2018: Neuerungen für Arbeitnehmer*innen und im Bereich Soziales

Arbeit und Soziales

Neues im Bereich Arbeit und Soziales mit einem Ausblick

Angleichung der Rechte von Arbeiter*innen an Angestellte

Ab 1. Juli 2018

Es ändert sich einiges bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle. Bisher hatten Arbeiter*innen und Angestellte bei Krankheit Anspruch auf 6 Wochen volle und 4 Wochen halbe Entgeltfortzahlung (vom 1. bis zum 5. Dienstjahr). Nach 5 Dienstjahren erhöhte sich der Anspruch auf 8 volle und 4 halbe Wochen. Nach 15 Dienstjahren waren es 10 Wochen voll und 4 Wochen halb und bei 25 Dienstjahren 12 Wochen voll und 4 Wochen halbe Entgeltfortzahlung.

Neu ist: Sowohl Arbeiter*innen als auch Angestellte haben bereits nach einem Jahr Anspruch auf 8 Wochen volle und 4 Wochen halbe Entgeltfortzahlung. Die weiteren Sprünge bleiben bestehen. Mit anderen Worten: Die unterste Einstufung von insgesamt 10 Wochen Entgeltzahlung (6 Wochen voll, 4 Wochen halb) wurde gestrichen. Dafür werden Angestellte an Arbeiter angepasst, was die Thematik der Wiedererkrankung betrifft.  Wenn ein Angestellter oder eine Angestellte im selben Arbeitsjahr erneut erkrankt, hat er oder sie Anspruch auf Entgeltfortzahlung nur mehr von jenem Kontingent, was noch nicht verbraucht wurde. Das Thema Folgeerkrankung wurde also ad acta gelegt. Dies galt bisher schon für Arbeiter*innen.

Entgeltfortzahlung für Lehrlinge und einvernehmliche Kündigung

Die 8 Wochen volle und 4 Wochen halbe Entgeltzahlung gelten auch für Lehrlinge und die Lehrlingsentschädigung.

Bei Arbeitern gilt die Entgeltfortzahlung über das Dienstverhältnis hinaus, auch bei einvernehmlicher Auflösung im Krankenstand. Dies entspricht dem Gedanken und der Auffassung, dass einvernehmliche Auflösungen etwas mehr der “Sphäre” der Dienstgeber*innen zuzurechnen sind. Die Regelung war ja bereits bei Arbeitgeberkündigung, unberechtigter Entlassung und berechtigtem Austritt des/der Dienstnehmer*in in Kraft.

Dienstverhinderungen

Auch die Entgeltfortzahlung bei Dienstverhinderungen von Arbeiter*innen aus  persönlichen Gründen wird analog § 8 Abs 3 AngG verpflichtend. Somit erhalten Arbeiter*innen diesen Anspruch nun auch aus Gründen, die nicht im KV stehen. Mit anderen Worten: Der Dienstgeber oder die Dienstgeberin kann die im KV aufgeführten Gründe nicht mehr als taxativ und “ausschließlich” ansehen.

Der verbesserte Kündigungsschutz (längere Kündigungsfristen) für Arbeiter*innen gilt erst ab dem Jahr 2021. Ausnahmen werden jene Branchen haben, in denen Saisonbetriebe überwiegen. Hier darf es auch über das Jahr 2021 hinaus zu abweichenden Regelungen im Kollektivvertrag kommen (Baubranche und den Tourismus).

Notstandshilfe auch bei Partner*innen mit Einkommen

Ab 1. Juli 2018

Bisher galt: Wenn Menschen von der Arbeitslosenversicherung in die Notstandshilfe wechseln, wird das Partnereinkommen für die Höhe der auszuzahlenden Notstandshilfe berücksichtigt (egal ob Ehe, eingetragene Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft). Das wird sich ändern. Das Partnereinkommen spielt bei der Berechnung der Höhe der Notstandshilfe keine Rolle mehr. Doch Achtung: Die neue Regierung aus ÖVP und FPÖ ließ in ihrem Programm eine erneute Neuregelung der Notstandshilfe anklingen. Es steht ein Harz IV-Modell (=Zusammenlegung von Notstandshilfe und Mindestsicherung) im Raum.

In Planung:

Die FPÖVP plant eine Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Diese liegen im Moment bei 3 Prozent (Dienstnehmer*in) und bei 3 Prozent (Dienstgeber*in). Insbesondere niedrige Einkommen sollen so entlastet werden. Laut Berichten soll die Senkung noch vor dem Sommer 2018 erfolgen.

Verdoppelung des Budgets für berufliche Integration behinderter Menschen und besserer Rechtsschutz

Ab 1. Jänner 2018

An und für sich ist es ja so, dass Unternehmen, die mehr als 25 Mitarbeiter*innen beschäftigen, eine*n Mitarbeiter*in mit einer ausgewiesenen Behinderung einstellen müssten. Dies passiert jedoch nicht immer… Daher scheint das Sozialministerium gerade im Bereich Integration mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Die Mittel aus dem Bundesbudget für die Eingliederung von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt werden von 45 auf 90 Millionen Euro verdoppelt.

Der Rechtsschutz für Behinderte wird verstärkt. Der Behindertenanwalt und dem Klagsverband wird die Befugnis zur Einbringung einer allgemeinen Verbandsklage erhalten. Große Kapitalgesellschaften (GmbH / AG) können demnach auch auf Unterlassung und Beseitigung einer Diskriminierung behinderter Menschen geklagt werden. Im Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz kennt nun auch einen Unterlassungsanspruch bei Diskriminierungen im Zusammenhang mit Belästigungen. Der Monitoringausschuss, der die Einhaltung der UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich überwacht, soll durch mehr Budget und Unabhängigkeit gestärkt werden.

Finanzielle Verbesserungen für Freiwillige

Ab 1. Jänner 2018

Ein “Freiwilliges Sozialjahr” kann jetzt auch in Krankenanstalten absolviert werden. Außerdem wird der Gedenk-, Friedens- und Sozialdienst im Ausland stärker gefördert. Für Personen, die ein “Freiwilliges Jahr” absolvieren, gelten nun hinsichtlich der Gewährung der Familienbeihilfe die gleichen Regelungen wie für Zivil- und Präsenzdiener. Außerdem wird die Einsatzmöglichkeit bei Rettungsdiensten verlängert. Der mögliche Hintergrund dieser Maßnahme liegt auf der Hand. Gerade im Gesundheitswesen fehlt es an (qualifizierten) Arbeitskräften. Ferner schien die Regelung – zumindest kann man das so interpretieren – auf einen langsamen Ausstieg aus dem Präsenzdienstsystem zu zielen.

In Planung:

Ferner plant die neue FPÖVP-Regierung eine Ausweitung der Absetzbarkeit von Spenden an gemeinnützige GmbH’s und Stiftungen, sowie in den Bereichen Bildung und Kultur. Außerdem äußert das Kabinett Kurz die Absicht  bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und ein Ehrenamt-Gütesiegel einzuführen. Dadurch könnten im  Zuge des Freiwilligeneinsatzes erworbene Qualifikationen dokumentiert und zertifiziert werden.

Abschaffung des Pflegeregresses

Ab 1. Jänner 2018

Einige Bundesländer in Österreich holen sich das Geld bei den Verwandten und Erb*innen von Pflegebedürftigen zurück (=Regress), wenn die Kosten von der stationär zu pflegenden Person nicht getragen werden können. Einige Bundesländer haben bisher auf einen Regress verzichtet. Jene Bundesländer, die regressierten, müssen ab dem 1. Jänner 2018 ihre Regress- oder Ersatzansprüche stoppen. Dieser Stop ist absolut: Auch laufende Verfahren sind per 01. 01. 2018 einzustellen.

Der Gesetzestext ist hier sehr knapp und unmissverständlich gehalten (ASVG, Abschnitt IIa, §330a): “Ein Zugriff auf das Vermögen von in stationären Pflegeeinrichtungen aufgenommenen Personen, deren Angehörigen, Erben/Erbinnen und Geschenknehmer/inne/n im Rahmen der Sozialhilfe zur Abdeckung der Pflegekosten ist unzulässig.”

Allerdings überlegt die neue Regierung diesen Stopp teilweise zurückzunehmen und bei den Sonderzahlungen der Bewohner*innen zu regressieren. So soll die 13. und 14. Pensionsauszahlung von stationären Pflegebedürftigen teilweise oder ganz einbehalten werden können.

Verbesserung des Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz

Ab 1. Mai 2018

Ja, was hätte nicht alles kommen sollen. Man wollte das Rauchverbot allgemein ausweiten (zumindest seitens der ÖVP). Und doch ist es anders gekommen als alle glaubten. In Anlehnung an die jüngste Tabakgesetznovelle ist ab 1. Mai 2018 das Rauchen in Arbeitsstätten grundsätzlich verboten. Das Tabakgesetz nennt explizit in den §12 und §13 folgende Räume: Räume für Unterrichts- und Fortbildungszweck, Räume für Verhandlungszweck und Räume für schulsportliche Betätigung. Bei Mehrzweckhallen wird es auch zu einem teilweisen Rauchverbot kommen. Aufenthalts-, Bereitschafts-, Sanitäts- und Umkleideräume sind jedoch in jedem Fall tabu. Allerdings gilt das Rauchverbot auch für öffentliche Räume – und somit für die meisten Bereiche. Das Zurverfügungstellen von speziellen Raucher*innenräumen ist möglich. Allerdings sieht das Arbeitnehmer*innenschutzgesetz auch hier Verschärfungen vor. Die Rauchräume dürfen keine Arbeitsräume sein und der Rauch darf auch nicht die anderen Räumlichkeiten beeinträchtigen.

Auch auf Vereinsebene wird das Rauchverbot kommen: Ich zitiere aus dem Gesetzestext:

“Rauchverbot gilt auch in Räumen, in denen Vereinstätigkeiten im Beisein von Kindern und Jugendlichen ausgeübt werden, sowie in Räumen, in denen Vereine Veranstaltungen, auch ohne Gewinnerzielungsabsicht, abhalten. Es ist dabei unbeachtlich, ob der Zutritt nur auf einen im Vorhinein bestimmten Personenkreis beschränkt ist. Darüber hinaus gilt Rauchverbot für Vereine dann, wenn durch die Vereinsaktivitäten eine Umgehung der Bestimmungen gemäß Abs. 1 oder 2 erfolgt.”

Auch in der Gastronomie soll das Rauchen in den Räumen der Gastronomie generell verboten sein. Eigene Rauche*innenrräume seien nicht vorgesehen. So wie in anderen Ländern üblich (Frankreich, Irland etc.) könne man daher nur mehr im Gastgarten rauchen. Das Gesetz umfasst auch sogenannte E-Zigaretten.

In Planung sind jedoch weitere Änderungen des Tabakgesetzes. Die FPÖVP plant eine Rücknahme der Gesetzesnovelle von 2015, will das Rauchverbot jedoch im Jugendbereich von 16 Jahren auf 18 Jahre ausweiten. Ansonsten soll es vor allem in der Gastronomie weiter möglich sein, in Raucher*innenräumen zu rauchen.

Verfahrensvereinfachung bei Freistellungen nach dem Mutterschutzgesetz

Ab 1. Jänner 2018

Für eine vorzeitige Freistellung schwangerer Mitarbeiterinnen bei bestimmten medizinischen Indikationen ist in Zukunft nicht zwangsläufig eine Überprüfung durch  das Arbeitsinspektorat notwendig. Der O-Ton im Gesetz lautet: “Über die Achtwochenfrist hinaus darf eine werdende Mutter auch dann nicht beschäftigt werden, wenn nach einem von ihr vorgelegten fachärztlichen Zeugnis Leben oder Gesundheit von Mutter oder Kind bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet wäre.” Eine Liste der Indikationen, der Fachärzte etc. wird durch eine Verordnung des zuständigen Bundesministeriums vorgenommen.

Aufrecht bleibt, dass Freistellungen, die nicht dieser Indikationsliste entsprechen, weiterhin von den Ärzt*innen des Arbeitsinspektorats vorzunehmen sind. Weitreichende Informationen zum Thema Mutterschutz finden Sie hier.

Verschärfung der Meldepflichten in der Baubranche

Ab 1. Jänner 2018

Die Novelle ist im BUAK-Gesetz zu finden. Unternehmen, die Bauarbeiter*innen nur in Teilzeit oder fallweise beschäftigen, müssen jede Änderung der Beschäftigung und der Lage der Arbeitszeit sowie des Einsatzorts an die Bauarbeiter-Urlaubskassa melden. Es reicht also nicht mehr eine einmalige Änderung vor der Arbeitsaufnahme. Die Meldung erfolgt über das e_BUAK-Datenbanksystem. Werden Meldevorschriften verletzt wird es teuer. Die zuständigen Behörden können dann von einer Vollzeitbeschäftigung ausgehen.

Gute Nachrichten gibt es im Bereich der Verzinsung. Die Verzugszinsen für Zuschlagsrückstände (bislang 7 Prozent p.a.) sowie die Zinsen für nicht ausbezahlte Urlaubsentgelte (bislang 10 Prozent p.a.) werden ab 1. Jänner 2018 auf 4 Prozent p.a. zuzüglich Basiszinssatz abgesenkt.

Kranken- und Unfallversicherung für fallweise beschäftigte Aushilfskräfte

Ab 1. Jänner 2018

Neue Bestimmungen gibt es für die Abführung der pauschalierten Dienstnehmerbeiträge bei fallweise beschäftigten Aushilfskräften, die neben der Aushilfstätigkeit auch noch erwerbstätig sind. Unter “fallweise Beschäftigten” zählt man Menschen, die in unregelmäßiger Folge tageweise beim selben Dienstgeber oder der selben Dienstgeberin beschäftigt werden. Die Dauer der Beschäftigung muss kürzer als eine Woche sein. Jeder Einsatz ist somit ein eigenständiges Dienstverhältnis. Wird eine  Tätigkeit im Vorhinein vereinbart (etwa jeden Dienstag) ist von einer regelmäßigen Beschäftigung auszugehen.

Bisher mussten die Dienstnehmer*innen diese Beiträge selbst an die Krankenkasse entrichten (Fälligkeit Ende des Jahres). Der pauschalierte Dienstnehmer*innenbeitrag beträgt 14,12 %.

Die Beiträge werden ab dem Jahr 2018 von dem oder der Dienstgeber*in einbehalten und an die zuständigen Sozialversicherungen überwiesen. Die jährliche Zahl der Aushilfstage darf 18 nicht überschreiten. Eine analoge Regelung gilt für die Arbeiterkammerumlage. Im Gegenzug erlässt man den Dienstgeber*innen den Unfallversicherungsbeitrag (1,30 Prozent) für diese Mitarbeiter*innen. Hier springt die Unfallversicherung bei.  Diese Maßnahme ist bis 2020 befristet.

Strafen für die Nichterfüllung der Ausbildungspflicht

Ab 1. Juli 2018

Strafen für die Nichterfüllung der Ausbildungspflicht sind ab 1. Juli 2018 möglich, sollen jedoch nur als letzte Konsequenz ausgesprochen werden. Der Strafrahmen beträgt 100 bis 500 Euro beim ersten Verstoß  beziehungsweise 200 bis 1.000 Euro im Wiederholungsfall. Wenn Erziehungsberechtigte sich bemühen, der Ausbildungspflicht nachzukommen, aber mangels Einsichtsvermögen der/des Jugendlichen nicht erfolgreich sind, kommt es zu keiner Bestrafung. Nur wenn Erziehungsberechtigte nachweislich keine Verantwortung übernehmen bzw. keine Bemühungen hinsichtlich der Bildungslaufbahn ihrer Kinder unternehmen, soll gegen sie Anzeige erstattet werden.

Dreh- und Angelpunkt dieser Bemühungen wird der sogenannte “Perspektiven – und Betreuungsplan” sein. In diesem soll festgehalten werden, welche Ausbildungen der Jugendliche absolvieren soll – und er wird als Referenz dienen.

Selbst wenn die jungen Menschen arbeiten, müssen sie einen Betreuungs- und Perspektivenplan erstellen. Dies finde ich bemerkenswert: O-Ton Ausbildungspflichtgesetz:

“Eine Verletzung der Ausbildungspflicht liegt vor, wenn 1. der oder die Jugendliche trotz wiederholter Einladung zu einem Beratungsgespräch zur Erstellung eines aktuellen Perspektiven- oder Betreuungsplans nicht erschienen ist oder 2. die Beschäftigung des oder der Jugendlichen im Rahmen des Arbeitsverhältnisses keine Beschäftigung darstellt, die mit dem für den Jugendlichen oder die Jugendliche erstellten aktuellen Perspektiven- oder Betreuungsplan vereinbar ist.”

Dieser Perspektiven- und Betreuungsplan fällt in die Zuständigkeit des AMS und des Sozialministeriumsservices, kann aber auch im Auftrag dieser Stellen von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen vorgenommen werden. Es ist also davon auszugehen, dass die bekannten Kursinstitute, die bereits jetzt Auftragnehmer*innen des AMS sind, diesen Perspektiven- und Betreuungsplan vornehmen.

Erstattung von Lehrlingsinternatskosten

Ab 1. Jänner 2018

Internatskosten für Berufsschülerinnen und Berufsschüler werden künftig von Betrieben übernommen und letztlich über die Gewährung von Beihilfen aus Mitteln des Insolvenz-Entgelt-Fonds gedeckt werden. Diese Forderung wurde ja schon länger seitens der Wirtschaft erhoben und kommt vor allem größeren Unternehmen, die über Lehrlingsinternate verfügen, zu. An und für sich mussten die Lehrlinge die Kosten von ihrer Lehrlingsentschädigung bezahlen. Höhere Kosten mussten vom Lehrlingsbetrieb übernommen werden. Manche Kollektivverträge regelten sogar, dass die Internatskosten zur Gänze vom Unternehmen zu bezahlen seien. Auch die Österreichische Gewerkschaftsjugend hatte sich mit einer weitreichenden Unterschriftenliste für die Abschaffung der Lehrlingsinternatskosten eingesetzt.

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Verzichten Sie auf “gute Vorsätze”

Prosit Neujahr!

“Welche Vorsätze haben Sie für das kommende Jahr gemacht?” ist wohl die am häufigsten gestellte Frage zum Jahresende. Mich wundert es manchmal schon regelrecht, dass die nette Supermarktverkäuferin mir nicht mit einem: “Das macht 53, 20 Euro… und irgendwelche  guten Vorsätze für das neue Jahr?” verbal begegnet. Abgesehen von der Tatsache, dass die “guten Vorsätze” ein sehr willkommener, wenn auch saisonal bedingter, Redeanlass sind, bringen Sie uns arg unter Zugzwang. Sie sind in der Tat weniger “gut” als wir glauben.

Gute Vorsätze sind versteckte Vorwürfe an sich selbst

Mit guten Vorsätzen für das kommende Jahr sollte man vorsichtig sein. Ja, Sie haben richtig gelesen. Vorsätze werden zwar vordergründig als Ziele formuliert, enthalten aber zumeist einen Selbstvorwurf. Vor allem die Formulierung “Ich sollte weniger…” oder “Ich sollte mehr…” leitet einen versteckten Vorwurf ein. “Ich sollte weniger essen”  oder “Ich sollte weniger rauchen…” sind zwar an und für sich in vielen Fällen gesundheitlich sinnvolle Ziele, sie beinhalten jedoch die Feststellung, dass das Bisherige schlecht war. Mit so einem “guten Vorsatz” gehe ich davon aus, dass ich als Person hinter meinen Erwartungen zurückbleibe und nicht meinen Werten (oder jenen Werte, die mir mitgegeben wurden)  entspreche. Anders formuliert: Vorsätze sind in vielerlei Hinsicht eine Bestandsaufnahme, dessen was ich bin und dessen, was ich sein möchte. Und Hand auf’s Herz: Diese beiden Vorstellungen passen nicht immer zusammen. Ein innerer Konflikt ist vorprogrammiert. Zudem wissen wir, dass lieb gewonnene Gewohnheiten nur sehr schwer abgestellt werden können.

Vorsätze sind pure Selbstüberschätzung

Wir schätzen uns besser ein als wir sind. Das ist in Lebensläufen und bei Bewerbungsgesprächen so, das ist auf dem Hochzeitsmarkt so und das ist in vielen anderen Bereichen des Lebens absolut eine Tatsache. Prinzipiell ist daran nichts auszusetzen.  Ein gesundes Maß an Selbstüberschätzung ist fast ja schon (über)lebenswichtig. Umso wichtiger ist es, realistische Ziele zu setzen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Oft sind wir voller Tatendrang und schon nach kurzer Zeit bleibt außer dem Drang zu neuen Taten nur mehr wenig übrig. Grund ist das “False-Hope-Syndrom” das von Janet Polivy und  Peter Herman von der Universität Toronto (Kanada) untersucht wurde. Die beiden gehen davon aus, dass ein Verhalten, das nicht direkt belohnt wird, irgendwann relativ unattraktiv wird. Dennoch ist es erstaunlich, dass Menschen gerne dazu neigen, Gescheitertes zu wiederholen oder sogar zu intensivieren. Selbstüberschätzung ist ein Auslöser für falsche Hoffnungen – vor allem wenn wir den Aufwand und meistens die persönliche Ausdauer unterschätzen. Dieses Phänomen soll ja bereits Albert Einstein beschrieben haben. Wir kennen alle seinen berühmtem Spruch: “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Selbsterfüllenden Prophezeihungen…

Robert Merton hat 1948 das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiungen beschrieben. Der Glaube spielt hier eine wichtige Rolle. Die meisten “guten Vorsätze” erfüllen jedoch nicht den Umfang einer “selbsterfüllenden Prophezeiung”. Vor allem funktionieren sie dann nicht, wenn wir die “guten Vorsätze” lediglich treffen, weil es sozial angemessen oder vorteilhaft erscheint.

“Robert King Merton definierte den Begriff der self-fulfilling prophecy, der selbsterfüllenden Vorhersage, und erklärte mit dieser Theorie eine unbewusst ablaufende Verhaltensänderung bzw. -steuerung, die dazu führt, dass sich eine Erwartung oder Befürchtung tatsächlich erfüllt. Auf diese Art und Weise funktionieren beispielsweise Prophezeiungen von WahrsagerInnen, aber auch die normalen Horoskope, denn die Voraussage, man werde in den nächsten Tagen einen Unfall haben, kann manche Menschen derart verunsichern, dass das eigene Verhalten einen Unfall provoziert.” (Onlinelexikon für Psychologie und Pädagogik)

Die drei Weisen aus dem Morgenland

Gute Vorsätze funktionieren meist nur als “Dreiergespann” – so wie die drei Weisen aus dem Morgenland. Statt Balthasar, Caspar und Melchior haben wir es allerdings mit “Vorsatz – Maß – Disziplin”  zu tun. Klingt nicht unbedingt sexy. Aber wahrscheinlich scheitern die meisten guten Vorsätze genau daran, dass sie alles andere als sexy sind. Was ist jedoch gemeint? Sie brauchen einen Vorsatz; besser noch: Sie ersetzen das Wort “Vorsatz” durch das Wort “Ziel”. Das Ziel soll positiv formuliert werden und zu ihrem Lebensstil passen. Statt “Ich will weniger essen…” kann man ja auch sagen: “Ich esse noch bewusster”. Die positive Steigerungsform ist deshalb sinnvoll, weil Sie den Selbstvorwurf teilweise entkräftet. “Ich esse noch bewusster”  bedeutet, dass ich mir meines Essverhaltens bereits bewusst bin.

Der zweite der drei Weisen ist das richtige Maß. Präzise umschriebene Ziele sind wichtig (vor allem wegen der Erfolgsmessung). Außerdem sollten Sie Ihren Fokus auf die Umsetzung eines Zieles setzen und sich nicht eine ganze Einkaufsliste an Zielen vollschreiben. Die meisten schmeißen Sie dann eh wieder in kürzester Zeit in die Rundablage Ihres Vertrauens. Weniger ist auch hier eindeutig mehr. Ein Ziel konsequent umsetzen ist oft viel erfüllender als ein bunter Strauß an Vorsätzen und Zielen.

Der letzte im Bunde

Der dritte Weise ist die gute alte Disziplin. Ekliges Wort! Ich weiß! Aber es ist richtig und wichtig. Nichts wird von alleine gehen. Sie können es aber langsam angehen und das sollen Sie auch. Überfordern Sie sich nicht. Planen Sie nicht den Marathon, wenn Ihnen das Stiegensteigen schon Mühe bereitet. Planen Sie nicht das Nie-wieder-Rauchen-Projekt, wenn Sie nicht einmal einen Tag durchhalten ohne die Stummeln aus einem Aschenbecher zu sammeln und aus den Resten eine Zigarette zu drehen. Machen Sie es dosiert und konsequent. Der Fokus soll positiv ausgerichtet sein. Zeigen Sie, dass Sie es wollen und können. So habe ich mit dem Rauchen aufgehört. “Heute rauche ich nicht…”. Am nächsten Tag: “Heute rauche ich nicht.” Es wurden volle neun Jahre daraus. Und nach neun Jahren habe ich mich auch wieder dazu entschlossen zu rauchen – und das ist absolut kein Scheitern, da ich weder in der Arbeit noch zu Hause rauche, sondern nur wenn ich Lust drauf habe.

Spielen Sie des Teufels Anwalt

Was wären die drei Weisen ohne die richtige Motivation?  Hinterfragen Sie ihre Motivation und zwar etwas eindringlicher als nach dem “Eh kloar-Prinzip”. Bleiben wir beim Beispiel Essen (passt so schön zu den Feiertagen und mir selbst).

Frage: Warum will ich bewusster Essen und somit abnehmen?
Antwort: Damit mir meine Kleidung besser passt?
Entgegnung Anwalt des Teufels: Das geht leichter. Kaufen Sie sich von den Gutscheinen, die Sie erhalten haben, einfach neue Kleidung in der passenden Größe.

Gleiches Thema, anderer Ansatz: Nun… vielleicht weil Sie sich auf Ihren Selfies und Schnappschüssen zu dick vorkommen? Auch hier gibt es eine einfache Lösung. Fotografieren Sie sich nur mehr von oben oder vermeiden Sie fotografiert zu werden. Auch das ist einfacher.

Sie wollen mit dem Rauchen aufhören, weil es billiger kommt? Auch hier gibt es eine einfache Lösung. Wieso schnorren Sie sich nicht durch? Raucher*innen sind doch so sozial.

Drum prüfe sich selbst, wer gute Vorsätze trifft

Fazit: “Drum prüfe sich, wer gute Vorsätze trifft” sollte das wichtigste Thema sein. Prüfen Sie in einer ruhigen Minute Ihre Vorsätze. Sollten Sie diese nur aufgrund der Gruppendynamik getroffen haben, lassen Sie es gleich sein. Antworten Sie Silvester also lieber auf die Frage: “Und welchen Vorsatz triffst Du für 2018?” mit der vielleicht wenig charmanten, aber sehr aufrichtigen Antwort: “Ich habe den Vorsatz, keine Vorsätze zu treffen.” Sollten Sie dennoch einen echten Vorsatz haben, schreiben Sie diesen auf, verschließen Sie ihn einem Kuvert und schreiben Sie außen das Kontrolldatum drauf. Sie werden überrascht werden. Ich  wünsche Ihnen viel Kraft, Energie und good vibrations im neuen Jahr 2018!

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Ein Angestelltenverhältnis soll auch noch Spaß machen…

Ende des Jahres: Zeit Rück- und Ausblicke zu halten. Das Meinungsforschungsinstitut INTEGRAL veröffentlichte eine Umfrage zum Thema: “Lieber selbständig oder doch besser in einem Angestelltenverhältnis?”. Das Votum auf diese Frage fiel ziemlich eindeutig aus. Die Österreicher/innen bevorzugen das Angestelltenverhältnis. Lediglich um die 20 Prozent der Befragten wollen selbständig arbeiten. Männer sind etwas risikofreudiger als Frauen. Immerhin würde jeder vierte Mann den Sprung in die Selbständigkeit wagen, während nur 13 Prozent der weiblichen Befragten das Risiko eingehen würden. Die Altersgruppe, die am ehesten zur Selbständigkeit tendiert, sind die 50 bis 59-Jährigen. Dies verleitet zur Hypothese, dass gerade diese Altersgruppe genug Berufserfahrung und Sicherheit  gesammelt hat, um den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Es handelt sich vielleicht auch um jene Altersgruppe, in der viele Menschen die Flucht nach vorne ergreifen wollen/müssen, um einer (drohenden) Arbeitslosigkeit zu entkommen. Aber das ist nur eine Hypothese, die von der Umfrage weder bestätigt noch widerlegt wird.

Hauptsache Spaß?

Auch das Thema “Arbeitsmotivation” (“Wie sieht die ideale Arbeit aus?”) wurde vom Meinungsforschungsinstitut abgefragt. Anders als wahrscheinlich von vielen vermutet, ist das Gehalt nicht entscheidend für den”idealen” Job. Viele Österreicher/innen bevorzugen in erster Linie eine Tätigkeit, “die Spaß macht”. Leider wird der Spaßfaktor nicht genauer definiert. Das “gute Betriebsklima” und die “gute Bezahlung” folgen direkt auf den Plätzen 2 und 3. Dies deckt sich auch mit den Erfahrungen, die ich in meinen Workshops mache. Das Betriebsklima, der Spaßfaktor und ausreichend Kohle werden immer wieder von meinen Teilnehmer/innen genannt, wenn es um die Rahmenbedingungen in den Jobs geht. Bei Männern habe ich das Gefühl, dass das Gehalt eine Spur wichtiger ist, was auch von der Studie bestätigt wird. Männer bevorzugen auch eine planbare Karriere. Sie arbeiten lieber in renommierten Unternehmen.

Es ist natürlich auch ein Trend der Zeit, dass gerade jüngere Menschen flexible Arbeitszeiten und das Arbeiten von Zuhause aus eher schätzen.


Link zur Studie vom INTEGRAL

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Bei Anruf Auftrag – aus dem Leben eines Personaldienstleisters

Kaltakquise ist nicht immer für die Fisch (c) whatelsen

… oder wir fischen alle im selben Teich.

Als Personaldienstleister hat man es nicht immer leicht. Aber wer hat das schon? In den meisten Firmen ist (Kalt)akquise sehr ungeliebt. Sowohl für jene, die sie betreiben, als auch für jene, die das “Opfer” der Akquise sind – wobei ich Akquise spannend finde, da ich sehr viel erfahre. Ich bearbeite die Lebensläufe meiner Bewerber/innen, sortiere sie nach Sparten und sollte ich nicht direkt eine passende Stelle in Form eines Auftrages parat haben, gehe ich in den großen Karriereteich fischen. Ich gehe aktiv auf Personalist/innen, Recruiter/innen und Geschäftsführer/innen zu. Der Sprung ins kalte Wasser ist belebend. Meine Angel ist in diesem Fall das Telefon. Meine Köder sind die Profile meiner Bewerber/innen. Der Teich. in den ich fischen gehe, ist groß. Allerdings tummeln sich in diesem Teich zahlreiche andere Fische – auch Mitbewerber/innen genannt; einige von Ihnen sind wahre Barrakudas, andere eher Tümmler, einige versuchen möglichst elegant durch die Gewässer zu gleiten, andere verstecken sich eher auf dem Grund und schlagen dann plötzlich zu  – so sind sie eben die Akquisiteure (m/w) – unterschiedlich in Temperament und Beuteverhalten.

Wehe, wenn Sie losgelassen werden

Der Vetrieb ist kein Zuckerschlecken und das proaktive Anbieten von Bewerber/innen nicht immer einfach. Vor allem verstehe ich die Damen und Herren in den HR-Abteilungen sehr gut. Sie brauchen im Normalfall keine Störenfriede, die Ihnen die Arbeit abnehmen wollen. Das hat schon etwas mit dem eigenen beruflichen Selbsterhaltungstrieb zu tun, aber auch mit Kosten, die eine Dienstleistung generiert. Das Hinzuziehen von Personaldienstleister/innen ist eben mit Kosten versehen – ebenso wie  das Schalten von Inseraten und die anschließende Bearbeitung von zahlreichen Bewerber/innen auch.

Auch in den HR-Abteilungen sitzen nicht nur freundliche Delfine, die nett ins Telefon schnattern; auch hier gibt es ganz besondere Exemplare der Spezies HR und Personal. Einige Erlebnisse will ich Zukunft in Form eines Tagebuchs schildern. Eines kann ich versprechen: Es geht spannend zu im großen Teich der Personalarbeit.

27. September 2016: Der Kälteanlagentechniker

Ich betreue derzeit einige interessante Kälteanlagentechniker/innen (Anfragen sind immer willkommen). Dabei handelt es sich um eine Spezies an Mitarbeiter/innen, die in Wien rar genug ist. Es sollte eigentlich kein Problem sein, einen Job als Kälteanlagentechniker zu finden. Besonders spannend sind Kandidat/innen, die in Beschäftigung stehen, aber wechselwillig sind. Und genau hier kommen wir Personaldienstleister/innen ins Spiel. Es geht nicht um Datenbanken, sondern um einzelne Personen, die ihr Ein- und Auskommen verbessern wollen. Eine schöne Aufgabe.

Da man meist selbst den ersten Schritt setzen muss, um ein Ziel zu erreichen und gerade in unserem Business fast niemand auf halbem Wege entgegen kommt, suche ich mir ein paar Stellenanzeigen heraus, die von den Anforderungen passen könnten. Eine ist besonders schön. Ich rufe das inserierende Unternehmen an. Dankenswerterweise stehen die Kontaktangaben der bearbeitenden HR-Dame bereits im Inserat. Niemand hebt ab. Ich lege auf und widme mich den nächsten Inseraten. Nach gut 20 Minuten werde ich zurückgerufen (was selten genug passiert und nicht hoch genug eingeschätzt werden kann). Ich trage höflich (so hoffe ich zumindest) mein Anliegen vor. Da es sich um die HR-Abteilung eines großen Unternehmens handelt, braucht es kaum Erläuterungen. Ich lasse ein paar Stichwörter zu meinem Kandidaten fallen. Die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung meint: “Ihr Bewerber ist also ein reiner Kälteranlagentechniker?” Ich bejahe: “Ja, laut Ihrer Ausschreibung sollte er eigentlich passen.” “Wir brauchen aber jemanden mit Elektrotechnikkenntnissen. Und sehr erfahren sollte er auch sein…” Ich staune. In der Ausschreibung sind zwei bis drei Jahre Praxis gefordert. Ich frage daher nach: “Wieviele Jahre Erfahrung sollte er denn haben…” “Naja, mindestens zehn”. Ich bringe meine Verwunderung zum Ausdruck. Die Recruiterin erklärt noch, dass der zukünftige Mitarbeiter sehr selbständig sein sollte und man wolle den Mitarbeiter sofort auf die Kund/innen loslassen. Ich bedanke mich für das Gespräch und hole mir das O.k. bei einem passenden Kandidaten noch einmal anrufen zu dürfen.

Nachdem ich den Hörer wieder auf die Gabel gelegt habe, bekunde ich mein Befremden und erzähle den Inhalt des Telefonats meinem Chef, der lapidar meint: “Ja, da haben sich die Qualitätsansprüche an Kandidaten, die von Personaldienstleistern kommen, offensichtlich schlagartig erhöht. Sehen wir es als Herausforderung.”

13. Oktober  2016: Kälteanlagentechniker, die Zweite

Es ist schon eine Weile her, aber dennoch bleibt mir noch ein wenig die Luft weg, wenn ich nur an das Ereignis denke. Proaktiv, wie meine Arbeit nun einmal ist, screene ich den Stellenmarkt. Ich weiß, dass einige Unternehmen und HR-Abteilungen überhaupt nicht mögen, wenn Personaldienstleister/innen sich auf ausgeschriebene Stellenangebote hin melden, aber es ist einfach nun einmal so, dass ein Stelleninserat eine Aufforderung sich zu melden ist. Ich rufe also bei einem Unternehmen im Wiener-Umland, das HKLS-Techniker/innen sucht, an. Ich will ja nichts Böses. Ganz im Gegenteil. Ich melde mich am Telefon, so höflich es mir möglich ist, versuche in zwei Sätzen mein Anliegen darzulegen und bekomme folgende Antwort: “Na… dafür habe ich keine Zeit.” Ich will den Einwand behandeln, doch erhalte die Gelegenheit nicht mehr. Es knackt in der Leitung und das Gespräch ist im wahrsten Sinne des Wortes zu Ende. Aufgelegt. Einfach aufgelegt. Es passiert sehr selten, aber es passiert. Man soll es kaum glauben. Ein anderes Unternehmen antwortet hingegen per Mail, dass man meine Kandidaten zum Vorstellungsgespräch einladen wolle. Die möglichen Termine sind bereits im Mail angegeben. So geht doch!

19. Oktober 2016: Beliebte Sätze am Telefon

Heute möchte ich einmal meine Top-3-Sätze, die ich in Recruitingabteilungen zu hören bekommen auflisten:

  1. Wir arbeiten nicht mit Personaldienstleistern zusammen und suchen selbst.
  2. Wir arbeiten bereits mit einem Personaldienstleister zusammen und da wollen wir nicht zu viele Angebote bekommen.
  3. Danke, wir suchen eigentlich keine Mitarbeiter/in mehr!

27. Oktober 2016: Zwickel- oder Brückentage

Der 26. Oktober (Staatsfeiertag) fiel in die Wochenmitte. Für viele eine feine Möglichkeit sich frei zu nehmen und einen Kurzurlaub zu planen. Nachdem in der Früh die U-Bahn verdächtig leer war, stellte ich mich auf wenig Kontaktmöglichkeiten mit der HR-Außenwelt ein. Dieser Erwartung wurde allerdings – zu meiner Freude – enttäuscht. Offenbar nutzten etliche HR-Menschen die Gunst der allgemeinen Fenstertage um den einen oder anderen Tag als Bürotag einzurichten. Ich erreichte erstaunlich viele Menschen. Allerdings bekam ich aber auch zwei bis dreimal die Auskunft, dass der zuständige krank sei. Klar bei dem Wetter. Feucht, kalt und neblig in der Früh und am Nachmittag zweistellige Temperaturen. Das bringt einen nicht nur ins Schwitzen, die Verkühlung ist vorprogrammiert. Wenn also der zuständige HR’ler krank ist, sollte es doch eine Vertretung geben, die sich auskennt. Ernüchterung machte sich breit auf meine Nachfrage nach einem vertretungs- und ansatzweise Zuständigen. “Nein, das macht Herr Mustermann und Frau Beispiel ganz alleine. Da gibt es niemanden, der Ihnen weiterhelfen kann”, war ein Satz, den ich in den letzten Tagen mehrmals zu hören bekam. Verwunderung machte sich breit. Da wird in den Stellenanzeigen immer Teamwork gefordert – wie sich heraus stellt sind Personalist/innen doch Einzelkämpfer/innen.

11. November 2016 – Wenn es zu gut läuft…

Hin und wieder hat man Glück. Oder wie es der Präsident meines Lieblingsvereins sagte: „Es gibt einen Spruch, ohne jemandem nahetreten zu wollen. Oft Glück ist Können, oft Pech ist das Gegenteil davon“. Also nehme ich einmal für mich in Anspruch, dass es doch ein bisschen Können ist, wenn in einer Woche gut ein halbes Dutzend Kandidaten bei diversen Vorstellungsgesprächen sind – oder von Kundenseite (also aus den diversen Personalabteilungen) Anfragen für unsere Kandidat/innen kommen. Mich freut sowas natürlich absolut – und unsere Kandidat/innen natürlich auch.

Allerdings kommt es vor, dass Kandidat/innen nicht mehr verfügbar sind. Die meisten fühlen sich nicht exklusiv gebunden und gehen zu mehreren Personaldienstleistern – oder bewerben sich teilweise selbst. Besonders ärgerlich ist es, wenn ein Kandidat oder eine Kandidatin von sich aus Firmen absagt respektive quasi über Nacht mitteilt, dass seine oder ihre Lebensplanung sich nun doch geändert hat und er/sie  bei der alten Firma bleibt. Zugegebn: Es ist menschlich und kann passieren. Ich fühle mich zwar dann immer irgendwie mies, wenn ich den/die Kandidat/in von meiner Seite aus absagen muss, aber es gehört zum Business. Allerdings finde ich es schade, wenn Bewerber/innen sich von einem Tag auf den anderen Tag nicht mehr melden. Wenn wiederholte Anrufe, Mails oder gar Faxe zu genau keiner Antwort führen. Ich verstehe schon, dass sich tot stellen ein tief in uns kollektiven Psyche verankertes Notfallprogramm ist. Aber ein kleines: “Tut mir leid, ich bin nicht mehr verfügbar.” bringt Klarheit und kann ungemein sympathisch rüber kommen.

Übrigens kommt dies nicht nur bei Personaldienstleister/innen vor. Ich leite auch im AMS-Kontext Lebensläufe an Unternehmen weiter. Öfters bekomme ich dann eine lapidare Meldung, dass Bewerber/innen nicht erreichbar sind oder sich einfach nicht melden. Das ist ärgerlich. Für alle Beteiligten. Also bitte liebe Bewerber/innen und Kandidat/innen: Wir freuen uns bisweilen auch über ein rechtzeitig ausgesprochenes “Nein Danke”.

22. Dezember 2016 : Vor Weihnachten geht nichts

Allgemein besteht ja das Vorurteil, dass vor Weihnachten in Personalabteilungen nichts mehr läuft und der Weihnachtsfriede besonders in der letzten Woche überall Einzug hält. Dies ist nicht zwangsläufig so. In der Woche vor Weihnachten konnte ich noch einige Vorstellungstermine erzielen (am 21. und am 30. Dezember!!), andererseits konnte das eine oder andere Projekt noch unter Dach und Fach gebracht werden, was natürlich für einige Bewerber/innen ein wunderbares Weihnachtsgeschenk zur Folge hatte. Folgenden Eintrag auf einer Website will ich Ihnen nicht vorenthalten. Eine Reinigungsfirma aus dem 22. Wiener Gemeindebezirk gibt folgenden gut gemeinten Hinweis an Personaldienstleister/innen: Information an Personalberater usw. Aus Qualitätsgründen, werden keine Mitarbeiter von Personalbereitstellungs- firmen, AMS – Vermittler usw. angenommen. Auch nicht, wenn Sie eine Förderung oder ähnliches zubietenhaben.” Da stellte sich doch zwei Fragen für mich (1) Bringen Personalbereitsteller/innen und andere Personaldienstleister/innen keine Qualität? (2) Arbeiten vor allem Betriebskontakter/innen überall mit den gleichen Schmähs? Ich werde versuchen mir den Hinweis der Reinigungsfirma zu Herzen zu nehmen. Frohes unsubventioniertes Fest für alle!

12. Jänner 2017: Neues Jahr, neues Glück

Ein Vorstellungsgespräch einer Kandidatin am 30. Dezember ! Das muss man sich einmal vorstellen. Ein weiterer Beleg dafür, dass immer und zu jeder Jahreszeit etwas geht. Gestern durfte die Kandidatin anfangen. 35 Stunden mit Aussicht auf eine Filialleitung. So beginnt das Jahr gut! So soll es sein.

13. Februar 2017: Kurzes Gespräch

Auch das kommt vor. Anruf von mir: “Sie haben ja eine Position per AMS ausgeschrieben… ist diese noch offen?” Antwort des Gegenübers: “Nein”. Frage von mir: “Brauchen Sie sonst noch etwas. Haben Sie Bedarf auf einer anderen Position?” Antwort: “Nein”. Auflegen. Schade. Vielleicht sollte ich doch weniger Entscheidungsfragen stellen…

02. Mai 2017: Der Eisberg

Es ist natürlich sehr schön, wenn man seine Bewerber/innen ein Vorstellungsgespräch organisieren kann, besonders dann, wenn das betreffende Unternehmen nicht wirklich vor hatte, mit einem Personaldienstleister zu arbeiten. Umso ärgerlicher ist es, wenn der Bewerber dann absagt – nicht weil er eine andere Position gefunden hat, sondern weil “Kleinigkeiten” nicht passen. Doch Vorsicht! Der oder die Bewerber/in hat ein wichtiges Indiz geliefert und mit hoher Wahrscheinlichkeit nur die Spitze eines Eisbergs gezeigt. Was will ich damit sagen: Wenn es wirklich nur Kleinigkeiten sind, die den oder die Bewerber/in davon abhalten den Job anzunehmen, kann man diese “Kleinigkeiten” mit dem betreffenden Unternehmen ausverhandeln. Sollten die Kleinigkeiten jedoch nur die Spitze des Eisbergs sein, lohnt es sich nachzufragen. In unserem Fall war es dann auch so: Die Kleinigkeiten waren die Spitze des Eisbergs, darunter war ein Riesenmassiv an schlechten Gefühlen, Einschätzungen und Unwohlsein. Das Nachfassen lohnte sich. Der Bewerber blieb erhalten – und wir unterstützten ihn weiter bei der Suche!

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