Weniger Strafe bei Nicht/Falschanmeldung von Mitarbeiter*innen – und weitere Änderungen

Die FPÖVP-Regierungsparteien beschlossen mit den Budgetbegleitgesetzen einige Gesetze, die den Bereich des Sozialversicherungsrechts betreffen. So fielen (vorerst) am 17. April 2018 die  Obergrenzen für Verwaltungsstrafbestimmungen bei Meldeverstößen der Arbeitgeber*innen bei der zuständigen Gebietskrankenkasse zu “deckeln”.  Bisher wurden diese Strafen kumuliert.

Welche Meldungen sind betroffen:

Jede*r Arbeitgeber*in muss bei Dienstantritt die neuen Arbeitnehmer*innen bei der Gebietskrankenkasse anmelden. Dies ist auch bei der Beendigung des Dienstverhältnisses nötig. Außerdem muss eine sogenannte  monatliche Beitragsgrundlagenmeldung an die GKK erfolgen.

Die Beitragsgrundlagenmeldung

Die Beitragsgrundlagenmeldung dient zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge. Es handelt sich als um die Verdienst-Meldung für jede*n Arbeitnehmer*in. Ab 01. 01. 2019 muss diese Meldung monatlich erfolgen. Neu beschlossen wurde eine Übergangsfrist bis 31. August 2019. Somit können die Unternehmen leichter umstellen, ohne von der zuständigen Sozialversicherungsanstalt gestraft zu werden. Außerdem muss die Meldung erst bis zum 7. des jeweiligen Monats erfolgen (O-Ton: „Für Versicherte nach § 4 Abs. 4 kann die Meldung der nach § 44 Abs. 8 ermittelten Beitragsgrundlage bis zum Siebenten des der Entgeltleistung folgenden Kalendermonats erfolgen.“)

Was ändert sich? Wenn der Versicherungsträger auf Verstöße gegen die Meldepflichten des/der Arbeitgeber*in kam, wurde es meistens teuer (Kumulationsprinzip). Die Strafen wurden für jeden Fall, der beanstandet wurde, zusammen gerechnet. Auch im Wiederholungsfall galten höhere Sätze.  Dies wurde nun durch den Beschluss der Regierung geändert.  Ab sofort gibt es einen Deckel von maximal 885 Euro. Die Wirtschaft feiert diese Novelle als Erleichterung im Bereich Lohnnebenkosten, die Arbeitnehmer*innenseite warnt vor Sozialmissbrauch. Allerdings wurde in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Sozialsprecher*innen der FPÖVP stellten “Nachschärfungen” in Aussicht ( ORF ). Das Gesetz in der beschlossenen Form tritt erst mit Jänner 2019 in Kraft. Wir sind also gespannt, was noch an Neuerungen auf uns zukommt. Dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf den Status Quo des Sozialversicherungsgesetzes.

Der Gesetzestext

Im § 114 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 79/2015 wird nach Abs. 6 folgender Abs. 6a eingefügt: „(6a) Erreicht die Summe der nach den Abs. 2, 3 und 6 angefallenen Säumniszuschläge in einem Beitragszeitraum (§ 34 Abs. 2) je Versicherungsträger das Fünffache der Höchstbeitragsgrundlage (§ 45 Abs. 1), so sind damit alle diesbezüglichen Meldeverstöße pauschal abgegolten.“ Die tägliche Höchstbeitragsgrundlage beträgt derzeit 171 Euro, daraus hätte sich die Strafdeckelung bei 855 Euro ergeben.

Auch der nächste Paragraf wurde genauer definiert. Bisher hieß es nur, dass die Säumniszuschläge zur Gänze oder zum Teil erlassen werden können – ohne zu definieren in welchen Fällen eine derartige Nachsicht zutrifft. Hier ist eine Anpassung erfolgt.

7. § 114 Abs. 7 in der Fassung des Bundesgesetzes BGBl. I Nr. 79/2015 lautet: „(7) Der Versicherungsträger kann in den Fällen des Abs. 1 unter Berücksichtigung der Art des
Meldeverstoßes, der wirtschaftlichen Verhältnisse des Beitragsschuldners/der Beitragsschuldnerin, des Verspätungszeitraumes und der Erfüllung der bisherigen Meldeverpflichtungen auf den Säumniszuschlag zur Gänze oder zum Teil verzichten oder den bereits entrichteten Säumniszuschlag rückerstatten.“

Alexandre Jacovleff [Public domain or Public domain], via Wikimedia Commons

ACHTUNG: Die Beitragszuschläge nicht unerwähnt lassen

In der Diskussion geht allerdings unter, dass die unter §113 vermerkten “Beiträgszuschläge” unberührt bleiben. Während die “Säumniszuschläge” tatsächlich als Strafe zu verstehen sind, werden im Falle einer Falsch- oder Zuspätanmeldung auch “Beitragszuschläge” verrechnet. Mit diesen wird der sogenannte Prüfeinsatz abgegolten; mit anderen Worten es werden die Kosten für die gesonderte Bearbeitung und für den Prüfeinsatz extra verrechnet. Diese Kosten setzen sich im Wesentlichen wie folgt zusammen.

  • Teilbetrag für die gesonderte Bearbeitung: € 500,– je nicht vor Arbeitsantritt angemeldeter Person
  • Teilbetrag für den Prüfeinsatz: € 800,-
  • Nur in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen können diese Beträge gesenkt werden oder entfallen.

Erleichterung: Bonus-Malus-Meldungen entfallen

Neben den gesetzlichen Regelungen zum Bonus-Malus-Modell können nun auch die damit verbundenen administrativ aufwendigen Auswertungs-, Informations-, Beratungs- und Berichtspflichten zur Beschäftigung Älterer entfallen.

Altersteilzeit und Wiedereingliederungsbeihilfe sowie “Aktion 20.000”

Das Eintrittsalter für die sogenannte Altersteilzeit wird in zwei Stufen um jeweils ein Jahr angehoben. Die Altersteilzeit wird damit dem Regelpensionsalter angenähert. Derzeit liegt das ehestmögliche Antrittsalter bei 58 Jahren für Männer und 53 für Frauen, ab 2020 wird es bei 60 bzw. 55 Jahren liegen. Das Sozialministerium erwartet sich dadurch um 40% weniger Zustrom in die Altersteilzeit. Dies bringt natürlich auch Einsparungen beim AMS mit sich, da die Altersteilzeit ja teilweise vom AMS mitgetragen wird. Die Möglichkeit der Altersteilzeit soll Unternehmen dazu bewegen, ältere Mitarbeiter*innen länger in Beschäftigung zu halten.  Stichwort: “Ältere Beschäftigte”. Anstatt bis zu 779 Mio. € sind für die “Aktion 20.000” – bis zum Ende der Aktion Mitte Juni 2019 – nur noch 185 Mio. € vorgesehen, wobei das Sozialministerium von 4.400 geförderten Beschäftigungsverhältnissen ausgeht.  Allerdings muss man dazu sagen, dass die Arbeitsplätze, die von der Aktion 20.000 geschaffen nicht unbedingt in der Privatwirtschaft entstanden.

Auch werden die Mittel für die Wiedereingliederungsbeihilfen für ältere bzw. langzeitarbeitslose Personen durch das AMS gekürzt, womit ein wichtiger Anreiz ältere oder langzeitarbeitslose Personen aufzunehmen wegfällt. Die Mittel für das verpflichtende Integrationsjahr für Flüchtlinge werden von bis zu 100 Mio. € auf maximal 50 Mio. € halbiert.


Quelle: Parlamentskorrespondenz

 

“Der Medienmarkt in Österreich ist tot”

Dominik Leitner (c) Andreas Edler

“Der Medienmarkt zeichnet sich durch seine Perspektivenlosigkeit aus”. Eine starke Ansage, die jedoch nur auf den ersten Blick übertrieben ist. Durch die digitale Revolution wurde die Medienlandschaft deutlich verändert. Blogs konkurrieren/ergänzen klassische Printmedien. Die Grenzen zwischen Reportage, Werbung und Produktbeschreibung werden vor allem durch die Arbeit vieler Blogger*innen fließender. Daneben erreichen uns immer wieder Meldungen, dass die Blogger*innen die neuen Superstars der Medienszene sind. whatelsen.work interviewte einen der es wissen muss. Dominik Leitner, geboren 1988,  ist Autor, Texter und Blogger. Er arbeitet als (freier) Journalist und Blogger in Wien, absolvierte die FH für Journalistik  und ist in der glücklichen Lage seiner Berufung nachzugehen.

whatelsen: Herr Leitner. Danke für Ihre Bereitschaft ein wenig über Ihren Beruf zu erzählen. Sie bezeichnen sich als “leidenschaftlicher Wortarchitekt [und] als Texter, Journalist und Autor.” Was sind Sie denn nun genau? Was ist Beruf und was ist Berufung?

Dominik Leitner: Ich arbeite mit Worten – das sehe ich als meine große Berufung an. Es kommt natürlich auf die Definition des Begriffs an: Für mich bedeutet Berufung, dass ich etwas, für das ich talentiert bin und das ich leidenschaftlich gerne mache, auch in meiner Arbeit anwenden kann und damit versuche etwas Gutes zu tun. Da ich als (freier) Journalist arbeite, literarische Texte schreibe, sie in Lesungen präsentiere und auf der Suche nach einem Verlag bin und meinen Lebensunterhalt damit verdiene, als Texter kreativ zu arbeiten, scheinen sich hier Beruf und Berufung fast deckungsgleich übereinander zu legen. Um es genauer zu sagen: Mein aktueller Beruf bzw. Job finanziert mir das Leben und meine Berufung regelmäßig journalistisch und literarisch zu arbeiten.

whatelsen: Sie haben auf der FH “Journalismus und neue Medien” studiert. Der Journalismus galt früher einmal als Quereinsteiger*innenbranche. Ist das noch immer so? Oder bedarf es mittlerweile einer universitären Ausbildung?

Dominik Leitner: Ich denke, dass auch heute noch viele Medien auf der Suche nach Personen sind, die “nicht nur” Journalismus studiert haben. Es reicht, wenn man auf einem Gebiet ein Experte ist, interessante Menschen auf diesem Gebiet kennt und natürlich auch ein Talent darin hat, Geschichten zu erzählen (ganz egal ob als Text, Radio-Reportage oder TV-Beitrag).

Als ich meine ersten Schritte im professionellen Journalismus machte, beim Online-Politikmagazin neuwal.com, war ich von meinem Journalismus-Studium noch weit entfernt. Aber das Interesse an der österreichischen Politik und an Wahlen, die Bereitschaft Neues zu lernen und manchmal auch etwas auszuprobieren, hat mir das Gefühl gegeben, sehr viel “on the job” zu erlernen. Das Studium hat sich für mich dann vor allem ausgezahlt, um neue Bereiche kennenzulernen: Dabei habe ich zum Beispiel erfahren, dass auch das Medium Radio sehr spannend für mich ist.

Kurz gesagt: Will man Journalist*in werden, braucht man kein Journalismus-Studium. Da ist es viel eher sinnvoll, etwas anderes zu studieren und sich dabei Expertenwissen anzueignen. Aber ich würde um nichts in der Welt die spannenden, lehrreichen Stunden im Studium missen wollen.

whatelsen: Wie würden Sie die Jobperspektiven für Journalist*innen in Österreich beschreiben?

Dominik Leitner: Fast alle unsere Dozent*innen haben gleich zu Beginn erklärt, dass der Medienmarkt in Österreich tot sei. Wir sollten es als Warnung verstehen – und gerade weil zwei Fachhochschulen jährlich Hunderte “fertige” Journalist*innen in die Welt entlassen, zeigen die Medien, die unter Auflagenschwund leiden, ein deutliches Sättigungsgefühl.  Der österreichische Medienmarkt zeichnet sich grundsätzlich durch seine Perspektivenlosigkeit aus. Was es braucht, sind innovative, moderne Konzepte. Doch dafür fehlt oftmals die Finanzierung. Das ist ein Grund, warum viele junge Journalisten “frei” arbeiten: Nicht unbedingt, weil sie die Freiheit genießen, in verschiedenen Medien zu publizieren, sondern weil sie keine Fixanstellung in einem Medienhaus bekommen.

whatelsen: Sie bezeichnen sich auch als Texter? Sind Texter*innen und Journalist*innen nicht komplett verschiedene Berufe? Auch hinsichtlich der persönlichen Einstellung und der Ethik?

Dominik Leitner: Vielleicht sollte ich genauer erklären, wie meine Texter-Tätigkeit aussieht: Ich entwickle Geschichten für interaktive Szenarien. Dabei handelt es sich oftmals um Auftragsarbeiten von Unternehmen, die diese Szenarien firmenintern nutzen. Als ich den Job vor einem halben Jahr angenommen habe, war es mir wichtig, dass es sich dabei nicht um einen Marketing-Job handelt, sondern um eine kreative Arbeit. Und nach sechs Monaten kann ich bestätigen, dass ich nicht fälschlicherweise einen Job als Werbetexter angenommen habe.

Deshalb sehe ich dabei kein großes Problem zwischen meiner Arbeit als Texter und jener als Journalist. Es versteht sich natürlich, dass ich keinerlei journalistische Geschichten über Unternehmen mache, für welche ich gearbeitet habe. Es soll zwischen der einen Welt und der anderen keine Überschneidungspunkte geben. So können sie beide schön nebeneinander bestehen.

whatelsen: Kommen wir zu Ihren Blogs… Sie schreiben gleich für mehrere Blogs und haben mit einigen Beiträgen sogar einen gewissen Bekanntheitsgrad erzielt? Wie kam es dazu?

Dominik Leitner: Seit ich das allererste Mal in der dritten Klasse Gymnasium (im Jahr 2000) mit dem Internet in Berührung kam, war ich fasziniert von der unendlichen Fülle an Inhalten. Meinen ersten richtigen Blogbeitrag schrieb ich schließlich im Dezember 2005 und habe mir im Laufe der Jahre zwei Standbeine aufgebaut: Einerseits dominikleitner.com, mein privater Blog, in welchem ich mich mit Medien, der Medienkrise und der Arbeit als Journalist beschäftige. Andererseits neonwilderness.net, meinem literarischen Blog, in dem, neben meinen eigenen Texten, auch Buchrezensionen, Interviews und Leseempfehlungen zu finden sind.

Die beiden reichweitenstärksten Geschichten habe ich auf dominikleitner.com veröffentlicht. Der Text “Warum ich in St. Pölten wohne, obwohl St. Pölten ja St. Pölten ist”  war eine kleine Liebeserklärung an eine Stadt, die oftmals selbst von ihren eigenen Einwohner*innen nicht geliebt wird. Doch offenbar haben sich dadurch viele verstanden gefühlt. Innerhalb kurzer Zeit ging der Beitrag viral und wurde allein auf Facebook über 2.000 Mal “geliked”. Nach einer Woche hatten über 15.000 Menschen den Beitrag gelesen – eine bislang unbekannte Reichweite.

Die zweite erfolgreiche Geschichte beschäftigte sich mit einem noch persönlicheren Thema: Ich war aufgrund der schwierigen Jobsuche für ein halbes Jahr auf Mindestsicherung angewiesen. Diese Erfahrung habe ich in einem Beitrag mit dem Titel “Wenn Plan A nicht gelingt” verarbeitet, weil damals vor allem die ÖVP und alle Boulevardmedien nur zu gern von den faulen Schmarotzer*innen schrieben.

Ich wollte hingegen aufzeigen, wie wichtig die Mindestsicherung fürs Überleben ist und wie bescheiden es sich anfühlt, darauf angewiesen zu sein. Auch hier wurde mein Beitrag, zuerst vor allem in der Journalismus-Szene auf Twitter aktiv geteilt, bis schließlich der damalige Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) diesen Beitrag auf seiner Facebookseite veröffentlichte. Wie ich später von einer Verantwortlichen seiner Social-Media-Kanäle erfuhr, tat er dies sogar wirklich persönlich. Damit übertraf ich schließlich sogar den St. Pölten-Text: Rund 16.000 Menschen lasen diese Geschichte.

Ich glaube, das Geheimrezept für solche “Erfolge” gefunden zu haben: Beide Texte kamen von Herzen; sie waren mir ein Anliegen und zudem sehr persönlich und sie wurden nicht tage- oder wochenlang überarbeitet, sondern kurz nach Fertigstellung gleich veröffentlicht. Und dann braucht es auch noch diese kleine Prise Glück, von den richtigen Menschen geteilt zu werden. Planen kann man so eine “Viralität” hingegen nicht.

whatelsen: Stichwort “Viralität” und “teilen”: Wir lesen immer wieder über Blogger*innen, die viel Geld verdienen. Es gibt sogar eine neue Berufsbezeichnnung: Influencer*innen. Wie sehen Sie das Thema aus der Praxis?

Dominik Leitner: Ich fühle mich dabei schon wie ein alter Mann, der die Jugend offenbar nicht mehr versteht: Für mich stand bei meiner Arbeit mit den Blogs vor allem die Leidenschaft des Schreibens im Vordergrund und der Wunsch, gelesen zu werden. Dass es hingegen Menschen gibt, die damit wirklich ihr Geld verdienen (und teilweise sogar sehr gut davon leben können), habe ich lange gar nicht bemerkt. Heutzutage halte ich es für fatal, dass für zahlreiche junge Menschen die Idee, mit einem Mode-Beauty-Lifestyle-Blog Geld zu verdienen, der Hauptgrund ist, überhaupt erst damit anzufangen.

Indem man eine große Reichweite aufbaut, mit welchen Mitteln auch immer und den Follower*innen dann in bezahlten Beiträgen erklärt, dass das neue Make-Up dieser oder jener Firma so verdammt gut ist (und es das vielleicht gar nicht ist), verkauft man mit jedem einzelnen Beitrag ein Stück mehr seiner Seele. Für die Werbenden ist es natürlich von Vorteil: Die “Influencer*innen” sind “echte Menschen”, zu denen die junge Zielgruppe aufschaut – welche Verantwortung diese Influencer*innen haben, wissen sie dabei  aber oft selbst nicht.

Wobei ich jedoch betonen muss: Es gibt sie, die guten Influencer*innen. Und das sind oftmals auch die Erfolgreichsten.

whatelsen: Was würden Sie jungen Menschen raten, die sagen: So ich werde Blogger*in?

Dominik Leitner: Tu es! Überlege, worüber du schreiben könntest – gibt es einen Bereich, in dem du vielleicht mehr weißt als viele andere? Stelle den Wunsch, damit reich zu werden, erstmal hinten an. Beginne regelmäßig die großen Blogs zu lesen, um von den Besten zu lernen. Und lass dich überraschen, was auf dich zukommt. Wenn du dann noch einen Blog erstellen willst -das geht innerhalb weniger Sekunden und kostet gar nichts – dann tu es!

whatelsen: Herzlichen Dank für die tollen Einblicke und viel Erfolg!

Dominik Leitner: Gern geschehen.


Die Serie “Berufseinblicke” präsentiert Interviews mit Menschen, die mit beiden Beinen fest im Berufsleben stehen. Mit dieser kleinen Serie bietet “whatelsen.work” wertvolle Einsichten und Einblicke in den beruflichen Alltag, fernab von Berufsinformationssystemen und allgemeinen Branchenbeschreibungen. Denn nichts ist spannender als der gelebte berufliche Alltag.


Folgende “Berufseinblicke” sind bisher erschienen:

Daten zum Status “asylberechtigt” werden nicht erfasst…

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6329982

“Die Guten ins Töpchen, die schlechten ins Kröpfchen”… “Aschenputtel” von Alexander Zick – Märchen, Grot’scher Verlag, Berlin 1975, Gemeinfrei,

Ein kleiner Rückblick: Die Arbeitsmarktdaten  des Sozialministeriums für den Monat März 2018 weisen unter der Position “Vorgemerkte Arbeitslose” auch die Anzahl der sogenannten arbeitssuchenden “Ausländer*innen”, Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten auf. Die beiden letzten Positionen (Asyl und Schutzberechtigte) wurden noch im Februar unter einer gemeinsamen Position zusammengefasst. Die Gegenposition – nämlich die Anzahl der ausländischen, asylberechtigten und subsidiär schutzberechtigten Erwerbstätigen – fehlt zur Gänze! Auf Anfrage an das Sozialministerium, wie viele “ausländische” Menschen (aufgegliedert in besagte Gruppen) im März 2018 in Beschäftigung standen, bekam ich folgende Antwort:

“Daten zur unselbständigen Beschäftigung werden vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HV) immer zur darauffolgenden Monatsmitte veröffentlicht. Die Daten für März stehen also ab ca. Mitte April zur Verfügung. Bei den Daten zur unselbständigen Beschäftigung werden die Informationen zu den Status Asylberechtigt bzw. subsidiär Schutzberechtigt nicht erfasst, da diese nicht in vollständiger Form in den Versicherungsdaten enthalten sind (diese Kategorien betreffen inhaltlich den Aufenthaltsstatus sowie den Arbeitsmarktzugang).” (Quelle: E-Mail der Abt. VI/A/6a – Arbeitsmarktanalyse und Prognose des Sozialministeriums vom 06. April 2018)

“Können keine Auskunft geben”

Auch auf die Frage, wie viele  “geringfügige Beschäftige” sich selbst versichern würden, bekam ich eine Antwort. Ich zitiere aus demselben Mail.

“Daten zur geringfügigen Beschäftigung werden ebenfalls vom HV veröffentlicht. Leider kann das BMASGK zur Selbstversicherung dieser Personen keine Auskunft geben, hier wäre eine spezielle Anfrage und Sonderauswertung bei den Sozialversicherungsträgern erforderlich.”

Wieso eine derartige Sonderauswertung nicht automatisch gemacht wird, um jeweils alle Faktoren auf den Tisch zu legen, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings bekam ich noch einen Tipp. Ich könne ja “das Online-Datenbankabfragesystem von Arbeitsmarktinformationen „BALI“” nutzen. “Dort haben Sie auch die Möglichkeit die unselbständig Beschäftigten nach Staatsbürgerschaft auszuwerten.” Da sagt man, dass das Service in den Ministerien nicht groß geschrieben werden würde!

Äpfel und Birnen – die alte Geschichte

“Die Daten für März stehen also ab ca. Mitte April zur Verfügung.” Mit anderen Worten: Man kann eigentlich nur eine konkrete Aussage für den Februar treffen. Und wie heißt es so schön: Man soll keine Äpfel mit Birnen vergleichen. Also keine Februar-Daten in eine März-Statistik! Leider ist es dann doch nicht ganz so. In der März-Statistik der Arbeitsmarktdaten finden wir auch Februar-Werte  (Selbständige und geringfügig Beschäftigte). Diese Daten sind für den März 2018 auch noch nicht vorrätig und sollten konsequenterweise nicht aufscheinen. Aber wer will schon Äpfel mit Birnen vergleichen?

Im Februar waren 2.940.295 Menschen mit österreichischer Staatsbürgerschaft beschäftigt. Dem gegenüber stehen 721.836 ausländische Beschäftigte. Spannend ist, dass der erste Platz dabei an die Bundesrepublik Deutschland mit 101.471 Beschäftigten geht, gefolgt von Ungarn mit 91.523 Beschäftigten. Auf Platz 3 finden wir die Türkei mit 56. 109 Beschäftigten. Bei den Arbeitslosenzahlen ist es so, dass 254.546 arbeitssuchende  sogenannten Inländer*innen, 110.104 Ausländer*innen gegenüberstehen (ohne Schulungsteilnehmer*innen). Eine weitere Unterteilung in Asylberechtigte ist mit BALI nicht möglich.

“Freie Dienstnehmer*innen”

Auch die Frage nach den “freien Dienstnehmer*innen” kann über BALI genau beantwortet werden. Im Februar (auch hier liegen keine Daten für den März 2018 vor) arbeiten 14.213 Personen als “freie Dienstnehmer*innen”. Zum Vergleich: Im Februar 2008 waren noch 25.206 Menschen als freie Dienstnehmer*innen beschäftigt. 2013 waren es 18.682 Personen. Die Zahlen sind Jahr für Jahr rückläufig und die Frage muss gestellt werden, ob diese Form des Arbeitsverhältnisses überhaupt eine Zukunft hat.

Kaum Branchen, die von “Ausländer*innen” geprägt werden…

Interessant ist in unserem Zusammenhang auch noch eine Aufschlüsslung nach Branchen. Es gibt gerade einmal zwei Branchen in denen der Anteil an “ausländischen” Arbeitssuchenden  jenen an “österreichischen” übersteigt. Es handelt sich um den wahnsinnig beliebten Bereich: “Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau”.  8102 sogenannte arbeitssuchende Inländer*innen stehen 9564 Ausländer*innen gegenüber (Wert: BALI März 2018). Dass “Gebäudebetreuung sowie Garten- und Landschaftsbau” nicht zu auf dem Karriere-Wunschzettel vieler österreichischer Jugendlicher steht, dürfte wenig überraschen. Die zweite Branche, die in absoluten Zahlen, ein ähnliches Verhältnis hat, ist jene der “Sonstigen”. Hier stehen 5.330 sogenannte inländische Arbeitslose mehr als 14.000 (14.829) sogenannten ausländischen Arbeitslosen gegenüber. Was genau unter “Sonstigen” zu verstehen ist, darüber gibt das System keine Auskunft.

Natürlich geziemt es sich auch hier den Gegencheck zu machen. In welchen Branchen arbeiten mehr “ausländische” Menschen als “inländische” Menschen? Trommelwirbel…. Traraa…

  • Landwirtschaft, Jagd und damit verbundene Tätigkeiten:  Inländer*innen: 6.128 – Ausländer*innen: 6.780
  • Beherbergung: Inländer*innen: 49.717 – Ausländer*innen: 57.497
  • Gastronomie:  Inländer*innen: 58.436 – Ausländer*innen: 61.710
  • Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau: Inländer*innen: 32.112 – Ausländer*innen: 42.113

Also auch hier keine wirkliche Überraschung. Gastronomie und Tourismus sind ja schon sehr lang dafür bekannt, dass sie kein “einheimisches Personal” mehr anlocken. Ähnliches gilt für die anderen. Alle aufgelisteten Branchen stehen im Attraktivitätsindex nicht unbedingt ganz oben. Wenn man bedenkt, dass ein Beruf wie Koch oder Köchin fast schon als Mängelberuf gilt, muss der Ball eindeutig an die Branche zurück gespielt werden.

Viele Informationen:

Die Daten, die über das BALI-System abrufbar sind, sind vielfältig. Wie ich finde sind diese Daten hinsichtlich den üblichen Stammtischgesprächen doch sehr aufschlussreich. Mein Desideratum bleibt: Vorsicht ist geboten mit der Darstellung. Sie verleitet oft zu sehr schnellen Interpretationen.


Link: BALI – Online-Datenbank Arbeitsmarkt

Arbeitslosenstatistik: Ein Werkzeug mit dem sorgsam umgegangen werden soll…

Arbeitslosenstatistik: Ein Werkzeug mit dem sorgsam umgegangen werden soll…

Es ist schon fast ein Art Zeremoniell. Pünktlich zu Monatsbeginn werden die aktuellen Arbeitsmarktdaten veröffentlicht. Sie sind nicht nur ein wichtiger Gradmesser für die Arbeitsmarktpolitik, sondern auch für die Stimmung im Land. Sie sind das Futter für viele Stammtischdiskussionen und der Stoff aus denen Nachrichten gemacht werden.

Mit Statistiken kann man alles beweisen…

Ein altbekannter Spruch, der jedoch immer wieder dazu animiert, einen genauen Blick auf die Zahlen zu werfen. Einige  Medien geben sich zufrieden die Zahlen aus der Pressemitteilung des Sozialministeriums zu veröffentlichen. Nur selten werden die Zahlen hinterfragt oder weitgehend erläutert.

Die Arbeitslosigkeit sinkt. Ein relatives Novum ist es jedoch, dass die Arbeitslosenzahlen auch nach “Inländer*innen” und “Ausländer*innen” aufgeschlüsselt werden. Die Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten (also jene, denen vereinfacht formuliert, ein vorläufiges Bleiberecht zuerkannt wurde) werden sogar eigens aufgeführt. Was das Sozialministerium jedoch nicht anführt, ist, wie viele “ausländische” Menschen in einem geregelten Dienstverhältnis stehen – und somit ihre Steuern und Sozialabgaben zahlen.  Es werden zwar auch die “Unter-25-und-über-50”-Jährigen ausgewiesen, nur hier wird auf eine Differenzierung zwischen Aus- und Inländer*innen in der Darstellung verzichtet. Eine diesbezügliche Anfrage wurde an das Sozialministerium gestellt. Die Antwort finden Sie in meinem Beitrag: Daten zum Statusasylberechtigt” werden nicht erfasst…)

Beschäftigungslos / Langzeitarbeitslos

Diese beiden Werte bedürfen der Erläuterung. In Österreich sind laut aktueller Statistik 53.394 Personen langzeitarbeitlos (über 12 Monate) und 109.864 Personen langzeitbeschäftigungslos gemeldet.

Laut AMS “werden Personen, die über 365 Tage arbeitslos gemeldet sind, als langzeitarbeitslos gezählt. Unterbrechungen bis 28 Tage (zum Beispiel durch kurze Schulungen, Krankenstand oder kurze Beschäftigungsepisoden) werden nicht berücksichtigt.” Im Umkehrschluss werden längere Unterbrechungen sehr wohl berücksichtigt. Im Gegensatz zu den langzeitarbeitslosen Personen sind die langzeitbeschäftigungslosen Personen spannend. Hier werden auch die unterschiedlichen “Episoden” – wie das AMS sich ausdrückt – zusammengerechnet.  “Für deren Erfassung werden Episoden von sechs unterschiedlichen Arbeitsmarkt-Status, darunter Arbeitslosigkeit, Lehrstellensuche und Schulungen, zu einem „Geschäftsfall“ zusammengefasst, und dieser wird erst bei einer Unterbrechung (z.B. durch Arbeitsaufnahme, Auslandsaufenthalt, …-) von mehr als 62 Tagen beendet.” (Quelle).

Der Status der Langzeitarbeitslosigkeit lässt sich also leichter unterbrechen als jener der Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Ein Mittel Langzeitarbeitslosigkeit zu unterbrechen besteht in Schulungen, kurzen Dienstverhältnissen, aber auch Aufenthalte im Ausland zählen dazu. Entsprechend interessant ist auch der Wert, dass 10.204 Langzeitarbeitslose (also knapp ein Fünftel) und 34.749 Langzeitbeschäftigungslose in Schulungen saßen, was nicht ganz  ein Drittel ausmacht. (Quelle)

Aus meiner Sicht ist es also spannender den Wert der Langzeitbeschäftigungslosigkeit zu betrachten, um herauszufinden, wie viele Personen, wirklich schon lange (1 Jahr und mehr) ohne Job sind.

Zahl der Beschäftigten

Der Orf-Online schreibt:  “Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich leicht um 2,7 Prozent auf 3,712 Mio. Personen.” Auch diese Zahl ist in dieser Darstellung zu hinterfragen. Bei den 3,712 Millionen sind die Zivildiener*innen, die Karenzbezieher*innen in einem aufrechten Dienstverhältnis und die freien Dienstnehmer*innen (die steuerrechtlich “selbständig” sind) mit eingerechnet.

Es ist zwar schön, dass diese Gruppen als “beschäftigt” im Sinne eines unselbständigen Dienstverhältnisses eingestuft werden, aber sauber ist es nicht. Die freien Dienstnehmer*innen sind zwar sozialversichert bei der jeweiligen GKK – nur eben steuerrechtlich sind sie “einkommenssteuerpflichtig”. Rechnen wir diese Gruppen heraus, bleiben nur mehr 3.629.000 Arbeitnehmer*innen.

Ein weiterer Wert, den ich noch etwas näher betrachten möchte, ist jener der “geringfügig Beschäftigten”. Bei “geringfügig Beschäftigten” handelt es sich arbeitsrechtlich gesehen um Arbeitnehmer*innen in einem geregelten unselbständigen Dienstverhältnis. Müsste man diese also als “arbeitend” berücksichtigen? Das ist die Frage: Geringfügige sind normalerweise nicht sozialversichert (mit Ausnahme der Unfallversicherung). Insgesamt 136.236 Männer und 216.850 Frauen (Summe 353.086 Personen) befinden sich in sogenannten geringfügigen Dienstverhältnissen: Interessant wäre nun zu wissen, wie viele “geringfügige Jobs” selbstversichert bei der GKK sind. Denn nur bei Personen, die sich selbst versichern, ist auszuschließen, dass sie nebenbei beim AMS gemeldet sind, sich in Karenz befinden oder bereits Pension beziehen. Mit anderen Worten: spannend wäre zu wissen, wie viele “Geringfügige” gleichzeitig beim AMS gemeldet sind. Die Antwort finden Sie in meinem Beitrag: Daten zum Statusasylberechtigt” werden nicht erfasst…)

Abgesehen davon, sind die Zahlen auch in anderer Hinsicht bedeutend. Thema Gender Pay Gap etc. Aber auch in Richtung “Vollbeschäftigung.” Wenn man bei einem geringfügigen Job im Durchschnitt von 10 Wochenstunden ausgeht, sieht man, dass sich etwa 80.000 bis 90.000 Vollzeitstellen auf alle geringfügigen Beschäftigten verteilen. Ich weiß, dass man dies nicht so rechnen kann, aber das Gedankenexperiment ist absolut spannend. Dies führt zum Arbeitsmarktpotenzial.

Das Arbeitskräftepotenzial

Hier zunächst einmal eine Erläuterung: “Das Arbeitskräftepotenzial ist laut nationaler Definition, beinhaltet die Anzahl arbeitsloser Personen und unselbständig Beschäftigter (laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger). Im Vergleich zum Arbeitskräftepotenzial (internationale Definition) ist die Anzahl der selbständig Beschäftigten in der nationalen Definition nicht enthalten.” (Quelle: WIBIS Stmk) Dies erklärt auch die unterschiedlichen Arbeitslosenquoten. Laut EU-Berechnung ist die Arbeitslosenquote niedriger als jene, die in Österreich berechnet wird. EuroSTAT rechnet Selbständige und Geringfügige als erwerbstätig. In Österreich berechnet man den Wert der Arbeitslosenquote aufgrund der arbeitslos gemeldeten Personen im Verhältnis zum Arbeitskräftepotenziel (=Summe Arbeitslose und Erwertstätige ohne Geringfügige und Selbständige). (Quelle)

Fazit

Arbeitslosenstatistiken sind sensibel. Sie müssen gut erklärt werden. Sie sind ein Werkzeug. Und wie wir wissen, kann jedes Werkzeug richtig oder falsch eingesetzt werden. Wenn Werkzeuge falsch eingesetzt werden, richten diese meist sehr viel Schaden an.


Links:

Aktuelle Arbeitsmarktlage März 2018

Übersichtsblatt AMS Schulungsteilnehmer nach Ausbildung März 2018

Daten zum Statusasylberechtigt” werden nicht erfasst…