Good News: 40.000 mehr Jobs in Wien bis 2022

Foto von Climate KIC on Unsplash

Gute Nachrichten sollte man schnell in Umlauf bringen. Laut Wirtschaftskammer werden die Wiener Betriebe bis ins Jahr 2022 rund 40.000 neue Jobs schaffen. Diese Zahlen basieren auf der Bildungsbedarfsanalyse 2017, die seit 2013 jedes zweite Jahr erhoben und präsentiert wird. Das Hauptaugenmerk der Untersuchung liegt auf der Frage, welche Bildungsabschlüsse in den kommenden fünf Jahren von den Wiener Unternehmen besonders nachgefragt werden. Die Untersuchung befragte mehr als 1500 Unternehmen in allen Branchen und Sparten. Die befragten Unternehmen repräsentieren zirka 100.000 Arbeitnehmer*innen.

Wiens Unternehmen brauchen in den nächsten fünf Jahren zusätzliche 40.000 Mitarbeiter*innen. Besonders gefragt sind HTL- und Fachhochschulabsolvent*innen mit einem speziellen Augenmerk auf Fremdsprachenkompetenzen.

Auch österreichweit sei der Trend positiv: Der KURIER berichtete Anfang September, dass in ganz Österreich bis Ende 2021 228.000 neue Jobs geschaffen werden würden –  und die Arbeitslosigkeit fallen würde:

“Eine Prognose des Synthesis-Instituts im Auftrag des AMS, die dem KURIER vorliegt,  geht sogar bis einschließlich 2021 von einer sinkenden Arbeitslosigkeit aus. Bis 2021 dürfte die Quote demnach auf 8 Prozent sinken. Hauptgrund ist die anziehende Konjunktur in und um Österreich: Die Nachfrage der Unternehmen steige daher rascher als das Angebot an Arbeitskräften. So werde der Personalbedarf heimischer Unternehmen bis dahin um 228.000 Menschen zunehmen, was zu einem Rückgang der Arbeitslosen um 28.100 Personen führen könnte.”

Dauerbrenner: Lehrstellen

Der Bedarf an Lehrlingen wird laut der Bildungsbedarfsanalyse steigen. Dies liegt vor allem daran, dass Lehrstellen nicht besetzt werden können, da “geeignete” Lehrlinge fehlen. Insgesamt sind die Zahlen bei der Lehrlingsfrage sehr unterschiedlich. Knapp 10 Prozent der befragten Unternehmen sprechen sogar davon, dass es ein Überangebot an Lehrlingen gäbe, 34 Prozent sprechen von zu wenig passenden Lehrlingen. Dies erklärt vielleicht warum 2016  in Wien alleine 600 Lehrstellen nicht besetzt wurden. Den 600 unbesetzten Lehrstellen stehen 16.800 Lehrlinge in 4000 Betrieben gegenüber. In diesem Zusammenhang monieren die Vertreter*innen der Wirtschaftskammer, zum wiederholten Male, fehlende Kenntnisse bei den Basiskompetenzen wie Lesen, Rechnen etc. Auch das Polytechnikum wird in diesem Zusammenhang kritisiert.

Da verwundert es nur wenig, dass knapp 50 Prozent der befragten Betriebe glauben, dass Lehrlinge aus den Bundesländern besser seien, als jene in Wien. Diese These ist angesichts der Zusammenstellung der Nationalmannschaft der Jungfacharbeiter*innen für die diversen World und Euroskills nicht ganz von der Hand zu weisen.

Positiv ist noch zu vermerken, dass das Stichwort “Karriere mit Lehre” weit mehr ist als eine charmante Floskel. In 29 Prozent der Fälle würden ehemalige Lehrlinge Führungsaufgaben übernehmen.

Welche Lehrberufe werden nachgefragt?

Mit Ausnahme der Branche “Transport und Verkehr” steigt die Nachfrage nach Lehrlingen in allen Bereichen. Besonders erfreulich ist, dass man in den Sparten Industrie, Handel und Information resp. Consulting mit einem Plus von über 20 Prozent rechnet. In absoluten Zahlen ist das Gewerbe jener Zweig mit dem stärksten Anstieg. Immerhin rechnet man mit einem Plus von 143 Lehrlingen in den nächsten Jahren.

Quelle: Bildungsbedarfsanalyse 2017 / WKO

Karriere mit AHS-Matura?

AHS-Absolvent*innen haben nach wie vor ihre Chance auf dem Arbeitsmarkt. Überbewerten solle man die Matura allerdings nicht. Die AHS-Matura alleine reiche heute kaum mehr aus, um einen Job zu finden. Die Studie formuliert diesen Sachverhalt relativ drastisch:

“Absolventen von allgemeinbildenden höheren Schulen sollten nicht damit rechnen, dass sie in den Wiener Betrieben Arbeitsplätze vorfinden, die ihre Ausbildung voraus setzen und somit die Betriebe Arbeitsplätze ausdrücklich für sie vorgesehen haben. Lediglich 22% (2015: 16%) der Unternehmen geben an, dass es Posten gibt, deren Stellenbeschreibung explizit einen Absolventen dieses Schultyps vorsieht. 18% der Betriebe planen in 3 bis 5 Jahren mehr Absolventen von allgemeinbildenden höheren Schulen zu beschäftigen, 7% planen die Einstellung von weniger AHS Absolventen. Diese „Bilanz“ für AHS-Maturanten lässt sich aber aus Sicht der Personalisten der Betriebe durch ein Technikstudium verbessern.” (Bildungsbedarfanalyse 2017; Seite23)

Die Kombination aus AHS-Matura (aufgrund der vermittelten Allgemeinbildung) mit  einem anschließenden Technik-Studium seien eine gute Kombination und ein ziemlicher Jobgarant. Da die Matura alleine nicht reicht, denkt die Wirtschaftskammer laut darüber nach,  Maturant*innen den Zugang zu einer verkürzten Lehre zu erleichtern.  Somit würde die Lehre für Absolvent*innen einer allgemein höheren Bildungsanstalt sicherlich schmackhafter.

Hoffnung für ungelernte Kräfte – und hohe Nachfrage nach FH-Kräften

Aber auch für ungelernte Kräfte besteht Hoffnung. Die Bildungsbedarfsanalyse verzeichnet in den nächsten 5 Jahren ein Plus von 2,9 Prozent in diesem sehr speziellen Sektor. Dies würde bedeuten, dass ein Bedarf von knapp 3.300 zusätzlichen Kräften für ungelernte Tätigkeiten besteht. Bedenkt man, dass Flüchtlinge sehr oft zu den ungelernten Kräften gehören, kann man hier von einer sehr guten Nachricht sprechen. Es verwundert nicht, dass die FH-Absolvent*innen die am stärksten nachgefragte Gruppe sind. Hier rechnet man mit einem Plus von 20,2 Prozent, was 6.600 zusätztliche Mitarbeiter*innen mit FH-Abschluss bedeuten würde.

Macht uns die Automatisierung einen Strich durch die Rechnung?

Parallel zu diesen erfreulichen Berichten und Zahlen tauchen in letzter Zeit verstärkt Berichte und Studien auf, die nahelegen, dass eine zunehmende Automatisierung und Digitalisierung einen großen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben werden. Das Onlinemedium “Addendum” greift – wie viele andere – eine aktuelle IHS-Studie auf:

“Laut IHS wackeln 360.000 Arbeitsplätze. Eine Zahl, die nach unseren Einschätzungen womöglich zu niedrig angesetzt ist. Wendet man die Ergebnisse des IHS nämlich auf die Lohnsteuerstatistiken an, die alle Fälle auflistet, in denen im Jahr 2015 Lohnsteuer gezahlt wurde, zeigt sich, dass rund 432.000 Arbeitsplätze von Automatisierung bedroht sind. Zur Einordnung der Dimension: Im Oktober 2017 waren etwa 316.000 Personen in Österreich arbeitslos.” (addendum: Automatisierung)

Es ist natürlich interessant, dass die verstärkte Digitalisierung und Automatisierung ein Mehr an Informatiker*innen und Ingenieur*innen benötigt. Dies wird sowohl von IHS als auch von der Bildungsbedarfsstudie bestätigt. In den beiden genannten Bereichen herrsche schon jetzt ein Unterangebot von 36 Prozent (Informatik) respektive zirka 41 Prozent bei den Ingenieur*innen. Gerade das Thema Automatisierung zeigt, dass der Arbeitsmarkt in Wien, aber auch in Österreich, immer dynamischer wird. Neue Fragen zur Arbeitsplatzsicherung, zur Aus-und Weiterbildung, aber auch zur Arbeitslosigkeit und zum Thema Lohnarbeit an sich werden uns in den nächsten Jahren beschäftigen.

1 Response

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.