Drang zu neuen Taten nur mehr wenig übrig. Grund ist das “False-Hope-Syndrom” das von Janet Polivy und  Peter Herman von der Universität Toronto (Kanada) untersucht wurde. Die beiden gehen davon aus, dass ein Verhalten, das nicht direkt belohnt wird, irgendwann relativ unattraktiv wird. Dennoch ist es erstaunlich, dass Menschen gerne dazu neigen, Gescheitertes zu wiederholen oder sogar zu intensivieren. Selbstüberschätzung ist ein Auslöser für falsche Hoffnungen – vor allem wenn wir den Aufwand und meistens die persönliche Ausdauer unterschätzen. Dieses Phänomen soll ja bereits Albert Einstein beschrieben haben. Wir kennen alle seinen berühmtem Spruch: “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Selbsterfüllenden Prophezeihungen…

Robert Merton hat 1948 das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiungen beschrieben. Der Glaube spielt hier eine wichtige Rolle. Die meisten “guten Vorsätze” erfüllen jedoch nicht den Umfang einer “selbsterfüllenden Prophezeiung”. Vor allem funktionieren sie dann nicht, wenn wir die “guten Vorsätze” lediglich treffen, weil es sozial angemessen oder vorteilhaft erscheint.

“Robert King Merton definierte den Begriff der self-fulfilling prophecy, der selbsterfüllenden Vorhersage, und erklärte mit dieser Theorie eine unbewusst ablaufende Verhaltensänderung bzw. -steuerung, die dazu führt, dass sich eine Erwartung oder Befürchtung tatsächlich erfüllt. Auf diese Art und Weise funktionieren beispielsweise Prophezeiungen von WahrsagerInnen, aber auch die normalen Horoskope, denn die Voraussage, man werde in den nächsten Tagen einen Unfall haben, kann manche Menschen derart verunsichern, dass das eigene Verhalten einen Unfall provoziert.” (Onlinelexikon für Psychologie und Pädagogik)

Die drei Weisen aus dem Morgenland

Gute Vorsätze funktionieren meist nur als “Dreiergespann” – so wie die drei Weisen aus dem Morgenland. Statt Balthasar, Caspar und Melchior haben wir es allerdings mit “Vorsatz – Maß – Disziplin”  zu tun. Klingt nicht unbedingt sexy. Aber wahrscheinlich scheitern die meisten guten Vorsätze genau daran, dass sie alles andere als sexy sind. Was ist jedoch gemeint? Sie brauchen einen Vorsatz; besser noch: Sie ersetzen das Wort “Vorsatz” durch das Wort “Ziel”. Das Ziel soll positiv formuliert werden und zu ihrem Lebensstil passen. Statt “Ich will weniger essen…” kann man ja auch sagen: “Ich esse noch bewusster”. Die positive Steigerungsform ist deshalb sinnvoll, weil Sie den Selbstvorwurf teilweise entkräftet. “Ich esse noch bewusster”  bedeutet, dass ich mir meines Essverhaltens bereits bewusst bin.

Der zweite der drei Weisen ist das richtige Maß. Präzise umschriebene Ziele sind wichtig (vor allem wegen der Erfolgsmessung). Außerdem sollten Sie Ihren Fokus auf die Umsetzung eines Zieles setzen und sich nicht eine ganze Einkaufsliste an Zielen vollschreiben. Die meisten schmeißen Sie dann eh wieder in kürzester Zeit in die Rundablage Ihres Vertrauens. Weniger ist auch hier eindeutig mehr. Ein Ziel konsequent umsetzen ist oft viel erfüllender als ein bunter Strauß an Vorsätzen und Zielen.

Der letzte im Bunde

Der dritte Weise ist die gute alte Disziplin. Ekliges Wort! Ich weiß! Aber es ist richtig und wichtig. Nichts wird von alleine gehen. Sie können es aber langsam angehen und das sollen Sie auch. Überfordern Sie sich nicht. Planen Sie nicht den Marathon, wenn Ihnen das Stiegensteigen schon Mühe bereitet. Planen Sie nicht das Nie-wieder-Rauchen-Projekt, wenn Sie nicht einmal einen Tag durchhalten ohne die Stummeln aus einem Aschenbecher zu sammeln und aus den Resten eine Zigarette zu drehen. Machen Sie es dosiert und konsequent. Der Fokus soll positiv ausgerichtet sein. Zeigen Sie, dass Sie es wollen und können. So habe ich mit dem Rauchen aufgehört. “Heute rauche ich nicht…”. Am nächsten Tag: “Heute rauche ich nicht.” Es wurden volle neun Jahre daraus. Und nach neun Jahren habe ich mich auch wieder dazu entschlossen zu rauchen – und das ist absolut kein Scheitern, da ich weder in der Arbeit noch zu Hause rauche, sondern nur wenn ich Lust drauf habe.

Spielen Sie des Teufels Anwalt

Was wären die drei Weisen ohne die richtige Motivation?  Hinterfragen Sie ihre Motivation und zwar etwas eindringlicher als nach dem “Eh kloar-Prinzip”. Bleiben wir beim Beispiel Essen (passt so schön zu den Feiertagen und mir selbst).

Frage: Warum will ich bewusster Essen und somit abnehmen?
Antwort: Damit mir meine Kleidung besser passt?
Entgegnung Anwalt des Teufels: Das geht leichter. Kaufen Sie sich von den Gutscheinen, die Sie erhalten haben, einfach neue Kleidung in der passenden Größe.

Gleiches Thema, anderer Ansatz: Nun… vielleicht weil Sie sich auf Ihren Selfies und Schnappschüssen zu dick vorkommen? Auch hier gibt es eine einfache Lösung. Fotografieren Sie sich nur mehr von oben oder vermeiden Sie fotografiert zu werden. Auch das ist einfacher.

Sie wollen mit dem Rauchen aufhören, weil es billiger kommt? Auch hier gibt es eine einfache Lösung. Wieso schnorren Sie sich nicht durch? Raucher*innen sind doch so sozial.

Drum prüfe sich selbst, wer gute Vorsätze trifft

Fazit: “Drum prüfe sich, wer gute Vorsätze trifft” sollte das wichtigste Thema sein. Prüfen Sie in einer ruhigen Minute Ihre Vorsätze. Sollten Sie diese nur aufgrund der Gruppendynamik getroffen haben, lassen Sie es gleich sein. Antworten Sie Silvester also lieber auf die Frage: “Und welchen Vorsatz triffst Du für 2018?” mit der vielleicht wenig charmanten, aber sehr aufrichtigen Antwort: “Ich habe den Vorsatz, keine Vorsätze zu treffen.” Sollten Sie dennoch einen echten Vorsatz haben, schreiben Sie diesen auf, verschließen Sie ihn einem Kuvert und schreiben Sie außen das Kontrolldatum drauf. Sie werden überrascht werden. Ich  wünsche Ihnen viel Kraft, Energie und good vibrations im neuen Jahr 2018!

Ein Angestelltenverhältnis soll auch noch Spaß machen…

Ende des Jahres: Zeit Rück- und Ausblicke zu halten. Das Meinungsforschungsinstitut INTEGRAL veröffentlichte eine Umfrage zum Thema: “Lieber selbständig oder doch besser in einem Angestelltenverhältnis?”. Das Votum auf diese Frage fiel ziemlich eindeutig aus. Die Österreicher/innen bevorzugen das Angestelltenverhältnis. Lediglich um die 20 Prozent der Befragten wollen selbständig arbeiten. Männer sind etwas risikofreudiger als Frauen. Immerhin würde jeder vierte Mann den Sprung in die Selbständigkeit wagen, während nur 13 Prozent der weiblichen Befragten das Risiko eingehen würden. Die Altersgruppe, die am ehesten zur Selbständigkeit tendiert, sind die 50 bis 59-Jährigen. Dies verleitet zur Hypothese, dass gerade diese Altersgruppe genug Berufserfahrung und Sicherheit  gesammelt hat, um den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Es handelt sich vielleicht auch um jene Altersgruppe, in der viele Menschen die Flucht nach vorne ergreifen wollen/müssen, um einer (drohenden) Arbeitslosigkeit zu entkommen. Aber das ist nur eine Hypothese, die von der Umfrage weder bestätigt noch widerlegt wird.

Hauptsache Spaß?

Auch das Thema “Arbeitsmotivation” (“Wie sieht die ideale Arbeit aus?”) wurde vom Meinungsforschungsinstitut abgefragt. Anders als wahrscheinlich von vielen vermutet, ist das Gehalt nicht entscheidend für den”idealen” Job. Viele Österreicher/innen bevorzugen in erster Linie eine Tätigkeit, “die Spaß macht”. Leider wird der Spaßfaktor nicht genauer definiert. Das “gute Betriebsklima” und die “gute Bezahlung” folgen direkt auf den Plätzen 2 und 3. Dies deckt sich auch mit den Erfahrungen, die ich in meinen Workshops mache. Das Betriebsklima, der Spaßfaktor und ausreichend Kohle werden immer wieder von meinen Teilnehmer/innen genannt, wenn es um die Rahmenbedingungen in den Jobs geht. Bei Männern habe ich das Gefühl, dass das Gehalt eine Spur wichtiger ist, was auch von der Studie bestätigt wird. Männer bevorzugen auch eine planbare Karriere. Sie arbeiten lieber in renommierten Unternehmen.

Es ist natürlich auch ein Trend der Zeit, dass gerade jüngere Menschen flexible Arbeitszeiten und das Arbeiten von Zuhause aus eher schätzen.


Link zur Studie vom INTEGRAL