Daten zum Status “asylberechtigt” werden nicht erfasst…

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“Die Guten ins Töpchen, die schlechten ins Kröpfchen”… “Aschenputtel” von Alexander Zick – Märchen, Grot’scher Verlag, Berlin 1975, Gemeinfrei,

Ein kleiner Rückblick: Die Arbeitsmarktdaten  des Sozialministeriums für den Monat März 2018 weisen unter der Position “Vorgemerkte Arbeitslose” auch die Anzahl der sogenannten arbeitssuchenden “Ausländer*innen”, Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten auf. Die beiden letzten Positionen (Asyl und Schutzberechtigte) wurden noch im Februar unter einer gemeinsamen Position zusammengefasst. Die Gegenposition – nämlich die Anzahl der ausländischen, asylberechtigten und subsidiär schutzberechtigten Erwerbstätigen – fehlt zur Gänze! Auf Anfrage an das Sozialministerium, wie viele “ausländische” Menschen (aufgegliedert in besagte Gruppen) im März 2018 in Beschäftigung standen, bekam ich folgende Antwort:

“Daten zur unselbständigen Beschäftigung werden vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HV) immer zur darauffolgenden Monatsmitte veröffentlicht. Die Daten für März stehen also ab ca. Mitte April zur Verfügung. Bei den Daten zur unselbständigen Beschäftigung werden die Informationen zu den Status Asylberechtigt bzw. subsidiär Schutzberechtigt nicht erfasst, da diese nicht in vollständiger Form in den Versicherungsdaten enthalten sind (diese Kategorien betreffen inhaltlich den Aufenthaltsstatus sowie den Arbeitsmarktzugang).” (Quelle: E-Mail der Abt. VI/A/6a – Arbeitsmarktanalyse und Prognose des Sozialministeriums vom 06. April 2018)

“Können keine Auskunft geben”

Auch auf die Frage, wie viele  “geringfügige Beschäftige” sich selbst versichern würden, bekam ich eine Antwort. Ich zitiere aus demselben Mail.

“Daten zur geringfügigen Beschäftigung werden ebenfalls vom HV veröffentlicht. Leider kann das BMASGK zur Selbstversicherung dieser Personen keine Auskunft geben, hier wäre eine spezielle Anfrage und Sonderauswertung bei den Sozialversicherungsträgern erforderlich.”

Wieso eine derartige Sonderauswertung nicht automatisch gemacht wird, um jeweils alle Faktoren auf den Tisch zu legen, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings bekam ich noch einen Tipp. Ich könne ja “das Online-Datenbankabfragesystem von Arbeitsmarktinformationen „BALI“” nutzen. “Dort haben Sie auch die Möglichkeit die unselbständig Beschäftigten nach Staatsbürgerschaft auszuwerten.” Da sagt man, dass das Service in den Ministerien nicht groß geschrieben werden würde!

Äpfel und Birnen – die alte Geschichte

“Die Daten für März stehen also ab ca. Mitte April zur Verfügung.” Mit anderen Worten: Man kann eigentlich nur eine konkrete Aussage für den Februar treffen. Und wie heißt es so schön: Man soll keine Äpfel mit Birnen vergleichen. Also keine Februar-Daten in eine März-Statistik! Leider ist es dann doch nicht ganz so. In der März-Statistik der Arbeitsmarktdaten finden wir auch Februar-Werte  (Selbständige und geringfügig Beschäftigte). Diese Daten sind für den März 2018 auch noch nicht vorrätig und sollten konsequenterweise nicht aufscheinen. Aber wer will schon Äpfel mit Birnen vergleichen?

Im Februar waren 2.940.295 Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft beschäftigt. Dem gegenüber stehen 721.836 ausländische Beschäftigte. Spannend ist, dass der erste Platz dabei an die Bundesrepublik Deutschland mit 101.471 Beschäftigten geht, gefolgt von Ungarn mit 91.523 Beschäftigten. Auf Platz 3 finden wir die Türkei mit 56. 109 Beschäftigten. Bei den Arbeitslosenzahlen ist es so, dass 254.546 arbeitssuchende  sogenannten Inländer*innen, 110.104 Ausländer*innen gegenüberstehen (ohne Schulungsteilnehmer*innen). Eine weitere Unterteilung in Asylberechtigte ist mit BALI nicht möglich.

“Freie Dienstnehmer*innen”

Auch die Frage nach den “freien Dienstnehmer*innen” kann über BALI genau beantwortet werden. Im Februar (auch hier liegen keine Daten für den März 2018 vor) arbeiten 14.213 Personen als “freie Dienstnehmer*innen”. Zum Vergleich: Im Februar 2008 waren noch 25.206 Menschen als freie Dienstnehmer*innen beschäftigt. 2013 waren es 18.682 Personen. Die Zahlen sind Jahr für Jahr rückläufig und die Frage muss gestellt werden, ob diese Form des Arbeitsverhältnisses überhaupt eine Zukunft hat.

Kaum Branchen, die von “Ausländer*innen” geprägt werden…

Interessant ist in unserem Zusammenhang auch noch eine Aufschlüsslung nach Branchen. Es gibt gerade einmal zwei Branchen in denen der Anteil an “ausländischen” Arbeitssuchenden  jenen an “österreichischen” übersteigt. Es handelt sich um den wahnsinnig beliebten Bereich: “Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau”.  8102 sogenannte arbeitssuchende Inländer*innen stehen 9564 Ausländer*innen gegenüber (Wert: BALI März 2018). Dass “Gebäudebetreuung sowie Garten- und Landschaftsbau” nicht zu auf dem Karriere-Wunschzettel vieler österreichischer Jugendlicher steht, dürfte wenig überraschen. Die zweite Branche, die in absoluten Zahlen, ein ähnliches Verhältnis hat, ist jene der “Sonstigen”. Hier stehen 5.330 sogenannte inländische Arbeitslose mehr als 14.000 (14.829) sogenannten ausländischen Arbeitslosen gegenüber. Was genau unter “Sonstigen” zu verstehen ist, darüber gibt das System keine Auskunft.

Natürlich geziemt es sich auch hier den Gegencheck zu machen. In welchen Branchen arbeiten mehr “ausländische” Menschen als “inländische” Menschen? Trommelwirbel…. Traraa…

  • Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätigkeiten:  Inländer*innen: 6.128 – Ausländer*innen: 6.780
  • Beherbergung: Inländer*innen: 49.717 – Ausländer*innen: 57.497
  • Gastronomie:  Inländer*innen: 58.436 – Ausländer*innen: 61.710
  • Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau: Inländer*innen: 32.112 – Ausländer*innen: 42.113

Also auch hier keine wirkliche Überraschung. Gastronomie und Tourismus sind ja schon sehr lang dafür bekannt, dass sie kein “einheimisches Personal” mehr anlocken. Ähnliches gilt für die anderen. Alle aufgelisteten Branchen stehen im Attraktivitätsindex nicht unbedingt ganz oben. Wenn man bedenkt, dass ein Beruf wie Koch oder Köchin fast schon als Mängelberuf gilt, muss der Ball eindeutig an die Branche zurück gespielt werden.

Viele Informationen:

Die Daten, die über das BALI-System abrufbar sind, sind vielfältig. Wie ich finde sind diese Daten hinsichtlich den üblichen Stammtischgesprächen doch sehr aufschlussreich. Mein Desideratum bleibt: Vorsicht ist geboten mit der Darstellung. Sie verleitet oft zu sehr schnellen Interpretationen.


Link: BALI – Online-Datenbank Arbeitsmarkt

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